Menschen, die während der Schwangerschaft und in den ersten beiden Lebensjahren weniger Zucker ausgesetzt waren, erkrankten später deutlich seltener an Demenz und Alzheimer.
Historische Rationierung wird zum Forschungsprojekt
Möglich wurde die Untersuchung durch eine Besonderheit der britischen Nachkriegsgeschichte. Während und nach dem Zweiten Weltkrieg war Zucker in Großbritannien streng rationiert. Erst im September 1953 wurden die Beschränkungen aufgehoben – der Zuckerkonsum stieg danach deutlich an.
Forscher nutzten diese Situation, um Menschen zu vergleichen, die ihre ersten Lebensjahre noch mit wenig Zucker verbrachten, mit jenen, die nach dem Ende der Rationierung geboren wurden.
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Bis zu 46 Prozent geringeres Alzheimer-Risiko
Für die Studie werteten Wissenschaftler der Guangzhou Medical University die Daten von 60.394 Teilnehmern der britischen UK Biobank aus.
Das Ergebnis fiel deutlich aus: Teilnehmer, die bereits im Mutterleib und in den ersten beiden Lebensjahren weniger Zucker ausgesetzt waren, entwickelten später 27 Prozent seltener Demenz und sogar 46 Prozent seltener Alzheimer.
Auch psychische Erkrankungen traten seltener auf. Das Risiko für Depressionen war um 11 Prozent, jenes für Angststörungen um 20 Prozent niedriger. Einen Zusammenhang mit Parkinson konnten die Forscher hingegen nicht feststellen.
Das Gehirn alterte langsamer
Zusätzliche MRT-Untersuchungen lieferten weitere spannende Erkenntnisse. Das sogenannte biologische Gehirnalter lag bei den Teilnehmern mit geringerer Zuckerbelastung durchschnittlich 0,39 Jahre niedriger. Außerdem waren zwei wichtige Hirnregionen – der Hippocampus und der Thalamus – im Schnitt größer ausgeprägt.
Forscher mahnen zur Vorsicht
Trotz der auffälligen Ergebnisse warnen die Wissenschaftler vor voreiligen Schlüssen. Die Studie könne keinen direkten Ursache-Wirkungs-Zusammenhang beweisen. Der tatsächliche Zuckerkonsum der Teilnehmer wurde nicht erfasst, außerdem könnten auch andere Lebensbedingungen im Nachkriegs-Großbritannien eine Rolle gespielt haben.
Dennoch liefert die Untersuchung neue Hinweise darauf, dass die Ernährung in den ersten 1.000 Lebenstagen langfristige Auswirkungen auf die Gesundheit des Gehirns haben könnte.