Biografie

Wer ist David Petraeus?

26.01.2007

Bushs wichtigster Mann: Der neue Oberbefehlshaber Petraeus im Irak soll mit 21.000 weiteren GIs einen Sieg herbeiführen.

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© (c) REUTERS
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David Petraeus gilt als Bilderbuch-General: ein Mann mit Führungsqualitäten, hochintelligent, zielbewusst, ehrgeizig, tapfer und körperlich topfit. Nach der für diesen Freitag erwarteten Bestätigung durch den US-Senat steht der 54-Jährige vor der größten Herausforderung seiner Karriere. Als neuer Oberbefehlshaber der multinationalen Streitkräfte im Irak soll er mit Hilfe von zusätzlichen 21.000 US-Soldaten das Ruder in dem in Gewalt versinkenden Land herumreißen.

Damit spielt der Heeresgeneral eine zentrale Rolle in der neuen Strategie von George W. Bush - als möglicher Retter für den Irak und damit zugleich für den Präsidenten selbst, gegen dessen Irak-Kurs sogar eigene Parteifreunde rebellieren.

"Mission impossible"
Viele Bush-Kritiker und auch US-Medien sehen in dem Auftrag für Petraeus praktisch eine "Mission Impossible", eine zum Scheitern verurteilte Mission. Aber dieser Pessimismus hat nichts mit mangelndem Respekt vor den Fähigkeiten dieses Mannes zu tun, der 1991 bei einem Manöverunfall so schwer verletzt wurde, dass er beinahe daran starb. Wenn es überhaupt in der Macht eines Militärs steht, die Lage im Irak zu verbessern, dann wird das Petraeus zugetraut. Das erklärt auch den reibungslosen Verlauf des Bestätigungsverfahrens im Senat, obwohl Petreaus ausgerechnet zu den ausgesprochenen Verfechtern der so stark umstrittenen Truppenerhöhung gehört: Er hatte einen solchen Schritt selbst schon vor Längerem vorgeschlagen.

Auch Bush-Kritiker unter den pensionierten Generälen haben trotz eigener Ablehnung der Strategie nur Gutes über den Sohn niederländischer Einwanderer zu sagen - so John Batiste, der unlängst meinte: "Wenn es jemand (im Irak) auf die Reihe bringen kann, dann Dave Petraeus." Das Magazin "Newsweek" zitierte einmal einen Regierungsbeamten mit den Worten: "Wenn dieser General den Raum betritt, verändert sich die Körpersprache der Anwesenden." Mit anderen Worten: Alle richten sich auf.

Petraeus gilt als Realist
Petraeus selbst, dem ein Hang zum ständigen Wettbewerb bis hin zur Besessenheit nachgesagt wird, gilt als Realist. "Die Lage im Irak ist düster", räumte er im Bestätigungsverfahren ein, auch wenn er dann hinzufügte, dass dies nicht gleichbedeutend mit "hoffnungslos" sei. Dass Petraeus dem Bush-Konzept anscheinend aufrichtig und nicht nur aus Loyalität eine Chance gibt, gilt aber nur als einer der Gründe für die Entscheidung des Präsidenten, den bisherigen Oberbefehlshaber George Casey durch ihn zu ersetzen. So verfügt niemand über eine derart große praktische Irak-Erfahrung wie er.

Glänzende Noten an Elite-Uni
Tatsächlich war Petraeus, der seine Ausbildung an der Eliteakademie Westpoint mit glänzenden Noten abschloss und dann an der Universität Princeton mit einer Arbeit über die "Lehren für das Heer aus dem Vietnamkrieg" promovierte, im Irak-Krieg von Anfang an dabei. Als Kommandant führte er die 1. Luftlandedivision bis Bagdad und übernahm dann die Kontrolle im Nordirak mit der Stadt Mosul. Dass es dort damals relativ friedlich zuging, wird ihm persönlich zugeschrieben. Er wies seine Soldaten nicht nur an, Kultur und Tradition des Landes gebührend zu respektieren, sondern setzte sie auch intensiv zur Verbesserung der Infrastruktur ein. Man müsse bei Militäraktionen immer abwägen, ob man damit Aufständische motiviere oder sie von der Straße hole, sagte er damals. Nach seiner Versetzung fassten sunnitische Rebellen auch im Norden Fuß.

Erfahrung als Armee-Ausbilder
Von 2004 bis 2005 leitete Petraeus ein Jahr lang die Ausbildung der irakischen Armee. Dass es damit überhaupt nicht so klappte wie erhofft, lastete ihm niemand persönlich an. Es wurde vielmehr auf den großen Zwang zur Eile zurückgeführt. Nach seiner Heimkehr in die USA ließ der verheiratete Vater von zwei Kindern, den manche gar als den intelligentesten Mann der US-Streitkräfte bezeichnen, seine Erfahrungen in ein neues Handbuch zur Bekämpfung von Aufständischen einfließen, das unter seiner Federführung entstand. Nun hat er, was selten vorkommt, die Gelegenheit, die eigenen, auf dem Papier festgehaltenen Erkenntnisse in der Praxis anzuwenden. Bisher hat niemand gesagt, dass er Petraeus darum beneidet.

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