Heute ist in der spanischen Stadt Ceuta Schulstart. In der Exklave in Nordafrika herrscht tiefe Besorgnis. Nach der wochenlangen Grenzkrise und dem Eindringen von bis zu 80.000 Migranten über die Grenze von Marokko vor einem Monat protestieren Eltern und Lehrkräfte gegen mangelnde Sicherheitsvorkehrungen an den Schulen.
Lehrerin schlägt Alarm wegen Sicherheitslage
Am Montagabend versammelten sich zahlreiche Familien und Lehrkräfte auf der Plaza de los Reyes direkt vor dem Sitz der Regierungsdelegation. Sie demonstrierten lautstark gegen die unzureichenden Sicherheitsmaßnahmen für die Schulkinder. Viele Eltern haben Angst um den täglichen Schulweg ihrer Kinder und sorgen sich zudem um die psychische Belastung, die die andauernde Krise bei den Schülern und Lehrkräften hinterlässt.
“Die Sorge vor Zwischenfällen im Umfeld der Schulen ist allgegenwärtig.”
Lehrer in Ceuta
Lola Cuadra, die Vertreterin der Bildungsgewerkschaft CSIF in Ceuta, fordert rasches Handeln. Sie betont in der Zeitung El Mundo, dass der Schutz der einheimischen Schüler und eine sichere Rückkehr in den Unterricht die absolute Priorität sein müssen. Das Schulsystem der Exklave arbeite laut der Gewerkschaftschefin am absoluten Limit. Es fehle an ausreichendem Lehrpersonal, spezialisierten Kräften und den nötigen Ressourcen, um alle Kinder angemessen zu betreuen. Die Schulen seien auf eine Krise dieses Ausmaßes nicht vorbereitet.
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"Ich lasse mein Kind nicht in die Schule"
Einige Eltern ziehen nun drastische Konsequenzen und lassen ihre Kinder zu Hause. So berichtet eine Mutter namens Bárbara von unhaltbaren Zuständen. In unmittelbarer Nähe der Volksschule ihrer Tochter Julia und der Kinderkrippe ihres Babys befinden sich informelle Migrantencamps. Die Menschen würden sich dort völlig unkontrolliert bewegen. "Ich lasse mein Kind nicht in die Schule", sagt sie.
Im Park schreien sie: "Ceuta gehört uns"
Von ihrer Wohnung aus höre sie den ganzen Tag über laute Rufe aus dem nahegelegenen Park, in dem die Zuwanderer lagern. Sie schreien den ganzen Tag: "Ceuta gehört uns." Gegenüber El Mundo berichtet Bárbara sie höre auch Rufe nach dem Jihad und Allahu akbar".
Besonders besorgniserregend sind die Vorfälle auf dem Schulgelände selbst. Laut der Mutter wurden auf dem Areal bereits Messer und leere Alkoholflaschen gefunden. Nachts würden Personen illegal in die Gebäude eindringen, um dort die Schultoiletten zur Körperpflege zu nutzen. Dies führe zu massiven hygienischen Problemen, da eine vollständige Desinfektion bis zum Schulbeginn am Morgen kaum möglich sei. Für Bárbara steht deshalb fest, dass ihre Kinder so lange nicht am Unterricht teilnehmen werden, bis die Behörden für lückenlose Sicherheit garantieren können. Wie sich die Lage in den kommenden Tagen entwickelt und ob die Regierung auf die Forderungen reagiert, bleibt abzuwarten.
Lehrerin: "Können Sicherheit nicht garantieren"
Die Lehrerin Lutgarda Reyes de la Rubia erlebt die dramatische Situation aus zwei Perspektiven. Sie unterrichtet an der Volksschule Lope de Vega und ist gleichzeitig Mutter eines Sohnes mit einer Autismus-Spektrum-Störung, der nun auf eine weiterführende Schule wechselt. Sie warnt davor, die Situation zu verharmlosen, und weigert sich, besorgten Eltern falsche Hoffnungen zu machen. Niemand könne den Familien derzeit garantieren, dass ihre Kinder auf dem Schulweg oder im Klassenzimmer vollkommen sicher sind.
Die Lehrer und Angestellten tun laut Reyes de la Rubia alles in ihrer Macht Stehende, um die Kinder im Gebäude zu schützen. Dennoch seien sie weder Polizisten noch Psychologen und bräuchten dringend Unterstützung vom Bildungsministerium. An ihrer Schule wurde nun ein 24-Stunden-Wachdienst eingerichtet, bei dem sich zwei Wachmänner in 12-Stunden-Schichten abwechseln. Dies sei jedoch der einzige Schutz, auf den man sich im Ernstfall verlassen könne. Viele Lehrkräfte forderten deshalb sogar, den Schulstart vorerst komplett zu verschieben.
Es fehlt an Polizei und Sicherheitskräften
Ein Treffen von Bildungsvertretern mit Javier Rodríguez Torres, dem Generaldirektor für Bildungsplanung und -verwaltung, brachte aus Sicht der Betroffenen keine echten Lösungen. Der präsentierte Leitfaden zur psychosozialen Unterstützung reiche bei weitem nicht aus. Die Pädagogen fordern klare und garantierte Notfallprotokolle für den Fall, dass Fremde in ein Schulgebäude eindringen sollten. Die Lehrer seien für den Unterricht ausgebildet, nicht für die Bewältigung von außergewöhnlichen Sicherheitskrisen.
Nach mittlerweile 40 Tagen anhaltender Krise ist die Erschöpfung beim Schulpersonal extrem hoch. Viele Mitarbeiter seien bereits vor dem ersten Klingeln physisch und psychisch völlig ausgelaugt. Da viele Kinder den Schulweg alleine zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen müssen, wächst die Sorge. Es fehle an Polizeipräsenz an den Straßenecken, um die Wege abzusichern. Der Appell der Behörden, zur Normalität zurückzukehren, stößt bei den Familien auf großes Unverständnis, da im Alltag in Ceuta derzeit keine Normalität herrsche.