Erhebliche Teile der Infrastruktur seien beschädigt, der Druck für einen Waffenstillstand nehme zu. "Weil die Ukraine einfach nicht mehr weitermachen kann", sagte der Bundesheer-Oberst am Mittwoch bei einem Medientermin des forum journalismus und medien (fjum) in Wien. "Es schaut nicht gut aus", so Reisner weiter. Viel hänge an Waffen aus den USA.
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Auch nach der von US-Präsident Donald Trump angekündigten "Energie-Waffenruhe" hat Russland wieder Raketen- und Drohnenangriffe auf die Ukraine durchgeführt. Wegen des Waffenmangels ist die ukrainische Luftabwehr zunehmend geschwächt und kaum noch in der Lage, effektiv gegen Bedrohungen vorzugehen. Dazu kommen Einschränkungen beim Satellitennetzwerk Starlink des US-Raumfahrtunternehmens SpaceX.
Die bisherigen Kriegsjahre hätten "Spuren hinterlassen", sagte Reisner. Der bevorstehende Winter erschwere die Situation weiter. Russland habe es wieder einmal geschafft, neue Waffen in großer Zahl zu bauen. Auf der anderen Seite fielen die USA aus, "und leider auch Europa". Zum Beispiel wollten die USA aktuell nicht mehr Patriot-Luftabwehrsysteme liefern. Da müsse man sich fragen, warum Europa nicht übernehme.
"Königsmacher" USA
Die Produktion von Sprengkörpern sei in Russland seit Kriegsbeginn billiger geworden. In Europa hingegen teurer, betonte der Experte. Als Konsequenz forderte er, die Rüstungsindustrie müsse zumindest teilverstaatlicht werden.
"Königsmacher" im Ukraine-Krieg sind für Reisner die USA. Mit ihren großen militärischen Fähigkeiten könnten sie den Druck auf Moskau aufrechterhalten. Von den Szenarien für ein Kriegsende sei ein Waffenstillstand aktuell am wahrscheinlichsten. Allerdings: "Die Russen werden sich das teuer abkaufen lassen."
Kriegsführung Russlands langfristig ausgelegt
Insgesamt habe sich das Wesen des Krieges verändert, sagte Reisner. Auf dem "unsichtbaren Schlachtfeld" gehe es vor allem darum, Angst zu vermitteln. Europa müsse hybride Bedrohungen erkennen und sich auf sie vorbereiten. Die Kriegsführung Russlands sei langfristig ausgelegt, weitere Eskalationen nicht ausgeschlossen. Wie lange das noch so gehen könnte? "So lange, bis sie ihr Ziel erreicht haben."
Ein Ziel sei, Europa militärisch schwach zu halten. Darüber hinaus gehe es Russland um die komplette Eroberung des ukrainischen Donbass-Gebiets sowie die Aufhebung von Sanktionen, so der Experte. Langfristig werde der Umgang mit traumatisierten Soldaten ein großes Thema werden, und zwar auf beiden Seiten.