Stresstest
Bei Krise wären zahlreiche Geldinstitute gefährdet
Untersucht wurden sogenannte Less Significant Institutions, die in Deutschland 90 Prozent aller Kreditinstitute stellen, aber nur etwa 38 Prozent der aggregierten Bilanzsumme. Mehr als 300 Sparkassen und gut 600 Volks- und Raiffeisenbanken vergeben den Großteil der Kredite an kleine Unternehmen und sind im Privatkundengeschäft führend. Großbanken überwacht seit 2014 primär die EZB; die Regionalinstitute kontrollieren BaFin und Bundesbank.
Das Stressszenario simuliert eine schwere Krise nach Eskalation geopolitischer Spannungen: Wirtschaftsleistung minus 6,5 Prozent, Arbeitslosenquote 4,5 Prozent, Inflation 11,4 Prozent, Dax-Absturz um 44 Prozent auf rund 14.200 Punkte sowie steigende Zinsen und Marktkorrekturen. Die harte Kernkapitalquote der getesteten Häuser würde im Aggregat von 18,4 auf 14,6 Prozent fallen – ein Rückgang um 3,8 Prozentpunkte, vor allem durch Wertberichtigungen bei Kredit- und Marktrisiken, besonders im Firmen- und Gewerbeimmobiliengeschäft.
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Starke Ertragslage
"Die Institute bleiben insgesamt solide aufgestellt", sagte BaFin-Exekutivdirektor Nikolas Speer. Die meisten Banken und Sparkassen könnten einem drastischen globalen Einbruch widerstehen. Auffällig seien "grob noch halb so viele" Häuser wie 2024, als mehr als 50 Institute die Kapitalanforderungen verfehlten. Heute seien es knapp 30. Einige hätten sich auf Druck der Aufsicht verbessert, andere seien übernommen worden, berichtet das Handelsblatt.
Speer kündigte an, auffällige Banken besonders im Blick zu behalten und nötigenfalls rechtzeitig einzugreifen.
Die Ertragslage der Breite des Sektors ist stark. Die Genossenschaftsbanken steigerten 2025 den Vorsteuergewinn um 10,1 Prozent auf 9,5 Milliarden Euro, stärkten das Eigenkapital auf 69 Milliarden Euro und weiteten Kredite auf 827 Milliarden Euro aus. Sparkassen profitierten von soliden Zinseinnahmen und Zuwächsen im Wertpapiergeschäft; ihr operatives Betriebsergebnis vor Bewertung lag bei 18,1 Milliarden Euro. Die Institute erwarten laut Umfrage der Aufseher bis 2028 sogar eine höhere Gesamtkapitalrentabilität.
Das Rekordergebnis der Volksbanken wird jedoch von einer Serie von Stützungsfällen überschattet: Seit Anfang 2024 fing die BVR-Sicherungseinrichtung zehn Institute auf und stellte mehr als zwei Milliarden Euro an Garantien, Zuschüssen und Kapital bereit. Der größte Fall ist die Volksbank Brawo mit bis zu 723 Millionen Euro, vor allem wegen Immobilienrisiken. Weitere Häuser gerieten durch Fonds-Investments oder aggressive Expansion in der Niedrigzinsphase in Schieflage. Zusätzlich belastet ein Reputationsfall die Gruppe: Die Volksbank Köln Bonn finanzierte 2021 mit fünf Millionen Euro den Kauf der Immobilie des Großbordells "Pascha".
Der BVR prüft Compliance-Fragen, ein Vorstand wurde beurlaubt, die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Bestechlichkeit und Untreue. Die Bank selbst ist nach eigenen Angaben nicht Beschuldigte.