Mo., 2 Uhr

England zittert vor heimstarken Mexikanern

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40 Jahre nach der berüchtigten "Hand Gottes" droht Englands Fußball-Nationalteam abermals ein WM-Drama im Aztekenstadion von Mexiko-Stadt.
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1986 beförderte Diego Armando Maradona die Engländer im WM-Viertelfinale aus dem Turnier, in der Nacht auf Montag (2.00 Uhr MESZ) versucht sich Mexiko im Achtelfinale daran. Der euphorisierte Gastgeber kann bei der bisher größten Prüfung ein letztes Mal auf seine Heimfestung bauen.

Ab dem Viertelfinale würde der große Heimvorteil für "El Tri" wegfallen, die weitere K.o.-Phase steigt durchwegs in den USA. Vorerst aber setzt Mexiko alles daran, die Auswahl im heimischen Stimmungstempel in die nächste Runde zu peitschen. Im Nationalstadion ist Mexiko bereits zehn WM-Partien bei acht Siegen unbesiegt. Beim laufenden Turnier wurden Südafrika (2:0), Südkorea (1:0), Tschechien (3:0) und zuletzt Ecuador (2:0) ohne Gegentor besiegt - von einem Team, das von vielen als eines der schwächeren in der jüngeren mexikanischen Fußballgeschichte angesehen wird.

Doch Mexiko glänzt ohne große Stars mit einer Leistung des Kollektivs. "Die harte Arbeit, der Zusammenhalt, unsere Familie - wir wissen, wie wir bisher gespielt haben", sagte Stürmer Julian Quinones. Der britische "Guardian" warnte bereits: "Die Spieler von Javier Aguirre haben Ecuador mit einer atemberaubenden Leistung in der ersten Halbzeit auseinandergenommen, und nach dieser Vorstellung wehe dem, der als Nächstes auf sie trifft."

Tuchel spricht von Karma

Es ist England. Ausgerechnet England kehrt ins Aztekenstadion zurück, wo die Briten einst die "Hand eines Schurken", wie es der damalige Nationaltrainer Bobby Robson ausdrückte, erleben mussten. "Ich hoffe, wir können endlich Frieden mit dem Stadion schließen", sagte England-Trainer Thomas Tuchel. Er sprach von Karma. "Das Karma wird zu uns zurückkehren. Wir werden das Ganze umdrehen."

Seit jeher ist die Luft in diesem Stadion ein wenig dünner. "An die Höhe können wir uns nicht anpassen. Das ist ein gewaltiger Vorteil für Mexiko", sagte Tuchel. Das Estadio Azteca liegt etwa 2.200 Meter über dem Meeresspiegel. Selbst der Ball fliegt Experten zufolge hier etwas leichter, weiter und schneller. Die Engländer reisen aus ihrem WM-Camp bei Kansas City an, das rund 280 Meter über dem Meeresspiegel liegt. "Die Empfehlung ist entweder zehn Tage vorher - was für uns nicht möglich ist - oder auf den letzten Drücker - was nicht erlaubt ist - zu kommen", erklärte Tuchel. Ein Dilemma.

Außergewöhnliche Nachtschicht

Weil England mit Mexiko und der Physik quasi gleich zwei Gegner hat, wird Unterstützung allerorts gesucht. Tuchel plädierte im Vorfeld etwa dafür, dass Kinder in England am Tag danach schulfrei bekommen, um das Nationalteam zu nächtlicher Stunde anzufeuern. Die Erwachsenen werden ab 1.00 Uhr englischer Zeit in den Pubs und Bars mitfiebern. Die Regierung verlegte die Sperrstunde kurzerhand auf 5.00 Uhr. Der Innenminister hat laut Regierungsangaben die gesetzliche Befugnis, die Öffnungszeiten bei Anlässen von "außergewöhnlicher internationaler, nationaler oder lokaler Bedeutung" zu verlängern.

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Von einem großen Tag, dem jedoch noch weitere folgen sollen, träumen die Kicker von "El Tri". "Um Weltmeister zu werden, muss man jeden Gegner schlagen, und darauf konzentrieren wir uns", tönte Stürmer Santiago Gimenez. Es gilt vor allem, die Kreise eines Mannes einzuengen: Harry Kane trug die mitunter zahnlos auftretenden "Three Lions" bisher im Alleingang durchs Turnier. Beim 2:1 im Sechzehntelfinale gegen die Demokratische Republik Kongo bewahrte der Torjäger sein Team mit einem Doppelpack vor dem Aus. Kane, der Kapitän, trägt die Hoffnungen des Mutterlandes, 60 Jahre nach dem ersten endlich den zweiten WM-Titel zu holen. An ihm richten sich Fans und Mitspieler gleichermaßen auf. Er sagte vor dem Auftritt im wohl stimmungsvollsten Stadion der Welt: "Größer geht es nicht."