Reingefallen!

Arzt-Influencerin wirbt auf Social-Media für erfundene Krankheit

© Instagram
YouTuber Marvin Wildhage erfindet eine Krankheit, um Medizin-Influencer zu testen. Eine Ärztin fiel auf die Fake-Kampagne herein und zeigte sich danach einsichtig.
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Der YouTuber und Moderator Marvin Wildhage hat für Aufsehen gesorgt. In seinem aktuellen Video mit dem Titel "Influencer bewirbt Fake-Krankheit" nimmt der Berliner die Glaubwürdigkeit von Medizin-Influencern ins Visier. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob sich manche Ärztinnen und Ärzte auf Plattformen wie TikTok und Instagram "still, illegal und heimlich eine goldene Nase verdienen", wie er das in einem YouTube-Video formuliert. "Ärzten vertrauen wir. Schließlich geht es um unsere Gesundheit", schrieb er zu einem kürzeren Video, das er auf Instagram gepostet hat. "Genau deshalb wollte ich wissen: Wie kritisch prüfen Medizin-Influencer eigentlich die Produkte und Kampagnen, für die sie werben?"

Die erfundene Pinocchio-Erkrankung

Für das Experiment konstruierte Wildhage eine Erkrankung, frei erfunden, bei der die Nase der Betroffenen anschwillt – eine unmissverständliche Anspielung auf die Pinocchio-Figur und deren wachsende Nase beim Lügen. Die Leiterin des ebenfalls fiktiven Pharmaunternehmens hinter der Kampagne firmierte unter dem Namen "Dr. Geppetto" – auch das eine offenkundige Referenz an die berühmte Kindergeschichte. Selbst auf der eigens erstellten Website des Unternehmens versteckte Wildhage mehrere Hinweise darauf, dass es sich um einen Prank für ein YouTube-Video handelte, etwa in den Datenschutzrichtlinien.

Ärztin erfindet zusätzliche Symptome

Trotz dieser kaum übersehbaren Warnsignale stieß der YouTuber nach eigenen Aussagen problemlos auf Influencer, die sich bereit erklärten, die Kampagne zu bewerben. Darunter auch eine junge Ärztin, die die Werbung veröffentlichte und angab, die Krankheit bereits während ihres Studiums kennengelernt zu haben. Sie fügte darüber hinaus Symptome hinzu, die in dem Kampagnen-Briefing gar nicht enthalten waren – sie erfand also Details zu einer Erkrankung, die es gar nicht gibt.

Kritik an Pharma-Praktiken

Das Experiment greift eine in der Pharma-Branche gängige Praxis auf: sogenannte "Disease Awareness Kampagnen". Dabei werde vordergründig über eine Krankheit aufgeklärt, um letztlich die passende Behandlung zu vermarkten. Wildhage dazu in seinem Video: "Also erstmal Angst machen und dann die passende Lösung dafür verkaufen." Auf diese Weise versuche die Branche, das Verbot für approbierte Mediziner, direkt für Medikamente zu werben, zu umgehen. Zugleich ordnete der YouTuber seine Ergebnisse ein: Ein einzelner Fall mache nicht sämtliche Medizin-Influencer unseriös. Dennoch trügen Personen, die medizinische Inhalte verbreiteten, nicht nur Verantwortung für Klicks und Umsätze, sondern "möglicherweise auch für die Gesundheit ihrer Follower".

Einsicht nach der Enthüllung

Die junge Ärztin, die auf die Kampagne hereingefallen ist, hat sich mittlerweile dazu in Instagram-Storys geäußert. Alina Walbrun sagte dort: "Ich möchte Stellung nehmen, nicht, um mich rauszureden, sondern weil ich es der Sache und euch schuldig bin." Dann gab sie ganz offen zu: "Was soll ich sagen? Ich bin drauf reingefallen." Sie gestand zudem ein, den Namen der angeblichen Krankheit ungeprüft übernommen zu haben. Sie habe die erfundene Krankheit mit anderen Krankheiten vermischt, "ohne zu prüfen, ob dieser Name überhaupt existiert". Walbrun weiter: "Das war leichtfertig und ich trage dafür die volle Verantwortung." Für sich selbst zog sie ebenfalls ein Fazit: "Die Moral der Geschichte: Ich hätte gründlicher sein müssen. Dafür übernehme ich die volle Verantwortung." Aber sie danke Marvin auch, sagte sie, "dafür, dass er mich zwingt, viel genauer hinzuschauen".

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Vorgeschichte des bekannten YouTubers

Marvin Wildhage zählt zu den bekanntesten deutschen YouTubern. Mehr als 1,2 Millionen Menschen folgen ihm auf der Plattform. Bereits als Teenager begann er, Videos zu produzieren – inspiriert von TV-Größen wie Stefan Raab. Schon in der Vergangenheit sorgte er wiederholt mit spektakulären Aktionen für Schlagzeilen. Beim Eröffnungsspiel der EM 2024 etwa verschaffte er sich im Bärenkostüm Zugang zum Stadion – mit gefälschten Akkreditierungen und einem falschen Kennzeichen an seinem Fahrzeug. Das Amtsgericht München verurteilte ihn dafür wegen fünffacher Urkundenfälschung zu einer Geldstrafe von 9.000 Euro und ordnete die Einziehung der Video-Einnahmen in Höhe von rund 5.400 Euro an.