Gumpendorfer Straße
Drogenszene: Bezirk fordert Konsumräume
Die Probleme rund um die U6-Station Gumpendorfer Straße greifen immer stärker auf Rudolfsheim-Fünfhaus über. Anrainer klagen über offenen Drogenkonsum, herumliegende Spritzen und zunehmende Belastungen in Parks und Stiegenhäusern. Im Vergleich zum Vorjahr gingen laut Bezirksvorstehung deutlich mehr Beschwerden ein. Bezirkschef Dietmar Baurecht und Gemeinderätin Claudia Laschan, beide SPÖ, drängen nun auf weitere Maßnahmen.
Betroffen sind nicht nur das unmittelbare Umfeld der Suchthilfeeinrichtung Jedmayer und der U6-Station. Auch entlang der Sechshauser Straße wird die Szene zunehmend wahrgenommen. Genannt werden unter anderem der Dingelstedtpark und der Bildungsgarten Kranzgasse. Seit Mai gilt rund um den Fritz-Imhoff-Park in Mariahilf eine Schutzzone. Die Wiener Sucht- und Drogenkoordination bestätigte bereits Anfang September, dass sich die Szene dadurch teilweise in angrenzende Gebiete verlagert hat.
Mehr Polizei und eigene Inspektion
Der 15. Bezirk fordert deshalb mehr uniformierte und zivile Polizisten sowie eine fixe Polizeiinspektion bei der U6-Station Gumpendorfer Straße. Nach Angaben Baurechts leisten die Polizeikräfte im Bezirk rund 100.000 Überstunden. Damit liege Rudolfsheim-Fünfhaus hinter Favoriten an zweiter Stelle. Der Bezirkschef wandte sich wegen zusätzlicher Kräfte bereits zweimal an Innenminister Gerhard Karner (ÖVP).
Gleichzeitig setzt der Bezirk auf Maßnahmen, die er selbst umsetzen kann. Für die mobile Suchthilfe Sam West sind 60.000 Euro im Bezirksbudget vorgesehen. Rund um die Gumpendorfer Straße wird häufiger gereinigt, bei der Hundezone an den Stadtbahnbögen sollen zusätzliche Lampen kommen. Auch eine Einzäunung des Sechshauserparks wird überlegt, um bei Bedarf nächtliche Sperren zu ermöglichen.
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Konsumräume sollen Szene von der Straße holen
Deutlich weiter geht die Forderung nach legalen Drogenkonsumräumen. Dort sollen Suchtkranke Drogen unter kontrollierten Bedingungen konsumieren können, statt auf der Straße oder in Stiegenhäusern. Als möglicher Standort wurden die Stadtbahnbögen ins Spiel gebracht. Ein entsprechender Antrag erhielt in der Bezirksvertretung laut Baurecht eine große Mehrheit.
Umsetzen könnte der Bezirk diese Idee allerdings nicht alleine. Für Konsumräume fehlt in Österreich derzeit die notwendige bundesgesetzliche Grundlage. Der Wiener Sucht- und Drogenkoordinator Ewald Lochner hatte sich zuletzt skeptisch gezeigt und den Ausbau bestehender und neuer Behandlungsangebote als vorrangig bezeichnet. Auch in Deutschland und der Schweiz gibt es bereits Drogenkonsumräume.
Videoüberwachung spaltet die Bezirke
Parallel dazu wird auch über Kameras rund um die U6-Station diskutiert. In Mariahilf bekam eine Resolution für Videoüberwachung bei der Station diesmal eine Mehrheit von ÖVP, SPÖ und FPÖ. Auf der Seite von Rudolfsheim-Fünfhaus scheiterte ein entsprechender Antrag der ÖVP hingegen. Die SPÖ stimmte dort dagegen.
Wie sich die Drogenszene rund um die Gumpendorfer Straße weiterentwickelt und welche Maßnahmen noch folgen, soll auch bei einer Bürgerversammlung diskutiert werden. Anrainer sollen dort ihre Erfahrungen und Forderungen einbringen können. Einen Termin gibt es bisher noch nicht.