Angola: Im Rhythmus von Afrika

Die ehemalige portugiesische Kolonie im Südwesten Afrikas ist touristisch noch weitgehend unbekannt, bietet für Entdecker jedoch enorme Vielfalt mit viel Afrikaflair.
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Kalundala Falls. Hier stürzen die Wassermassen über 100 Meter 
in die Tiefe. © Puchinger

Mit jedem Schritt durch den tiefgrünen Regenwald wird das Donnern lauter. Und plötzlich steht man vor riesigen Wasserfällen. Auf über 400 Meter Breite stürzt das Wasser des Lucaca Flusses zwischen den Bäumen über 100 Meter in die Tiefe. "Kalandula Falls are the second biggest in Africa." ist Guide Carlos sichtlich stolz und zeigt auf einen mächtigen Regenbogen in der Gischt. Die noch größeren Victora Falls am Sambesi zwischen Sambia und Zimbabwe kennt jeder, das Naturwunder von Angola ist nahezu unbekannt. Bequem von den Aussichtspunkten oder auch abenteuerlich über Wanderpfade bis zum Fuß der Fälle inklusive Sprühregenbad lässt sich das Naturwunder erleben. Die Belohnung folgt nach dem Wiederaufstieg in der Pousada de Calandula auf der Terrasse des Restaurants bei einem angolanischen Cuca Bier und einem herzhaften Mittagessen – immer mit Blick zu den Falls. Fast genauso spektakulär in der Region Malanje sind die Pedras Negras, die schwarzen Felsen von Pungo Andongo. Wuchtige Felsmurmel ragen in den Savannenhimmel, dort soll die befestigte Hauptstadt des Königreichs N’dongo gewesen sein.

Miradouro da Lua. Die bizarre Felslandschaft liegt nur 40 km von Luanda entfernt. © Puchinger

Ein Land erwacht

Noch ist Angola ein wenig bereistes Land. Jahrzehntelang tobte hier nach der Unabhängigkeit von Portugal 1975 ein blutiger Bürgerkrieg bis 2002. Angola versank im touristischen Dornröschenschlaf. Doch die bösen Zeiten sind vorbei, die Regierung investiert in Tourismus. "Hier gibt es tropische Wälder im Norden, wilde Savannenlandschaften, palmengesäumte Strände, mächtige Gebirge, Wüsten mit Welwitschia-Pflanzen im Süden und 1600 km Atlantikküste. Kulturell haben wir von der Weltkulturerbestätte in M’banza Kongo im Norden über die portugiesisch geprägten Kolonialstädte Benguela und Lobita bis zur Ghosttown Baia dos Tigres im Süden viel zu bieten", hatte Carlos schon bei der Begrüßung erklärt. Er war jahrelang als Guide im benachbarten Namibia beschäftigt und freut sich nun sein Land vorstellen zu dürfen. Schließlich ist alles angerichtet für Afrikareisende, um auf Entdeckungstour zu gehen. Flexibilität wird vorausgesetzt.

Voller Kontraste

Piedras Negras. Die unzähligen vulkanischen Felsformationen thronen weit sichtbar über der Savanne. © Puchinger

Von der 1575 für den ersten portugiesischen Gouverneur erbauten Festung Sao Miguel bietet sich ein eindrucksvoller Überblick über die 9 Millionen Metropole Luanda. Die Stadt überrascht mit einer hochmodernen Skyline, einer geschmackvollen Promenade am Meer, tollen Museen, schönen Stränden und guten Restaurants. In der Oberstadt, Cidade Alta, säumen stolze, rosafarbene Kolonialgebäude die Straßenzüge nahe der Präsidentenresidenz. Extravagant und ein besonderer Blickfang ist der vom berühmten Gustave Eiffel konstruierte Eisenpalast – ein Prunkstück an Gusseisenarchitektur. Auf der anderen Seite der Bucht zeigt die Ilha do Cabo die süßen Seiten von Luanda: Strandrestaurants für alle Geldbörsen und hippe Cafés. Es duftet nach gegrilltem Fisch, der Sandstrand sorgt für Urlaubsstimmung, aus den Musikbars dröhnt stimmige Musik. Der Rhythmus der Musik – hier oft Kizomba oder Kuduro – eint alle, den Rhythmus haben sie im Blut. Man möchte die Vergangenheit vergessen, der Blick ist in die Zukunft. Aber nicht alles ist bunt und schön, natürlich gibt es in Luanda auch Armut und Slums, abertausende Strassenmärkte und im Land Millionen Schlaglöcher auf den Fahrbahnen – auch das ist Afrika.

Sklaverei-Museum. Das Museum in Luanda erinnert an die Gräuel der Kolonialzeit. © Puchinger

Böse Zeiten

Der nächste Tag führt uns zum Sklavenmuseum. Es ist ein Pflichtbesuch, um Angola zu verstehen. Das Land war eines der wichtigsten Zentren des Sklavenhandels nach Amerika! Zwischen dem 15. Jahrhundert und 1867 wurden unglaubliche 12,5 Millionen Menschen in Afrika versklavt und über den Atlantik verschleppt. Allein 1,6 Millionen Afrikaner wurden aus der Region um Luanda zur Zwangsarbeit versklavt. Bei diesen Zahlen und den menschlichen Tragödien läuft es sicher kalt über den Rücken. Erholung und Nachdenkzeit gefällig? Dann braucht man nur mit dem Fährboot vor dem Museum zur Mussulo Halbinsel übersetzen, dort warten die schönsten Strände und chillige Stunden.

Kissama Nationalpark. Die Wildnis ist Heimat von Zebras, Gnus und Elefanten abseits des Luxustourismus. © Puchinger

Safarifeeling

Eine Autostunde südlich der Hauptstadt fasziniert am Miradouro da Lua eine durch Wind- und Wassererosion geformte Mondlandschaft mit bizarren Gesteinsformationen – ein Bryce Canyon mit Meerblick im Miniformat. Und ein Mini-Amazonas ist ganz nah. Am Kwanza River sind wir mit der Südafrikanerin Kiara von Eck auf ihrem Boot in einem Flusslabyrinth unterwegs, um Affen, Geier und Krokodile aufzuspüren. Nach dem Mittagessen rattert der Minibus auf einer tiefroten Sandpiste weit hinein in den Kissama Nationalpark zur Nachmittagssafari. Gleich vorweg – natürlich wurde hier zu Bürgerkriegszeiten gewildert und es gibt noch keine Big Five zu bestaunen. Aber der Kissama NP ist nach der Regenzeit eine tiefgrüne Wildnis, das Aufspüren von Elefanten, Gnus und Zebras ist ein Abenteuer weit abseits von 5-Sterne Safaritourismus mit "Löwengarantie". Noch sind gut gepflegte Pisten hier Mangelware, die Wellblechpisten bieten "african massage" vom Feinsten.

Beach und Rum

Die Hafenstadt Benguela, Namensgeber des kalten Benguelastroms, wurde 1617 von den Portugiesen gegründet. Von hier führte die Bahnlinie ins Landesinnere zu den Bodenschätzen, hier war der wichtigste Hafen. Morbider Kolonialismus ist in der Altstadt auch heute noch zu spüren, alte Forts und portugiesische Villen, fein herausgeputzte Kirchen und Plazas erzählen die stolze Geschichte von gestern. Der neue Reichtum sind die Strände, das charmante Lobito und das umtriebige Benguela haben bereits eine gute Hotelinfrastruktur. Hier lässt es sich am Pool oder am Strand gut chillen und ausspannen. Naturfreunde finden eine Fahrstunde von der Stadt entfernt bei der Kapembawe Lodge Savannenlandschaft und wilde Tiere. Oder man fährt zur Caxaramba Destillerie, um das Museum und Angolas hochwertiges "Zuckerrohrgetränk" zu genießen. Bei einem Gläschen Rum gerät Carlos über Angolas Süden ins Schwärmen – vom Hochland, von spektakulären Kurvenstraßen in der Serra da Leba, von den Naturschätzen des Südens.

Ab in die Wüste

Gründe, sich in Angola zu verlieben, gibt es viele. Die Völkervielfalt, das vielfältige Essen, Rhythmen und Tänze, die enormen landschaftlichen Gegensätze, hunderte Kilometer unberührter Strände – und natürlich die Wüste. Im Südwesten Angolas, ausgehend von der auch per Flugzeug erreichbaren Stadt Namibe, begegnen sich Wüste und Atlantik. Was in Namibia mit dem Skeleton Coast Nationalpark beginnt, findet hier im Norden mit dem Iona Nationalpark die Fortsetzung. Sanddünen, Felslandschaften und der Ozean sorgen für Superlative. Kaum zu glauben, dass hier 1859 der österreichische Botaniker Friedrich Welwitsch die legendäre Welwitschia mirabilis aufgespürt hat. Willkommen in der Welt der Einsamkeit …

Angola – kein weißer Fleck auf der touristischen Landkarte

Schlafen InterContinental Luanda: Großartige Lage in der City, architektonisch hochmodernes 5 Sterne Hotel mit 24. Stockwerken, Rooftop Bar/Restaurant mit 360 Grad Skyline Blicken, Pool, hervorragende Küche; ab 265 Euro(Doppelzimmer). www.ihg.com
Carpe Diem Eco Resort: Sehr schöne Lage am Meer, nette komfortable Bungalows, feiner Sandstrand, Wassersportmöglichkeiten, hervorragende Küche – Fischspezialitäten, ab 70 Euro. www.resortcarpediem.com Pousada Calandula: Traumlage mit 5 Sterne Blick auf die Wasserfälle, sehr gute Küche, Pool, Ausgangspunkt für Wanderungen zu den Wasserfällen; ca. 260 Euro. 
www.pousadacalandula.com Terminus Lobito: Ein Platz zum Längerbleiben, hervorragendes Hotel, grandiose Küche, Pool; Strandlage; ideal für Citytrips in Benguela und Lobito; ab 80 Euro. www.terminuslobito.com
Mubanga Lodge: Ein grünes Paradies samt Stausee und hauseigenem Pool vor den Toren von Luanda, großer Garten, eigener Tierpark, atmosphärischer Lodgebereich, hervorragende Küche; ab 86 Euro. www.mubangalodge.com
Angola Tourism Board. Die Website gibt einen feinen Überblick über die Vielfalt des Landes. 
www.angolatourism.org
Tipps to go
Einreise/Visum. EU-Bürger benötigen für touristische Aufenthalte bis 30 Tage kein Visum. Flug: www.ethiopianairlines.com.
Gute Flugverbindung, guter Service, bestes Netz in Afrika; als zuverlässige Alternative www.lufthansa.com. Gesundheit: www.traveldoc.at (Gelbfieberimpfung-Nachweis bei Einreise aus Gelbfiebergebiet Pflicht!) ERLEBEN/TOUREN: Veetour; 
www.veetour.veemencia.com. Angolanischer Besitzer, bietet perfekt organisierte Touren an. Breit gefächertes Angebot an Touren und Fahrzeugen. Bereisen lässt sich Angola sowohl bequem und informativ in der Gruppe – oder auch individuell und sorgenlos mit dem Driverguide/Guide.

verfasst von Sabine und Sepp Puchinger