Trauer um Forscher
Ex-ÖAW-Chef Peter Schuster ist gestorben
Der Wiener Chemiker und frühere Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), Peter Schuster, ist im Alter von 85 Jahren verstorben. Die ÖAW bestätigte am Freitagabend einen entsprechenden Bericht im "Standard" (online). Der "hoch angesehene Forscher und Wissenschaftsmanager" ist am Sonntag (14. Juni) gestorben. Schuster war einer der höchstdekorierten Forscher des Landes.
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"Als Forscher war Schuster schon früh ein Vertreter der Interdisziplinarität und hat stets über Fächergrenzen hinaus gedacht", heißt es in einem Statement von ÖAW-Präsident Heinz Faßmann gegenüber der APA: Als Präsident in den Jahren 2006 bis 2009 habe er "vieles in der Akademie neu auf den Weg" gebracht, so etwa die "Junge Kurie" (heute "Junge Akademie"), mit der "Nachwuchsforschenden stärkeres Gewicht in der Gelehrtengesellschaft verliehen" wurde, so Faßmann.
Von Wien nach Deutschland und zurück
Schuster, am 7. März 1941 in Wien geboren, studierte Chemie und Physik an der Universität Wien und wurde 1967 "sub auspiciis praesidentis" promoviert. In seiner Doktorarbeit kombinierte er die Synthese organischer Verbindungen mit quantenmechanischen Berechnungen. Als Postdoc ging er an das Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie in Göttingen (Deutschland), dessen Direktor Manfred Eigen im Jahr zuvor den Chemie-Nobelpreis erhalten hatte.
1970 kehrte er nach Wien zurück und wurde Assistent am neuen Institut für Theoretische Chemie der Universität Wien. Inhaltlich arbeitete er an Wasserstoffbrücken-Bindungen, ein Thema, zu dem er mit Kollegen 1976 auch ein umfassendes Standardwerk herausgab. Nach seiner Habilitation 1971 folgte zwei Jahre später bereits ein Ruf als Professor für Theoretische Chemie und die Bestellung zum Institutsvorstand. Von 1992 bis 1995 war Schuster Gründungsdirektor des Instituts für Molekularbiologie in Jena und kehrte anschließend wieder an die Uni Wien zurück.
Früher Vertreter des multidisziplinären Arbeitens
Nachdem er die quantenchemische Arbeitsrichtung in Wien etabliert hatte, widmete sich Schuster zunehmend der molekularen Evolutionstheorie und entwickelte gemeinsam mit Manfred Eigen richtungsweisende Konzepte. Zudem erweiterte er mit dem Mathematiker Karl Sigmund die Modellbildung in der Evolutionsforschung.
Zu einer Zeit, als der Fokus der Aufmerksamkeit weitgehend auf der DNA und den Proteinen lag, führte er die RNA in die Modelle ein und füllte damit die Theorien mit biochemischem Leben. "Schusters Simulationsmodell einer 'RNA-Welt' liefert ein einfaches, aber operativ vollständiges Abbild molekularer und biologischer Evolution", schrieb Schusters Kollege Werner Jakubetz einmal zu dessen Arbeiten.
Vielfach ausgezeichnet
1993 erhielt der begeisterte Bergsteiger und Vater eines Sohnes das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst. 1995 wurde Schuster für molekularbiologische Verfahren zur Gestaltung neuer Bio-Werkstoffe und Enzyme mit dem deutschen Philip Morris-Forschungspreis ausgezeichnet, im selben Jahr zudem mit der Josef-Loschmidt-Medaille der Gesellschaft Österreichischer Chemiker. 1997 erhielt er den Kardinal-Innitzer Würdigungspreis für Naturwissenschaften sowie im Jahr 2018 auch den Kardinal-Innitzer-Preis. 1999 wurde ihm die Wilhelm-Exner-Medaille des Österreichischen Gewerbevereins und 2009 das Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien verliehen.
In der ÖAW, deren wirkliches Mitglied er seit 1992 war, fungierte Schuster von 2000 bis 2003 als Vizepräsident. Nachdem er von 2001 bis 2006 Mitglied des Präsidiums der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina war, wurde er für die Funktionsperiode 2006 bis 2009 zum ÖAW-Präsidenten gewählt. Seit 2009 war er als einer von nur wenigen Österreichern Mitglied der US-National Academy of Sciences, im selben Jahr emeritierte er an der Uni Wien.
Vordenker des Institute of Science and Technology Austria
Gemeinsam mit dem Physiker Anton Zeilinger hat Schuster das Konzept für die Gründung einer Spitzenforschungseinrichtung in Österreich ausgearbeitet. Als die Politik dann jedoch entschied, das heutige Institute of Science and Technology Austria (ISTA) in Maria Gugging (NÖ) anzusiedeln, zog er sich aus dem Projektteam zurück.
In einer Würdigung zu seinem 75. Geburtstag im Jahr 2016 attestierte ihm die Theoretische Biochemie-Gruppe am Institut für Theoretische Chemie der Uni Wien, dass seine "Begeisterung und Leidenschaft für die Forschung ungebrochen" war und er weiter "auf höchstem wissenschaftlichen Niveau" publiziere. Schuster zeichnete für ein thematisch breites und umfangreiches wissenschaftliches Werk von über 300 Publikationen und einem Dutzend Büchern verantwortlich.