Model-Ikone

Cindy Crawford über Playboy-Shooting: "Ich wollte kein Geld, ich wollte Kontrolle"

© Yulia Gorbachenko/ PORTER / NET-A-PORTER.COM
Cindy Crawford blickt auf eine außergewöhnliche Karriere zurück. In einem neuen Interview spricht das Supermodel über ihr legendäres Playboy-Shooting, die ständigen Vergleiche mit Tochter Kaia Gerber und warum Frauen ab einem gewissen Alter nicht unsichtbar werden dürfen.
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Kaum ein Model hat die Modewelt so nachhaltig geprägt wie Cindy Crawford. In den 1980er- und 1990er-Jahren wurde sie zum weltweiten Supermodel, später zur Moderatorin, Unternehmerin und Beauty-Ikone. Heute, mit 60 Jahren, denkt Crawford noch lange nicht ans Aufhören. Im neuen Cover-Interview mit PORTER, dem Magazin von NET-A-PORTER, blickt sie auf die Entscheidungen zurück, die ihre Karriere veränderten – darunter auch ihr viel diskutiertes Shooting für den "Playboy".

"Ich hatte die Kontrolle über die Bilder"

Als sich Cindy Crawford 1988 erstmals für den "Playboy" fotografieren ließ, war das für ein erfolgreiches Model ein durchaus riskanter Schritt. Crawford stimmte dem Shooting daher nur unter einer entscheidenden Bedingung zu.

"Als ich das erste Mal für den 'Playboy' posierte, sagte ich: 'Ich will kein Geld. Ich will die Kontrolle'", erzählt sie im Interview. Sie habe nicht nur über die Auswahl der Bilder bestimmen dürfen, sondern sogar das Recht gehabt, die gesamte Geschichte zurückzuziehen, falls ihr das Ergebnis nicht gefallen hätte.

Manche Menschen würden ihre damalige Entscheidung vielleicht bis heute infrage stellen, räumt Crawford ein. Für sie selbst machte es jedoch kaum einen Unterschied zu anderen Modeproduktionen dieser Zeit. Parallel sei sie für die französische "Vogue" fotografiert worden, wo ebenfalls Oben-ohne-Aufnahmen möglich waren. Teilweise habe man gar nicht erkennen können, welches Bild für welches Magazin bestimmt war.

Rückblickend bereut Crawford das Shooting nicht. Im Gegenteil: Die Aufnahmen hätten ihr neue Türen geöffnet und dazu beigetragen, dass sie auch außerhalb der klassischen Modewelt wahrgenommen wurde. Engagements für MTV und der legendäre Werbespot für Pepsi machten sie schließlich zu einem Star, der Frauen und Männer gleichermaßen ansprach.

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Karriere war kein Masterplan

Heute gilt Cindy Crawford als Wegbereiterin einer Modelgeneration, die weit mehr machte, als nur Kleidung auf Laufstegen zu präsentieren. Crawford wurde selbst zur Marke, moderierte mit "House of Style" eine eigene MTV-Sendung, veröffentlichte Fitnessvideos und baute später mit "Meaningful Beauty" ihr eigenes Beauty-Unternehmen auf.

Die Bezeichnung "Pionierin" sieht sie dennoch mit einer gewissen Zurückhaltung. "Ich glaube, in mancher Hinsicht bekomme ich mehr Anerkennung, als ich verdiene, denn es war nicht so, als hätte ich diesen großen Masterplan gehabt", erklärt sie.

Was sie jedoch stets getan habe: Chancen ergreifen. Wenn es keinen wirklich guten Grund gegeben habe, Nein zu sagen, sei ihre Haltung meist gewesen: "Probieren wir es aus."

Auch als Unternehmerin musste Crawford erst lernen, ihrer eigenen Stimme zu vertrauen. "Ich bin die weltweit größte Expertin für Cindy Crawford", stellt sie heute selbstbewusst klar. Frauen würden ihre Macht häufig an andere abgeben. Mit Autorität zu sprechen und die eigene Meinung durchzusetzen, sei daher ein wichtiger Teil ihrer persönlichen Entwicklung gewesen.

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So denkt Cindy Crawford über die Vergleiche mit Kaia Gerber

Auch Crawfords Tochter Kaia Gerber gehört längst zu den erfolgreichsten Models ihrer Generation. Dass Mutter und Tochter ständig miteinander verglichen werden, stört die 60-Jährige nicht.

"Es nervt mich überhaupt nicht. Ich liebe es", sagt Crawford. Gleichzeitig sei ihr bewusst, dass es für Kaia nicht immer einfach sei, ein berühmtes Elternteil zu haben. Neben den vielen Vorteilen gebe es schließlich auch unangenehme Seiten. "Ich bin mir sicher, manchmal ist es richtig mühsam", gibt sie offen zu.

Besonders gerne erinnert sich Crawford an jene Momente, in denen beide unabhängig voneinander für denselben Job gebucht wurden. 2017 liefen Mutter und Tochter gemeinsam bei der Versace-Show über den Laufsteg. "Ich war nicht als Kaias Mutter dort und sie war nicht als meine Tochter dort. Sie war aus ihren eigenen Gründen da und ich aus meinen", erklärt Crawford.

Wann immer sie mit Kaia arbeiten dürfe, empfinde sie das als etwas Besonderes: "Es macht wirklich Spaß."

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Neuer Lebensabschnitt für ihre Ehe

Auch ihre Ehe mit Unternehmer Rande Gerber befindet sich in einer neuen Phase. Nachdem die Kinder das gemeinsame Zuhause verlassen haben, müssen die beiden ihren Alltag als Paar neu definieren.

Vor einer Hochzeit spreche man darüber, wo man leben und welche Familie man gründen wolle. Kaum jemand unterhalte sich jedoch darüber, wie das Leben aussehen soll, wenn die Kinder eines Tages ausgezogen sind, meint Crawford.

Nun stellen sich für das Paar neue Fragen: Wollen sie mehr reisen? Wie möchten sie ihre gemeinsame Zeit verbringen? Noch hätten sie nicht alle Antworten gefunden. Es mache ihnen jedoch Spaß, diese neue Lebensphase gemeinsam zu entdecken.

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Warum Cindy Crawford nicht unsichtbar werden will

Obwohl Crawford gelegentlich darüber nachdenkt, beruflich kürzerzutreten, entscheidet sie sich immer wieder bewusst dafür, vor der Kamera zu stehen. Sie wolle nicht zu der Vorstellung beitragen, dass Frauen ab einem gewissen Alter aus der Öffentlichkeit verschwinden müssten.

Natürlich gebe es auch Tage, an denen sie sich frage, warum sie einem weiteren Shooting zugesagt habe oder ob es langsam an der Zeit sei, aufzuhören. Doch der Gedanke, Frauen könnten mit zunehmendem Alter unsichtbar werden, störe sie.

Stattdessen blickt Crawford neugierig in die Zukunft. Besonders auf eine mögliche neue Rolle freut sie sich bereits: "Ich freue mich wirklich darauf, Großmutter zu werden." Zwar glaube sie nicht, dass Kaia oder Presley schon bald Kinder bekommen werden, doch bei vielen Freundinnen erlebe sie derzeit, wie viel Freude Enkelkinder bringen können.

Bis dahin genießt Crawford ihre Auszeiten mit der Familie am Gerber Point Lodge in Kanada. Dort wird auf dem Steg trainiert, in der Sauna entspannt, im See gebadet und bei sogenannten "Docktails" angestoßen – Cocktailpartys direkt am Dock am Wasser. Definitiv ein angemessener Rückzugsort für eine Frau, die seit mehr als vier Jahrzehnten im Rampenlicht steht und dennoch längst nicht bereit ist, darin unsichtbar zu werden.