Wien unter Druck

"Auszeit-WG": Luxuswasserbett für Intensivtäter

Wochenlang hielt die Stadt Wien die Öffentlichkeit hin, jetzt musste sie endlich Farbe bekennen: Erst nach massivem Druck legte sie die Unterlagen zur höchst umstrittenen "Auszeit-WG" offen.
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Das zentrale Papier liest sich brisant: Bewegungseinschränkungen, Medienverbote und ein Stufenmodell für Ausgänge sind darin ebenso verankert wie Zwangsuntersuchungen und ein möglicher Aufenthalt von bis zu zwölf Wochen für Kinder unter 14 Jahren.

Luxuriöse Entspannungsangebote

Wer unter 14 ist, mit dem Messer zusticht, vergewaltigt oder Opfer reihenweise ins Krankenhaus prügelt, muss in Österreich keine Strafe fürchten – von Gefängnis keine Spur. Wien reagiert darauf ausgerechnet mit einer "Auszeit-WG" für diese jugendlichen Gewalttäter. Und das nun publik gemachte Konzept lässt aufhorchen: Statt harter Konsequenzen scheint dort vor allem Wohlfühlatmosphäre zu herrschen.

Konkret wird erstmals bekannt, dass der erste Bewohner – ein 13-jähriger Bursche – die Einrichtung bereits planmäßig wieder verlassen hat und nun ein weiterer Jugendlicher aufgenommen wird. Auch die "Entspannungsangebote" werden erstmals detailliert beschrieben: Ein Wasserbett, ein Hängesessel und eine Schaukel sollen laut Konzept der sogenannten emotionalen "Nachnährung" dienen. Neu ist zudem die konkrete Nennung des Betreuungsteams – Jugendpsychiater, Psychologin und Heilpädagoge – sowie die Kostenangabe: Der Betrieb der Auszeit-WG verschlingt demnach mehr als 900.000 Euro pro Jahr.

Intensivtäter sollen sich endlich wieder spüren

Diese Angebote sollen nicht nur Spannungen lösen, sondern auch das Körperbewusstsein und die Körperwahrnehmung schärfen. Erklärtes Ziel sei zudem, soziale Kompetenzen in einer möglichst reiz- und stressfreien Umgebung zu vermitteln, heißt es im Konzept.

Fast eine Million Euro Kosten

Seit Juli sperrt die Stadt in Simmering-Neu Albern Kinder quasi ein, die als sogenannte Intensivtäter gelten – strafrechtlich unbelangbar, aber offenbar Versuchsobjekt eines fragwürdigen Konzepts. Schon ein früheres, 17-seitiges Papier hatte bei Fachleuten für Alarm gesorgt: Kinder- und Jugendpsychiater Patrick Frottier sprach von "gravierenden fachlichen Mängeln", der Berufsverband der Sozialen Arbeit forderte vehement Transparenz. Die Stadt tauchte ab und behauptete, das kritisierte Dokument gar nicht zu kennen.

Zwangsmaßnahmen im Detail

Erst Ende August knickte Jugendstadträtin Bettina Emmerling (Neos) ein und versprach Offenlegung. Nun zeigt sich: Das Konzept sieht anfangs ein regelrechtes Einsperren vor – "Hindern am selbständigen Verlassen des Hauses". Lockerungen gibt es nur schrittweise, ein Überspringen einzelner Stufen ist untersagt. Digitale Medien können komplett verboten werden. Ein Gericht musste bereits eingreifen und stellte klar: Eine durchgehende Türsperre zwischen 5 und 23 Uhr ist rechtswidrig.

Emmerling rechtfertigt das Vorgehen: "Ziel der Auszeit-WG ist es, die Bevölkerung vor jugendlichen Intensivtäterinnen zu schützen und Gewaltspiralen zu durchbrechen." Kritiker dürften das anders sehen.