Doch nicht neutral

Paris gibt Militäreinsatz gegen Tschad-Rebellen zu

14.02.2008

Die französische Armee transportierte für tschadische Streitkräfte Munition.

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© EPA/MOHAMED MESSARA
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Frankreich hat Medienberichte bestätigt, die reguläre Armee im Tschad bei der Abwehr von Rebellenangriffen militärisch unterstützt zu haben. Gemäß einem Kooperationsabkommen mit dem afrikanischen Land habe die französische Armee für die tschadischen Streitkräfte Munition transportiert, sagte laut Reuters ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Paris am Donnerstag. Medienberichten zufolge flog die französische Luftwaffe Panzergranaten aus Libyen nach N'Djamena. Dort hatten die Streitkräfte Anfang des Monats Rebellenangriffe auf den Präsidentenpalast abgewehrt.

Bundesheer-Hercules gestartet
Unterdessen startete am Donnerstagvormittag ein Hercules-Transportflugzeug des österreichischen Bundesheeres von Linz-Hörsching Richtung N'Djamena. Die Maschine soll über die libysche Metropole Tripolis in die tschadische Hauptstadt fliegen, um das österreichische Vorkommando zu versorgen. Transportiert werden ein Geländefahrzeug, Verpflegung, Trinkwasser und sonstige Ausrüstungsgegenstände für den Lageraufbau in N`Djamena. Weitere Transportflüge sind im Laufe der nächsten Woche geplant, Truppentransporte sind für Ende Februar/Anfang März geplant. Seit Ende Jänner befindet sich ein aus 15 Bundesheer-Angehörigen bestehendes österreichisches Vorkommando in der Krisenregion.

Neue Diskussionen in Österreich
Dieser neue Transportflug löste sogleich politische Diskussionen in Österreich aus: FPÖ-Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache bezeichnete es in einer Aussendung als "völlig unverantwortlich, dass unsere Soldaten im Tschad mehr als vierzehn Tage ohne wichtige Ausrüstungsteile und Nachschub verbringen mussten" und ihnen erst jetzt eine Transportmaschine die dringend benötigten Güter und Gegenstände bringe. Strache sprach von einer "Peinlichkeit" und warf Verteidigungsminister Norbert Darabos (S) vor, den Einsatz "dilettantisch" vorbereitet zu haben.

BZÖ fordert Rückholung der Soldaten
In dieselbe Kerbe schlug BZÖ-Wehrsprecher Gernot Darmann. Die Transportmaschine solle "die österreichischen Soldaten aus dem Tschad gleich wieder nach Österreich mitnehmen". Darabos warf er vor, "unverantwortlich" zu handeln. "Nachdem sich Frankreich eindeutig aufseiten der tschadischen Regierung positioniert hat und Österreich wieder als EU-Musterschüler auftritt und mit den Versorgungsflügen den Franzosen gleich nachzieht, hat der Tschad-Einsatz des Bundesheeres nichts mehr mit einer neutralen Mission zu tun. Verteidigungsminister Darabos wird damit immer mehr zum Totengräber der österreichischen Neutralität."

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