CO₂-Betäubung

CO₂ Betäubung bei Schweinen: Was wäre die Alternative?

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Die CO₂-Betäubung von Schweinen ist in der europäischen Schlachtindustrie ein Standardverfahren. In der EU müssen Tiere vor der Schlachtung so betäubt werden, dass sie ohne Schmerzen in einen Zustand der Bewusstlosigkeit versetzt werden. Das betäubungslose Schlachten nennt sich "Schächtung" und ist in Österreich verboten. Ausnahmen bestehen jedoch aufgrund der Religionsfreiheit und werden teils im Judentum und im Islam in Österreich zugelassen, was von Tierschutzorganisationen scharf kritisiert wird, da diese Praxis im Widerspruch zum Tierschutzgesetz steht.
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Üblicherweise müssen Tiere also vor ihrer Tötung betäubt werden. In Österreich werden pro Jahr etwa 5 Millionen Schweine getötet. Die Hälfte, also rund 2,5 Millionen werden durch hochkonzentriertes CO₂ betäubt. (in Deutschland sogar bis zu 80 %).

Der Ablauf erfolgt meist automatisiert: Schweine werden in Gruppen in Gondeln getrieben, in einen CO₂-Schacht abgesenkt und anschließend weitertransportiert. Wissenschaftliche Untersuchungen und EU-Gutachten zeigen, dass diese Methode erhebliche Tierschutzprobleme verursacht.

Vor dem Eintritt der Bewusstlosigkeit erleben die Tiere starke Reizungen an Schleimhäuten, Atemnot und intensive Stress- und Angstreaktionen. Studien beschreiben Fluchtversuche, Panikverhalten und sehr hohe Stresshormonwerte. Die Bewusstlosigkeit tritt nicht sofort ein, sondern schrittweise, wodurch die Tiere über einen relevanten Zeitraum leidvoll bei Bewusstsein bleiben. Beobachtungen und Studien deuten darauf hin, dass Schweine CO₂ extrem vermeiden würden, selbst wenn sie dafür längere Zeit auf Nahrung oder Wasser verzichten müssten. Zusätzlich beginnt der Stress bereits vor der Betäubung durch Transport, Enge und Handling im Schlachthof.

Doch wie lange dauert es, bis Schweine durch das CO₂ tatsächlich das Bewusstsein verlieren?

Das hängt von der jeweiligen Konzentration ab. Hohe CO₂-Konzentration führt zwar schneller zur Bewusstlosigkeit, aber erhöht das Leid vor der Bewusstlosigkeit massiv. Niedrigere Konzentration verlängert hingegen den Prozess. Üblicherweise dauert es zwischen 20 und 60 Sekunden. Es kann aber auch 1,5 Minuten dauern.
Im ersten Moment klingt diese Zeit unproblematisch. Fühlen sich 20-60 Sekunden tatsächlich nur wie 20-60 Sekunden an?

Als Alternativen werden Argon-, Stickstoff- oder Elektrobetäubung untersucht. Diese Verfahren haben jedoch ebenfalls Probleme wie Stressreaktionen, Kosten und auch Fehlbetäubungen. Bei Elektrobetäubung liegt der Anteil an Fehlbetäubungen zwischen 3,3 –12,5 %. Das würde also in Österreich alleine pro Jahr zwischen 165.000 und 625.000 Schweine betreffen: eine Tötung bei Bewusstsein.

Eine vollständig schmerzfreie Gasbetäubung existiert bislang nicht. Die EFSA empfiehlt seit Jahren alternative Verfahren, insbesondere Edelgase, konnte sich jedoch nicht durchsetzen.

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Ein zentrales Problem der CO₂-Methode ist die physikalisch bedingte ungleichmäßige Gasverteilung, die zu steigenden Konzentrationen und damit zu einer Phase führt, in der Tiere bereits Schmerzen und Angst erleben, aber noch nicht bewusstlos sind. Fehlbetäubungen treten laut Studien in etwa 1,8–17,1 % der Fälle auf.

Trotz dieser wissenschaftlichen Kritik bleibt CO₂-Betäubung erlaubt, da sie kostengünstig, effizient und gut automatisierbar ist. Die EFSA-Gutachten werden seit Jahren politisch nur teilweise umgesetzt, da wirtschaftliche Gründe eine Rolle spielen.
Wir haben dazu auch vier Pfoten zur CO₂-Betäubung befragt: Die Organisation meinte dazu, dass CO₂ nachgewiesenermaßen stark reizend auf die Atemwege wirkt und beim Einatmen äußerst schmerzhaft ist. Eine bereits geringgradige Erhöhung der CO₂ Konzentration in der Atemluft steigert der Atmungstiefe, es entsteht das Gefühl der Atemnot, welche zu Panik führt. In der Humanforschung werden geringe CO₂ Konzentrationen von etwa 5% bis 35% dafür verwendet, um Panikattacken auszulösen. Bei Schweinen werden liegt die Konzentration oft bei 70%.

Studien, die den Vorgang der Betäubung untersuchten, beobachteten bei fast allen Tieren massive Abwehrreaktionen, wie ein Zurückdrängen in der Gondel, ein gegen die Wand werfen, ein auf andere Schweine klettern und ähnliches. Die Studien zeigten auch vermehrt unsachgemäße Anwendungen, die weitere Probleme aufwerfen.
Aus Sicht von Vier Pfoten kommt als Alternative das Schlachten direkt am Hof in Frage. Die Organisation fordert demnach eine Unterstützung und Förderung von Betrieben, die ihre Tiere am Hof schlachten möchten jedoch unter Einhaltung strenger Tierschutzbestimmungen und unter Anwesenheit eines Tierarztes.

Was wäre eine gute Alternative zur CO₂-Betäubung?

Vorweg: "ideal" oder völlig tierleidfrei ist leider keine der derzeit möglichen Methoden. Die noch am wenigsten Leid verursachende Art der Betäubung wäre Edelgas – besonders Argon und teils auch Helium.
Teils wird auch die Betäubung durch Bolzenschussgeräte diskutiert, welche bei sachgemäßer Anwendung unter Einhaltung aller Regelungen nach herrschender Ansicht weit weniger Leid verursacht, als die CO₂-Betäubung.