oe24 enthüllt
Auf Mülldeponie: Gift-Alarm um Gemeindesee in NÖ
Am Gemeindesee in Parbasdorf (Bezirk Gänserndorf) herrscht normalerweise Postkartenidylle. Angler sitzen am Ufer, Familien packen die Kühltasche aus und grillen direkt neben dem Grundwassersee.
Die Traktoren rattern über die Felder – allerdings nicht nur daneben, sondern wohl auch direkt auf dem Müllkörper der ehemaligen Deponie.
Was die wenigsten wissen: Dieses Freizeit- und Agrarparadies liegt mitten auf einer gigantischen Altlast. In dieser ehemaligen Schottergrube wurden in der Vergangenheit Massen an Bauschutt, Hausmüll und Industrieabfällen vergraben – und das völlig ohne Schutzmaßnahmen für die Umwelt.
Die Idylle am Gemeindesee trügt
Der vergrabene Unrat steht metertief direkt im offenen Grundwasser, aus dem sich der See speist und auf dem die Lebensmittel wachsen.
Mit diesen Recherchen konfrontiert, wiegeln die Behörden ab. Doch wer die offiziellen Dokumente genau liest, stößt auf ein System des Wegschauens, das Angst macht.
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Die "Grundstücks-Ausrede" der Gemeinde
Der amtierende Bürgermeister Markus Spazierer (ÖVP) erklärte auf Anfrage gegenüber oe24 schriftlich, dass das Grundstück des heutigen Fischteichs nach Kenntnis der Gemeinde damals gar kein offizielles Verdachtsgebiet war.
Ein Blick in das Gutachten des Umweltbundesamtes (UBA) zeigt jedoch anderes: Dort ist die Parzelle des Fischersees schwarz auf weiß als Teil des belasteten Müllkörpers aufgelistet.
Die Gemeinde lässt die Bürger also seit dem Jahr 2001 im See Fische fangen und neben der Deponie grillen. Es scheint, als handle es sich um einen jahrzehntelangen Blindflug auf dem Rücken der Bevölkerung.
Die unsichtbare Gefahr: Explosionsfähiges Deponiegas im Boden?
Wie gefährlich es im Untergrund wirklich brodelt, beweisen die offiziellen Messdaten des Umweltbundesamtes.
Im deponierten Müll entsteht durch Verrottungsprozesse nämlich hochexplosives Methangas.
Das UBA dokumentiert in seinem Bericht einen dramatischen historischen Spitzenwert von 13,3 Vol.% Methankonzentration im Boden!
Methan ist bereits ab einer Konzentration von etwa 5 % in der Luft hochentzündlich und explosionsgefährlich. Wenn dort heute Bauern mit schweren Traktoren über den giftigen Deponiekörper pflügen oder Familien direkt neben den Gasaustritten ihre Grillkohle anzünden, spielen sie unwissentlich mit dem Feuer.
Doch vor dieser unsichtbaren Gefahr wurde die Bevölkerung nie aktiv gewarnt.
Amtliche Gutachten "gesundgebetet"?
Wie aber konnten die Umwelt-Behörden im Jahr 2012 überhaupt grünes Licht für das Areal geben und erklären, es bestehe keine Gefahr?
Die Recherchen von oe24 zeigen: Das amtliche Gutachten wurde offenbar regelrecht "gesundgebetet", um eine millionenteure Sanierung zu verhindern.
Das Umweltbundesamt hat das Gebiet in seiner Risikoanalyse nämlich kurzerhand als ungenutzte, tote "Brachfläche" eingestuft.
Dass dort ein aktiv genutzter Fischteich betrieben wird und auf den Flächen direkt über dem Müll intensiv Gemüse und Korn angebaut werden, wurde in der finalen Risikobewertung scheinbar einfach ignoriert. Der mögliche Grund für diesen vermutlichen bürokratischen Trick: Für eine ungenutzte, verlassene Wiese sind rechtlich viel höhere Belastungen erlaubt als für Anbauflächen von Lebensmitteln und für einen See.
See nie auf Schwermetalle oder Gifte geprüft
Während die Behörden im Untergrund mit Sonden hantierten, wurde das eigentliche, offene Freiwasser des Freizeitsees offenbar zu keinem Zeitpunkt auf Schwermetalle oder Giftstoffe untersucht!
Und wie die Gemeinde selbst zugibt, wird das Wasser bis heute nicht regelmäßig kontrolliert: "Nach dem Kenntnisstand der Gemeinde besteht für die konkrete Nutzung als Sportfischgewässer keine wasserrechtliche Bewilligungspflicht bzw. regelmäßige Untersuchungspflicht seitens der Gemeinde." Ein ungeheuerlicher Verdacht: Was man nicht gezielt im See misst, muss man in der Statistik auch nicht rechtfertigen.
Keine Grenzwerte in den Amtstabellen
In den offiziellen Ergebnistabellen des Umweltbundesamtes wurde die Spalte, in der die gesetzlichen Alarm-Grenzwerte eigentlich stehen müssten, bei den kritischsten Stoffen einfach komplett leergelassen!
Der Verdacht: Wollte man hier die roten Linien absichtlich verstecken, damit niemand auf den ersten Blick sieht, was im Untergrund wirklich schlummert? Eine erste Stellungnahme der Gemeinde Parbasdorf und das Gutachten des Umweltbundesamtes liegen der Redaktion vor.
Bleibt abschließend zu fragen: Müssen die zuständigen Aufsichtsbehörden nicht JETZT eingreifen – und unverzüglich einen gesetzeskonformen, absolut sicheren Zustand für die Bevölkerung herstellen: und die Marchfelder Altlast beseitigen? oe24 bleibt an der Geschichte dran.