Hype Collab
Couture in Polyester? So viel Galliano steckt wirklich in der Zara-Kollektion
Es ist eine dieser Kooperationen, bei denen man zweimal hinschauen muss: John Galliano für Zara. Der ehemalige Dior- und Maison-Margiela-Kreativdirektor bringt seine ganz eigene Modewelt zum Fast-Fashion-Riesen und zwar nicht einfach als Logo auf einem T-Shirt.
Die Kollektion "Re{form} Zara Authored by the Couturier John Galliano" ist seit 1. Oktober erhältlich und wurde passend mitten in der Paris Fashion Week veröffentlicht. Die Zusammenarbeit wurde bereits im März angekündigt und seit Monaten mit Spannung erwartet. Sie ist auf zwei Jahre und insgesamt vier Kollektionen angelegt.
Ist das jetzt Couture aus dem Zara-Regal?
Jein. Haute Couture im eigentlichen Sinn ist die Kollektion natürlich nicht. Galliano selbst spricht von "almost haute couture" und genau darum geht es bei dem Projekt. Denn der Designer hat nicht einfach eine komplett neue Zara-Kollektion gezeichnet. Stattdessen nahm er bestehende Kleidungsstücke aus früheren Zara-Kollektionen und zerlegte, veränderte, vergrößerte, verkleinerte und kombinierte sie neu. Aus einem klassischen Mantel werden plötzlich extreme Tailoring-Silhouetten, ein Slipdress wandert nach oben und verwandelt sich beinahe in einen extravaganten Kragen. Ein riesiges Zara-Hemd wird zum völlig neuen Kleidungsstück. Galliano nennt diese alten Zara-Teile "Archive". Etwas frecher könnte man sagen: Er hat in den Zara-Lagerbestand geschaut und daraus Mode-Alchemie gemacht.
Und wo ist jetzt der Galliano?
Die Kollektion spielt mit historischen Referenzen, dramatischen Proportionen und genau jener dekonstruierten Romantik, für die Galliano bekannt ist. Da treffen französische Revolutionsmode, Dandy-Looks und Piraten-Vibes auf transparente Stoffe, Spitzen, überlange Silhouetten, Tailcoats und riesige Kopfbedeckungen.
Auch seine eigene Modegeschichte ist deutlich erkennbar: Einige Looks erinnern an seine legendäre Abschlusskollektion von 1984, andere an seine Dior-Zeit und wieder andere an seine Arbeit für Maison Margiela. Besonders die überzeichneten Bicorne-Hüte und historischen Details greifen die Welt der sogenannten Les Incroyables auf. Also: Wer Galliano erwartet, bekommt Galliano.
Nur das Material verrät: Wir sind bei Zara
Denn Gallianos typische Couture-Materialien wie Seidenchiffon oder Organza konnten nicht einfach eins zu eins übernommen werden. Galliano erzählte Vogue, dass Zara bei einigen seiner ursprünglichen Materialvorschläge wegen praktischer beziehungsweise sicherheitsbezogener Fragen interveniert habe. Das Ergebnis ist deshalb eine ziemlich interessante Mischung: Couture-Ästhetik trifft industrielle Produktion.
"Couture für alle"?
Das ist wahrscheinlich die spannendste Frage der gesamten Kooperation. Denn die Kollektion soll Gallianos Designwelt tatsächlich einem wesentlich größeren Publikum zugänglich machen. Der Preis startet bei rund 30 Dollar beziehungsweise 17,99 Pfund für günstigere Accessoires und reicht bis zu rund 999 Dollar für aufwendigere Stücke. Damit ist zwar ein Galliano-Entwurf plötzlich für deutlich mehr Menschen erreichbar als ein Haute-Couture-Original. "Couture für alle" ist trotzdem etwas anderes.
Denn die Kollektion ist teilweise extrem limitiert und wird nicht einfach wie jede gewöhnliche Zara-Kollektion in jeder Filiale hängen. Einige Stücke werden laut Berichten in sehr kleinen Stückzahlen produziert; der Launch ist außerdem zunächst stark auf ausgewählte Stores und den Online-Verkauf konzentriert. Das ist also weniger "Galliano für 30 Euro für alle" als vielmehr: Gallianos Ideen werden in eine Zara-Preisklasse übersetzt.