Der globale Ölmarkt steht vor einer ungewöhnlichen Belastungsprobe, die weitreichende Folgen für Verbraucher und Wirtschaft haben könnte. Aktuelle Berechnungen von Reuters zeigen, dass im Jahr 2026 fast die Hälfte des weltweiten Erdölangebots aus Ländern stammen könnte, die von schweren geopolitischen Konflikten betroffen sind. Eine detaillierte Analyse auf Basis von Daten der Internationalen Energieagentur (IEA) verdeutlicht eindringlich, wie stark die globale Energieversorgung inzwischen von politischen Krisen abhängt.
Nahe Osten, Russland, Libyen, Venezuela, Teile Zentralasiens
Zusammengenommen produzierten die betroffenen Länder auf Basis der Fördermengen von 2025 rund 45 Millionen Barrel Öl pro Tag. Das entspricht mehr als 43 Prozent des weltweiten Angebots. Zu den wichtigsten Risikoregionen zählen derzeit der Nahe Osten, Russland, Libyen, Venezuela und Teile Zentralasiens.
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Iran-Krieg und Ukraine-Krieg belastet die Energie-Infrastruktur
Vor sechs Monaten lösten Angriffe der USA und Israels auf den Iran die schwerste Ölversorgungskrise der jüngeren Geschichte aus. Ein Ende dieser Unsicherheit ist bislang nicht absehbar, was die Märkte in ständiger Unruhe hält.
Gleichzeitig hat der Krieg zwischen Russland und der Ukraine die globalen Energiemärkte weiter massiv belastet. Angriffe auf russische Energieanlagen führten zu erheblichen Produktions- und Raffinerieausfällen. Selbst im benachbarten Kasachstan kam es in der Folge zu spürbaren Einschränkungen bei der Ölversorgung. Zusätzlich verschärften die anhaltenden Konflikte in Libyen sowie die von den USA verhängten Beschränkungen für venezolanische Ölexporte die globale Gesamtsituation.
Raffinerie-Engpässe als neue Achillesferse
Der eigentliche Engpass liegt inzwischen zunehmend bei den weltweiten Raffinerien. Die Konflikte im Nahen Osten und in der Ukraine haben die globalen Raffineriekapazitäten laut Reuters um etwa zehn Prozent reduziert. Besonders Russland steht dabei unter massivem Druck: Die Ukraine hat wiederholt russische Raffinerien gezielt angegriffen. Darunter befanden sich sogar Anlagen im weit entfernten Omsk, das rund 2.700 Kilometer vom ukrainisch kontrollierten Gebiet entfernt liegt.
Die spürbaren Folgen zeigen sich vor allem bei den Endprodukten Benzin und Diesel:
- Russland kämpft mit akuter Treibstoffknappheit im eigenen Land.
- Die russische Regierung hat Exporte von Benzin und Diesel drastisch eingeschränkt.
- Gleichzeitig sind die Dieselpreise in den USA trotz einer sehr hohen Auslastung der dortigen Raffinerien auf Rekordniveau gestiegen.
Zinsdruck belastet Krisen-Staaten
Für Anleger und Wirtschaftsexperten ist dies ein absolut entscheidender Punkt: Der nächste Energiepreisschub könnte weniger durch fehlendes Rohöl entstehen, sondern vielmehr durch extrem knappe Treibstoffe. Höhere Kraftstoffpreise wirken direkt auf die Inflation und erhöhen den Druck auf die weltweiten Notenbanken, die Zinsen noch länger auf einem hohen Niveau zu halten.
Strategische Ölreserven sind teils aufgebraucht
Die Internationale Energieagentur hat in der Vergangenheit bereits große Mengen aus strategischen Ölreserven freigegeben, um die globale Versorgung zu stabilisieren. Diese außerordentlichen Notmaßnahmen sind inzwischen jedoch weitgehend abgeschlossen, und die Reservoirs wurden nicht in ausreichendem Maße wieder aufgefüllt.
Gleichzeitig sinken die weltweiten Lagerbestände ungebremst weiter. Damit bleibt der globale Ölmarkt extrem anfällig für neue Schocks: Schon eine einzige zusätzliche Störung in einer wichtigen Förderregion oder bei den zentralen Handelswegen, wie etwa dem Roten Meer oder dem Suezkanal, könnte die Preise erneut rasant nach oben treiben und eine neue Teuerungswelle auslösen.