Gipfeltreffen

China-Experte erklärt Trumps schwierige Lage in Peking

12.05.2026

Beim Gipfeltreffen in Peking geht es um Handel, Iran und Taiwan. Laut China-Experte Ralph Weber startet Xi Jinping mit besseren Karten als Donald Trump in die Gespräche. 

Zur Vollversion des Artikels
© ORF
Zur Vollversion des Artikels

Wenn Donald Trump am Mittwoch nach Peking reist, geht es um weit mehr als diplomatische Höflichkeiten. Der US-Präsident trifft Chinas Staatschef Xi Jinping in einer Phase globaler Krisen, wirtschaftlicher Unsicherheit und wachsender Spannungen zwischen den beiden Supermächten. Für China-Experte Ralph Weber ist die Ausgangslage klar. "Die meisten Beobachter würden sagen, dass Xi Jinping mit den leicht besseren Karten an den Start geht."

Der Professor vom Europa-Institut der Universität Basel analysierte das Gipfeltreffen in der ZiB2 bei Armin Wolf. Dabei entstand der Eindruck, dass Trump diesmal nicht als dominanter Machtpolitiker nach China reist, sondern als Präsident unter Druck.

Xi wirkt ruhiger als Trump

Laut Weber startet Xi Jinping aus einer deutlich stabileren Position in das Treffen. Während China strategisch langfristig plane, stehe Trump innen- und außenpolitisch unter Zugzwang. Vor allem der Krieg mit dem Iran verschärfe die Lage für Washington massiv.

"Donald Trump ist mit dem Iran-Krieg, mit dringenderen Anliegen vielleicht am Start", sagte Weber. Gleichzeitig brauche die US-Regierung wirtschaftliche Erfolge. Deshalb begleiten zahlreiche Konzernchefs die Reise nach Peking. Trump wolle Deals präsentieren, die er daheim verkaufen könne.

Dabei gehe es um neue Handelsabkommen, mehr Agrar-Exporte und milliardenschwere Wirtschaftsprojekte. Laut Weber hoffe Washington auf schnelle Erfolge, um die eigene Bevölkerung wegen steigender Energiepreise zu beruhigen.

China will keine Eskalation

Trotz der Spannungen sieht Weber derzeit keine unmittelbare Gefahr einer Eskalation zwischen den USA und China. Beide Seiten hätten aktuell kein Interesse daran, die Lage weiter anzuheizen. "Dieses Treffen gilt gerade auch darum als wichtig, weil man sich hier trifft, weil man miteinander spricht", erklärte der China-Experte. Vieles sei dabei genau vorbereitet. Es gehe vor allem um Bilder, Symbolik und politische Inszenierung.

Für Xi Jinping sei allein die Tatsache wichtig, Trump auf Augenhöhe gegenüberzutreten. China wolle damit auch der eigenen Bevölkerung zeigen, dass man mit den USA längst gleichgezogen habe. "Man wird vielleicht sogar versuchen, die Optik zu eigenen Gunsten zu drehen", sagte Weber.

Trump gilt in Peking als manipulierbar

Besonders spannend ist laut Weber die Sicht Pekings auf Donald Trump persönlich. Während viele seiner Anhänger die Unberechenbarkeit des US-Präsidenten als Stärke feiern, sieht China darin mittlerweile eher eine Schwäche. "Ich glaube inzwischen vielleicht eher als Schwäche, weil ihn das auch ein bisschen manipulierbar macht", so Weber. Die chinesische Führung habe Trump genau studiert. Trotzdem sorge seine erratische Außenpolitik weiterhin für Irritationen. Genau deshalb werde bei dem Gipfel jedes Detail präzise orchestriert.

Taiwan könnte zum großen Streitpunkt werden

Heikel dürfte auch die Taiwan-Frage werden. In Peking hofft man laut Weber auf Signale, dass Trump sich deutlicher gegen eine Unabhängigkeit Taiwans ausspricht. Schon kleine Formulierungen könnten für China ein großer politischer Erfolg sein. Besonders innenpolitisch wäre das für Xi Jinping enorm wertvoll. Ob Trump dafür Zugeständnisse fordert, etwa beim Iran oder im Handel, bleibe offen. "Was ist der Preis? Wie viel ist ihm das wert?", fragte Weber.

Angriff auf Taiwan derzeit unwahrscheinlich

Immer wieder wird spekuliert, China könnte die weltweite Ablenkung durch andere Konflikte nutzen und Taiwan militärisch angreifen. Weber hält das aktuell jedoch nicht für wahrscheinlich. China wolle zwar bewusst den Eindruck erzeugen, dass ein solcher Schritt möglich sei. Deshalb gebe es laufend Militärübungen und Drohgebärden. Gleichzeitig setze Peking aber zunehmend auf politischen Einfluss und wirtschaftlichen Druck.

Ein Krieg gegen Taiwan würde China selbst massiv schaden. "Derzeit würde man wirtschaftlich einen solchen Schaden davontragen, dass auch das nicht im Interesse eines Xi Jinping sein müsste", sagte Weber. Klar sei dennoch, dass die Rivalität zwischen China und den USA die Weltpolitik noch jahrelang dominieren werde.