Das sagt ÖSTERREICH
"Eh scho wurscht" - der Ampel täte ein bisserl Trotz ganz gut
Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Nur 78 von 183 Nationalratssitzen hätten ÖVP, SPÖ und NEOS, wenn an diesem Sonntag eine Nationalratswahl wäre. Derzeit sind es noch 109, was der Ampel derzeit eine satte Mehrheit beschert. Doch seit Herbst 2024 hat man also knapp ein Drittel der Mandate verloren.
Das drückt natürlich aufs Gemüt - man regiert mehr schlecht als recht vor sich hin, manchmal hat man den Eindruck, da trotten ein paar Schäfchen auf dem Weg zur Schlachtbank - an einem blauen Bundeskanzler führt eh kein Weg vorbei.
Gut, nehmen wir mal an, an der Unausweichlichkeit eines FPÖ-Wahlsiegs ist was dran. Doch regt sich da bei den drei regierenden Parteien so gar kein Widerstand, mag er fatalistisch oder gar trotzig sein?
Was hindert ÖVP, SPÖ und NEOS daran, endlich ein paar wirklich große Würfe abzuliefern - und dazu schon mal über den eigenen Schatten zu springen? Das betrifft die NEOS, ausgerechnet sie blockieren aus zutiefst ideologischen Gründen eine Zivildienstverlängerung und damit die dringend notwendige Wehrdienstreform. Oder die SPÖ: Ja, es gibt viele ältere Arbeitslose - an einer schrittweisen Anhebung des Pensionsalters für die heute Unter-45-Jährigen führt aber kein Weg vorbei, also warum nicht gleich damit beginnen? Und die ÖVP müsste gleich mehrfach über ihren Schatten springen, man denke nur an die unabhängige Bundesstaatsanwaltschaft oder an den ausufernden Föderalismus - und das Förderungsdickicht.
Schon ist von den zur Wahl-Schlachtbank trottenden Top-Politikern zu hören, man werde ja für einen Kanzler Kickl nicht die Kastanien aus dem Feuer holen. Aber warum denn nicht? Ein FPÖ-Sieg ist ja nur dann in Stein gemeißelt, wenn die Ampel aufgibt. Und dafür wird unsere Regierung wirklich nicht bezahlt.