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Die Folgen des "blauen Tsunami" für Trump

© APA/AFP/MANDEL NGAN
Nach der Wahl-Niederlage beginnt bei den Republikanern das große Zittern.
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Donald Trump (80) hat am Volk vorbei regiert – und bei den Midterm-Kongresswahlen die Rechnung präsentiert bekommen. Und was für eine! Die Demokraten siegten bis tief ins "Trump-Amerika", schnappten sich Senats-, Repräsentantenhaus- und Gouverneurssitze in Republikaner-Hochburgen wie Texas, Kansas, Mississippi (Ergebnis noch nicht offiziell) oder South Carolina. Das Wort der Woche: "Blauer Tsunami!" Mit dieser Wucht erobern die noch vor zwei Jahren so bitter gedemütigten Demokraten die Macht im Kongress zurück. Und wie: Mit voraussichtlich bis zu 56 zu 44 Senatoren und 258 zu 177 Abgeordneten im "House" erreichen sie ihre stärkste Mehrheit seit 36 Jahren.

Ihr Plan jetzt: Den Brachial-Präsidenten blockieren – und vor allem untersuchen. Eine Flut von Hearings über mutmaßliche Korruption und Selbstbereicherung durch Trump, seine Familie, Geschäftspartner und Insider wird erwartet. Auch sein Kabinett gerät ins Sperrfeuer: Gegen den heillos überforderten Macho-Kriegsminister Pete Hegseth (46) soll nächste Woche bereits ein Amtsenthebungsverfahren beginnen – angestoßen ausgerechnet vom Republikaner Thomas Massie (55).

Vor allem der Demokraten-Triumph in Texas ist eine Zäsur mit nationalen Folgen: Mit dem frommen Liberalen James Talarico (37) zieht erstmals seit 1988 wieder ein Texas-Demokrat in den Senat ein (damals war er noch gar nicht geboren). Das könnte künftige Schlachten ums Weiße Haus auf den Kopf stellen: Der einst erzkonservative "Lone Star"-Staat mit seinen 40 Wahlleuten wird zum größten potenziellen Swing State. Florida-Gouverneur Ron DeSantis (48) sprach schon von einem "Aussterbeereignis" für die Republikaner – als hätte ein Killer-Komet die Partei getroffen.

Texas-Sensation: Demokrat James Talarico wird Gouverneur. © APA/AFP/RONALDO SCHEMIDT

Trump prahlt nach Debakel mit Ballsaal

Und Trump selbst? Zunächst Schockstarre, während sein Stab panisch Kündigungen fürchtete. Am Tag nach der politischen Nuklear-Explosion tauchte er auf der Baustelle seines gigantischen Ballsaals am Weißen Haus auf. "Passt auf, sie heben den Stahlträger hoch", freute er sich. Ein Theater des Absurden. Seinen Wahlkampf hatte er mit einer wirren Rede am "Reflecting Pool" beendet. Nichts erklärte den Absturz besser als diese abgehobene Verhalten.

Trump hatte 2024 versprochen, das Leben für die breite Bevölkerung und besonders die Arbeiterklasse wieder erschwinglicher zu machen. Stattdessen gebärdete er sich wie ein Monarch, vergoldete das Weiße Haus, schwadronierte über Eitelkeitsprojekte, verrannte sich in einem weiteren Nahostkrieg, heizte mit Handelskriegen die Inflation an – und umgab sich gerne mit den allgemein verhassten Tech- und KI-Milliardären. Während Autofahrer wegen der Energiepreis-Explosion durch den Iran-Krieg an den Zapfsäulen 45 Prozent mehr blechen, schwärmte Trump vom "Goldenen Zeitalter". In einer der ältesten Demokratien der Welt stößt solch imperiales Gehabe ab.

Trump präsentiert den Rohbau seines Ballroom. © IMAGO/ZUMA Press Wire

Doch selbst im Freudentaumel zeigen sich auch bei den Demokraten Risse: Der Aufstieg des links-linken Flügels könnte moderate Wähler verschrecken. Der erste muslimische Senator Abdul El-Sayed (42) konnte den Senatssitz der Demokraten in Michigan nur knapp verteidigen, schien also nicht der allerstärkste Kandidat. Der Richtungsstreit zwischen israelkritischen Progressiven und Zentristen könnte die Partei bremsen.