Mit Haus

Einsame Insel steht für 400.000 Euro zum Verkauf

© Kelvin Anderson Estate Agent
Ein Stück unberührtes Schottland sucht einen neuen Eigentümer: Die geschichtsträchtige Insel Hildasay steht für umgerechnet rund 400.000 Euro zum Verkauf. Wer sich nach absoluter Abgeschiedenheit sehnt, findet hier ein 108 Hektar großes Naturareal mit historischer Vergangenheit.
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Vor der rauen Westküste der schottischen Shetlandinseln bietet sich eine seltene Kaufgelegenheit auf dem Immobilienmarkt. Das Eiland Hildasay wird für einen Richtpreis von 350.000 britischen Pfund angeboten, was nach derzeitigem Kurs rund 400.000 Euro entspricht. Für diesen Betrag erhält der Käufer ein weitläufiges Areal von 108 Hektar, das vollkommen von Wasser umgeben ist.

Das Gelände der Insel ist sanft geschwungen und erreicht an seinem höchsten Punkt lediglich 32 Meter über dem Meeresspiegel. Neben ausgedehnten Küstenabschnitten und einsamen Sandstränden befinden sich auch zwei natürliche Süßwasserseen auf dem Grundstück. Erreichbar ist das Refugium ausschließlich über den Seeweg – die typische Überfahrt erfolgt mit dem Boot von der Ortschaft Hamnavoe aus.

Die wichtigsten Eckdaten der Liegenschaft im Überblick:

  • Kaufpreis: 350.000 GBP (rund 400.000 Euro)
  • Grundstücksfläche: Rund 108 Hektar Naturland
  • Lage: Vor der Westküste der Shetlandinseln
  • Infrastruktur: Eigener Pier, traditionelle Bothy-Unterkunft
  • Geografische Besonderheiten: Zwei Süßwasserseen, höchste Erhebung 32 Meter
  • Distanzen: Rund 16 Kilometer bis Lerwick, etwa 455 Kilometer Luftlinie nach Edinburgh

Bewegte Geschichte: Vom Granitabbau zum Geisterdorf

Hildasay war keineswegs immer menschenleer. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts herrschte auf dem Eiland reges wirtschaftliches Treiben. Im Jahr 1891 lebten etwa 30 Menschen dauerhaft auf der Insel, deren Alltag vor allem von der Heringsverarbeitung und dem florierenden Granitabbau geprägt war.

Besonders das Vorkommen von rot-grünem Granit machte Hildasay über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Der Stein wurde im Tagebau gewonnen und über eine eigens verlegte Schmalspurbahn direkt zur Verladestelle an der Küste befördert. Von dort aus traten die Steinblöcke per Frachtschiff ihren Weg an – historische Dokumente belegen Lieferungen bis nach Australien. Noch heute zeugen verwitterte Gleisreste und imposante Steinblöcke von der industriellen Epoche der Insel.

Bekanntheit durch britischen Wanderer im Lockdown

In jüngerer Vergangenheit geriet das Eiland erneut in das Blickfeld der Weltöffentlichkeit. Während der weltweiten Corona-Pandemie im Jahr 2020 strandete der britische Abenteurer Chris Lewis, der zu Fuß die gesamte Küstenlinie Großbritanniens bewanderte, auf den Shetlandinseln. Als die strikten Lockdown-Vorschriften verhängt wurden, erhielt er eine Ausnahmegenehmigung der Behörden, um auf Hildasay unterzukommen.

Gemeinsam mit seinem Hund Jet bezog Lewis das einzige noch intakte Gebäude der Insel. Abgesehen von einer Herde aus 15 Schafen war das Duo völlig isoliert. Die notwendigen Vorräte, darunter Brennstoff in Form von Kohle sowie grundlegende Lebensmittel, mussten in regelmäßigen Abständen mit Hilfsbooten angeliefert werden. Seine Erlebnisse in der Isolation fasste Lewis später in dem Buch "Finding Hildasay" zusammen.

Rustikale Ausstattung erfordert Logistik

Auf dem Gelände befindet sich eine sogenannte Bothy – eine traditionelle schottische Schutzhütte. Das Gebäude schützt vor den rauen Wetterbedingungen des Nordatlantiks, bietet jedoch keinen modernen Luxus. Dafür überzeugt die Lage mit unverstelltem Panoramablick auf das Meer, das zahlreichen Seevögeln und Meeressäugern als Lebensraum dient.

Laut dem Maklerbüro Kelvin Anderson handelt es sich um ein "außergewöhnliches Anwesen, das Einsamkeit und Geschichte verbindet", wie die britische Zeitung "The Independent" berichtet. Potenzielle Erwerber müssen sich allerdings bewusst sein, dass jegliche Besorgung, von Lebensmitteln bis zum Arztbesuch im 16 Kilometer entfernten Lerwick, unweigerlich eine Bootsüberfahrt erfordert.