Während der F1-Zirkus Richtung Übersee übersiedelt, ist Motorsportlegende Gerhard Berger mit Sohn Johan bei Kartrennen in Italien unterwegs. Dort duelliert sich Berger jun. mit Jack (9), dem Sohn von Mercedes-Boss Toto Wolff. Die F1 verfolgt Berger aus der Distanz, wie er im Telefonat mit oe24 erzählt.
oe24: Herr Berger, sind Sie sind Sie jetzt zum Rennfahrer-Papa geworden?
Berger: Ich hab das zu meiner Aufgabe gemacht. Ich habe fünf Kinder (4 Mädchen, einen Buben, d. Red.), aber ich hab nie so richtig Zeit gehabt für die Großen. Jetzt hab ich das Glück, dass ich noch zwei junge Kinder hab und dass sich der Bub für den Motorsport interessiert. Für mich ist das jetzt die Chance, etwas weiterzugeben und eine intensive Beziehung zu einem meiner Kinder aufzubauen. Die Ella ist zwölf und begeisterte Springreiterin, da fehlt mir leider ein bissl der Bezug.
oe24: Wie intensiv ist die Betreuung Ihres Sohnes?
Berger: Sehr intensiv, es ist fast ein Fulltime-Job. Du hast wöchentlich Rennen und Trainings.
oe24: Dr. Helmut Marko, der ein Auge für Motorsport-Talente hat (u. a. Entdecker und Mentor von Max Verstappen), meint, dass Johan wirklich Potenzial hat. Was meinen Sie dazu?
Berger: Die Einschätzung von außen ist eigentlich die wichtigere. Weil als Vater sieht man das immer durch eine spezielle Brille. Deswegen will ich mich auch nicht groß äußern. Früher oder später wird sich alles auf der Stoppuhr zeigen. In der Phase jetzt ist das Wichtigste, dass wir hart arbeiten.
"Niki Lauda hätte eine Gaudi mit der neuen F1"
oe24: Sie meinten unlängst dass, wenn Ihr Sohn in ein gewisses Alter kommt, die Ablenkung durch Mädchen usw. zu groß werden könnte ...
Berger: Da hab ich keine Angst, weil ich finde, dass er das machen soll, was er am liebsten tut. Aber natürlich sieht man dann, ob der Sport wirklich im Mittelpunkt seines Interesses steht.
oe24: Im ServusTV-Interview sagt Johan, dass er einmal in die Formel 1 will. Das Selbstvertrauen vom Papa hat er, oder?
Berger: Er weiß schon, welche Tasten am Klavier er bedienen muss. Es ist auch unglaublich, wie hart die Ausbildung ist, die die Jungen heute bekommen. Mit meiner Zeit kann man das nicht vergleichen. Das wird ihm nicht nur im Rennsport helfen, sondern auch im Leben.
oe24: Wie oft begegnen Sie Toto Wolff bei Kartrennen?
Berger: Wir laufen uns regelmäßig über den Weg. Und dabei reden wir nicht nur übers Kartfahren. Oft kommen auch Lukas und Mathias, die Söhne vom Niki (Lauda, d. Red.), dazu.
oe24: Was uns zur Formel 1 bringt. Was würde Niki zur neuen Elektro-Ära sagen?
Berger: Im Gegensatz zu mir hätte Niki das als Technik-Challenge gesehen und die größte Gaudi damit. Erst recht in seiner Rolle bei Mercedes. Da wär Niki in seinem Element.
oe24: Haben Sie sich inzwischen an die neue Formel 1 gewöhnt?
Berger: Ich bin ein bissl hin- und hergerissen. Man kann nicht sagen, dass die Rennen schlecht sind, die sind meist sogar sehr gut. Mich stört nur, dass das Überholen kein Ausbremsen mehr ist, kein Harakiri-Manöver, sondern reines Energie-Management. Deswegen freu ich mich jeden Tag darüber, dass ich in der besten Zeit der Formel 1 unterwegs war.
oe24: In unserem letzten Gespräch hatten Sie Max Verstappen fahrerisch auf einer Stufe mit Ayrton Senna gesehen. Hat Kimi Antonelli auch das Zeug, dorthin zu kommen?
Berger: Man kann Kimi noch nicht vergleichen mit Max oder mit Senna, da hat er noch viel vor sich. Mit seinem Speed, seiner Leichtigkeit, seiner Jugend und seiner erfrischenden Art ist er der aber neue Stern in der Formel 1. Er und natürlich auch Max, das ist die Generation, die perfekt in die neue F1-Welt passt. In der halben Stunde, in der wir plaudern, sitzt mein neunjähriger Sohn da drüben und studiert Daten. Womit wir wieder bei der super Ausbildung wären, die die Burschen heute brauchen.
oe24: Ist Antonelli noch zu stoppen?
Berger: Wenn nix Außergewöhnliches passiert, dann wird er heuer Weltmeister. Da freu ich mich für Kimi und für Toto. Aber dann geht alles von vorne los.
oe24: Trauen Sie Verstappen zu, dass er nächstes Jahr zurückschlägt?
Berger: Es ist eine Win-win-Situation, dass er bei Red Bull geblieben ist. Max braucht Red Bull und Red Bull braucht den Max. Das ist eine starke Kombination, und ich schätze, dass die nächstes Jahr wieder voll dabei sind.