Rough and Twisted: Die unter dem Pseudonym The Cockroaches veröffentlichte Vorabsingle baut auf kernigen Slide-Gitarren, düsteren Blues und markante Mundharmonika.
In the Stars: Die aktuelle Hymne. Auch für die Fußball-WM. Ein trendinger AOR-Hit, der unmißverständlich auf eine Stadion-Tour zielt.
Jealous Lover: Hochtöner im Stile von "Emotional Rescue". Dass Jagger mit fast 83 stimmlich derart hochhinauf kommt ist beachtlicher als der Song selbst.
Mr Charm: Belangloser Rock-Stampfer, der an nervige Werbejingles erinnert. Auch dank der etwas gar penetranten Dauerwiederholung "Call me Mister Charm. Mister Charm. Mister Charm"
Divine Intervention: Logische Fortführung vom Hackney Diamonds-Track "Bite my Head of". Klingt vom ersten Takt an vertraut. Auch dank eines eindringlichen Gitarren-Riffs und lässigem Drumbeat.
Ringing Hollow: Beim schweren Südstaaten Blues taucht Jagger stimmlich ins tiefe Mississippi Delta ab und überlässt stellenweise auch Keith Richards das Mikro. Das Referenzwerk der CD.
Never Wanna Lose You: Ein Flirt mit Disco-Rhythmen. Hat durchaus Hitradio-Potential. Für Stones-Puristen aber wohl etwas zu seicht. Auch wenn robert Smith von The Cure mitsingt und Brruno Mars die Cowbell schlägt.
Hit Me In The Head: Hektischer Rock-Exzess mit leicht verzerrten Gitarren und ausuferndem Harmonika-Spiel. Der letzte Song mit Charlie Watts.
You Know I’m No Good: Ein nettes Amy Winehouse Cover, das jedoch nicht wirklich neue Akzente setzt und somit auch nicht als Hommage durchgeht.
Some Of Us: "All we need is a little loving" singt Keith Richards in seinem besten Stones-Song seit Dekaden. Mit einer Stimme wie der Bronson in Cinemascope. Macht Hoffnung auf eine Live-Performance.
Covered in You: Groovende Power-Ballade mit lässigen Funk-Einflüssen und messerscharfer Stimme, teilweise sogar nahe am Rap. Paul McCartney spielt dazu den Bass.
Side Effects: "Alles, was du dir in die Adern pumpst, hat seinen Preis!" Eine Art ärztliche Erkenntnis mit etwas übertriebener Refrain-Intonierung. Mit Fortdauer eine Spur zu eintönig.
Back in Your Life: Große Ballade. Das "Wild Horses" von "Foreign Tongues", bei dem Ron Wood sein wohl imposantestes Solo hinlegt. Dafür gibt’s von Jagger zurecht das Shoutout "Come On Ronnie". Das Album-Highlight!
Beautiful Delilah: Das erdige Chuck Berry Cover, das man in den unverkennbaren Stones-Sound transferiert setzt ein würdiges Finale.
oe24-Fazit:
In Summe ein großes und wichtiges Alterswerk, das aber nicht ganz an die herausragende Klasse von "Hackney Diamonds" herankommt. Die junge Konkurrenz lassen Rockdinos damit aber definitiv wieder alt aussehen.