Gesetzeslücke

317 Anträge auf Umwidmung: Grüne warnen vor "Wohnraub" in Wien

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Immer mehr Wohnungen in Wien drohen dauerhaft zu Touristenunterkünften zu werden. Neue Zahlen der Grünen zeigen, dass die Anträge auf Umwidmung bereits den Vorjahreswert übersteigen.
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Der Kampf um leistbaren Wohnraum spitzt sich weiter zu. Während viele Menschen in Wien auf Wohnungssuche sind, könnten immer mehr Wohnungen dauerhaft zu Touristenunterkünften werden. Die Grünen warnen vor einer Entwicklung, die auch durch die jüngste Gesetzesänderung nicht ausreichend gestoppt werde. Bei einer Pressekonferenz wurden am Mittwoch neue Zahlen zu den beantragten Umwidmungen präsentierten und anhand eines Wohnhauses in Währing gezeigt, welche Folgen diese Entwicklung haben kann.

317 Anträge auf Umwidmung eingebracht

Nach Angaben der Grünen wurden heuer bis zum 10. Oktober bereits 317 Anträge auf Umwidmung eingebracht. Davon wurden 85 bewilligt, weitere 232 sind noch in Bearbeitung. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2025 waren es 305 Anträge. Damit wurde der Vorjahreswert bereits überschritten. Die Grünen machen dafür auch Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) mitverantwortlich. Dieser habe im April, Juni und September Änderungen der gesetzlichen Bestimmungen angekündigt.

Aus Sicht der Grünen könnten die Ankündigungen zahlreiche Immobilieneigentümer dazu bewegt haben, noch rasch entsprechende Anträge einzubringen. Wie groß das Problem bereits ist, sollen auch Zahlen der Plattform "Inside Airbnb" verdeutlichen. Demnach werden in Wien mehr als 12.000 Wohnungen dauerhaft als Tourismusapartments angeboten. Das wären mehr Wohnungen, als es im gesamten Bezirk Josefstadt gibt.

11 Wohnungen in Währing betroffen

Besonders deutlich wird die Problematik in der Martinstraße 12 in Währing. Im rückwärtigen Teil der Liegenschaft befindet sich bereits ein Beherbergungsbetrieb. Nun sollen auch die verbleibenden 11 Wohnungen im Straßentrakt, ausgenommen jene in den Dachgeschoßen, in Unterkunftseinheiten umgewandelt werden. Für Währing wäre das ein schmerzhafter Verlust. Der Bezirk verfügt kaum über Flächen für neue Wohnbauprojekte.

Umso schwerer wiegt aus Sicht von Bezirksvorsteherin Silvia Nossek (Grüne) jede Wohnung, die dem regulären Wohnungsmarkt entzogen wird. Gerade junge Menschen, die im Bezirk aufgewachsen sind, sollen weiterhin die Möglichkeit haben, dort zu wohnen. Auch Wohnbausprecher Georg Prack sieht in dem Fall ein Warnsignal. "Mit der Umwandlung von Wohnhäusern in Beherbergungsstätten wie in der Martinstraße 12 versuchen Spekulant offenbar, die strengeren Regeln zu umgehen", kritisiert Prack.

Bis zu 100.000 Wohnungen könnten umgewidmet werden

Zwar hat der Landtag erst im Oktober neue Regeln beschlossen, für die Grünen gehen diese allerdings nicht weit genug. Berechnungen nach könnten trotz der Verschärfungen weiterhin bis zu 100.000 Wohnungen rechtlich in Beherbergungsstätten umgewandelt werden. Das entspricht rund zehn Prozent des gesamten Wiener Wohnungsbestands. Eine weitere Schwachstelle sehen die Grünen bei der Definition von Hotels. Die neuen Bestimmungen würden nicht ausreichend klar zwischen klassischen Hotels und anderen Beherbergungsbetrieben unterscheiden. Dadurch könnten Wohnhäuser weiterhin zu touristisch genutzten Unterkünften werden. "Die Stadt muss den Wohnraub stoppen und unmissverständlich klarstellen, dass Wohnungen keine Hotels sind", fordert Parteichefin Judith Pühringer.

Grüne wollen Ausnahmebewilligungen streichen

Um weitere Umwidmungen zu verhindern, fordern die Grünen ein grundsätzliches Ende neuer Ausnahmebewilligungen für gewerbliche Kurzzeitvermietungen. Das soll sowohl innerhalb als auch außerhalb von Wohnzonen gelten. Bestehende befristete Bewilligungen sollen nach ihrem Ablauf nicht mehr verlängert werden. Die gelegentliche Vermietung der eigenen Wohnung soll dagegen weiterhin möglich sein. Bis zu 90 Tage pro Kalenderjahr sollen Wohnungen vorübergehend an Touristen vermietet werden dürfen, solange der eigene Wohnsitz nicht dauerhaft aufgegeben wird.

Auch bei neuen Beherbergungsbetrieben drängen die Grünen auf strengere Vorgaben. In Wohngebieten und gemischten Baugebieten sollen Hotels oder vergleichbare Unterkünfte nur noch dann errichtet oder durch Umwidmung geschaffen werden dürfen, wenn die Bebauungsbestimmungen dies ausdrücklich erlauben. Zusätzlich wird eine Angleichung der Wiener Bauordnung an die gewerberechtlichen Vorschriften für Beherbergungsbetriebe gefordert. Derzeit lässt die Bauordnung bei der räumlichen Ausstattung teilweise geringere Standards zu als die Wiener Mindestausstattungsverordnung.