Nach Wahl-Debakel

Das große Merz-Zittern im Kanzleramt

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Am 21. September um exakt 00.01 Uhr stand fest, was wohl so gut wie keiner in der CDU glauben wollte: Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik fliegen die Christdemokraten aus einem Landtag. In Berlin der zweite Schock: Die Hauptstadt geht an die Linkspartei. Merz und die CDU stecken in einem Dilemma: Man verliert gegen Rechte UND Linke. Eine scheinbar ausweglose Situation, die jetzt das große Zittern im Kanzleramt beginnen lässt.
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Berlin. Für die CDU ist nach dem Debakel von Sachsen-Anhalt, wo die AfD rund 44 Prozent holte und die Kanzlerpartei von Friedrich Merz mehr als halbiert wurde, das nächste Horror-Szenario eingetreten: Die Hauptstadt Berlin hat man an die Linkspartei verloren und - noch schlimmer aus Unionssicht - in Mecklenburg-Vorpommern sind die Christdemokraten mit 4,9 Prozent gleich ganz aus dem Landtag geflogen. Ein Novum in der Geschichte der Bundesrepublik!

Steht Friedrich Merz vor dem Abgang? © APA/AFP/JENS SCHLUETER

Der große Wahlsieger in Mecklenburg-Vorpommern, im Osten Deutschlands, ist die AfD: 38 Prozent holen die Blauen und stürzen nicht nur die CDU ins Tal der Tränen, sondern laufen auch der SPD unter Ministerpräsidentin Manuela Schwesig den Rang ab.

Im Berliner Kanzleramt und der CDU-Parteizentrale beginnen nach dem Wahl-Schock für Friedrich Merz jetzt die Wochen der Wahrheit. Für Merz geht es um nicht weniger als sein politisches Überleben. Bereits am Wahlabend versuchte er um kurz nach 18.00 Uhr die Lage unter Kontrolle zu bringen, trat vor die Presse und sprach von "Desaster" und Reformen, die er nun endlich auf den Weg bringen wolle. Am Tag danach gab sich Merz weiter kämpferisch und sagte vor der Hauptstadtpresse: "

“Es geht um die demokratische Zukunft unseres Landes.”

Friedrich Merz

Merz sprach außerdem von einer "historischen Kraftanstrengung", die jetzt notwendig sei.

Wer im Rennen um die Merz-Nachfolge ist

Ob das reicht, um seine Macht zu sichern, ist unklar. Noch sucht keiner die offene Auseinandersetzung mit dem Parteichef und Kanzler. Kronprinzen wie NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst und CSU-Chef Markus Söder halten sich bedeckt. Beide wagen sich wohl erst aus der Deckung, wenn sie gerufen werden. Und dann gibt es noch einen Geheim-Kandidaten wie Innenminister Alexander Dobrindt (CSU), der zum lachenden Dritten werden könnte, wenn sich Wüst und Söder verhaken.

Ein möglicher Merz-Nachfolger: Hendrik Wüst © Getty Images
Markus Söder: Von München nach Berlin? © Getty Images
Ein Geheimfavorit: Alexander Dobrind © Getty Images

Eine Frage stellt sich aber auch: Will aktuell überhaupt jemand die Merz-Nachfolge? Anders als bei der Bundestagswahl 2021 und bei der Merz-Wahl 2025 hat die CDU kaum Sieg-Chancen. In den Städten (Berlin) verliert sie gegen Linke und in den Ländern (Ostdeutschland) gegen Rechte - die AfD. Auch im Bund hat die AfD mit fast 30 Prozent in Umfragen die Kanzlerpartei mit rund 20 Prozent deutlich abgehängt.

Will man Merz-Kronprinz sein?

Die gehandelten Merz-Kronprinzen schielen auf die Macht, doch werden sie sich genau überlegen, ob sie jetzt den Kopf herausstrecken und "Hier!" rufen. Denn: Das Glück eines jeden Merz-Nachfolgers könnte ein kurzes sein.