Aus der Eisenzeit

Forscher machen sensationelle Entdeckung in Hallstatt

© APA/NHM WIEN/D. BRANDNER
Auf der Suche nach Überresten des prähistorischen Salzabbaus in Hallstatt haben Archäologen des Naturhistorischen Museums (NHM) bei Sondierungsbohrungen einen riesigen Komplex von Abbaukammern aus der Eisenzeit entdeckt.
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Es handelt sich um mehrere parallel verlaufende Kammern, die sich über 300 Meter erstrecken. Am Wochenende (12.-13.9.) informieren die Forschenden bei der Veranstaltung "Archäologie am Berg" am Hallstätter Salzberg wieder über ihre Arbeit.

Schon vor rund 7.300 Jahren haben sich Menschen im Hochtal über Hallstatt (OÖ) niedergelassen und Salz gewonnen. Davon zeugen im Inneren des Berges gefundene Werkzeuge aus der Jungsteinzeit wie Hirschgeweihhauen und Steingeräte. Ab 1200 vor Christus hat der Bergbau dann nahezu industrielle Ausmaße angenommen, mit Tagesproduktionen von etwa 1,5 Tonnen Salz. Mehrere Abbauphasen in dem prähistorischen Salzbergwerk wurden jeweils durch gewaltige Hangrutschungen beendet, bei denen die Hohlräume mit Material von der Oberfläche verfüllt wurden.

Resiliente Gemeinschaft

"Doch der Bergbau ging immer weiter. Das war eine sehr resiliente Gemeinschaft, die in wenigen Jahren nach diesen Rutschungen schon wieder Salz lieferte", erklärte der Leiter der Ausgrabungen unter Tag von der Prähistorischen Abteilung des NHM, Daniel Brandner, gegenüber der APA.

So wusste man auch vom eisenzeitlichen Salzabbau ab dem 6. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung (v.u.Z.). Aus dieser Phase stammte auch der berühmte "Mann im Salz": 1734 wurde die bestens erhaltene Leiche eines Bergmanns gefunden, der bei einer mächtigen Hangrutschung ums Leben gekommen sein dürfte. Damals erkannte man sein prähistorisches Alter nicht und der Körper wurde am Ortsfriedhof beigesetzt.

Unberührte Bereiche des prähistorischen Bergwerks

Der Bergbau der Urgeschichte ist allerdings nur dort bekannt, wo sich der historische Salzabbau zufällig mit diesem verschnitten hat. 2022 starteten Erkundungsbohrungen mit einem Kernbohrgerät der Salinen Austria AG, das üblicherweise für geologische Sondierungen verwendet wird und Hunderte Meter in den Berg vordringen kann, um bisher unberührte Bereiche des Salzbergwerkes zu erforschen.

Die ursprüngliche Vermutung eines riesigen einzelnen Hohlraums bestätigte sich nicht. "Es handelt sich um mehrere parallel verlaufende, über- und untereinander liegende Kammern", so Brandner. "So haben wir das überhaupt noch nicht gesehen in Hallstatt", betonte der Archäologe. Diese Abbauform belege eine klare Anpassung der prähistorischen Bergleute an die Geologie, die so den Kernsalzzügen im Berg folgten.

Bis zu neun Meter hohe Abfallschicht

Die Forscherinnen und Forscher konnten diesen Abbau bisher auf einer Länge von 300 Metern verfolgen, wobei die Kammern eine Breite von 25 Metern und eine Höhe von rund 20 Metern aufweisen. Der Boden ist mit einer bis zu neun Meter mächtigen Schicht mit Betriebsabfällen der prähistorischen Bergleute bedeckt, also etwa abgebrannte Kienspäne, kaputtes Werkzeug, Gewandteile aber auch menschliche Exkremente. Im ehemals freien Hohlraum darüber sind die Kammern mit Material von der Oberfläche verfüllt, das von einer Hangrutschung stammen dürfte.

Erste Ausgrabungen in diesen Kammern lassen die Archäologen "bis aufs kleinste Detail in die bisher noch nicht wirklich untersuchte Phase des eisenzeitlichen Salzabbaus und die damalige Abbautechnik hineinblicken". Gegenüber den früheren Abbauphasen würden sich sehr viele Änderungen im Fundmaterial zeigen, und die Funde decken sich "auffallend und überraschend" mit jenen vom Dürrnberg bei Hallein (Salzburg), wo der Salzabbau ebenfalls im 6. Jahrhundert v.u.Z. beginnt.

Exkremente und Speisereste

So zeigen etwa die Funde von Werkzeugen andere Typen von Schäftungen der Abbauwerkzeuge. Üblicherweise seien diese Werkzeuge stark standardisiert und speziell an die Anforderungen der Abbautechnik angepasst. Im Laufe der Eisenzeit ändere sich das aber eindeutig, so der Archäologe. Gefunden wurden auch vom Salz hervorragend konservierte Textilien und Gewandreste, aber auch Holzschüsseln mit Speiseresten sowie Exkremente der Bergleute. Dabei sei nicht nur die Erbsubstanz der dahinterstehenden Personen gut erhalten, sondern auch DNA von den verzehrten Speisen, die im Sediment erhalten geblieben ist.

Abgesehen von den Arbeiten in den eisenzeitlichen Abbaukammern versuchen die Archäologinnen und Archäologen in Kooperation mit den Salinen und den Salzwelten in einem großen, vom Bund und Land OÖ finanzierten Sanierungsprojekt, frühere Fundstellen wieder für die Forschung zugänglich zu machen. "Das ermöglicht uns, Fundorte, wo wir seit Jahrzehnten keine Daten erheben konnten, mit neuen Analysemethoden und neuen Fragestellungen zu untersuchen", so Brandner. Dazu werden die teilweise 200 bis 300 Jahre alten Stollen, die zu diesen Fundstellen führen, saniert, abgesichert und mit der nötigen Infrastruktur versehen, um für die nächsten Generationen den Zugang und die Forschung zu ermöglichen.

"Archäologie am Berg"

Bei der Veranstaltung "Archäologie am Berg" am 12. und 13. September verwandelt sich das Hallstätter Hochtal erneut in ein Freilichtlabor der Archäologie. Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht heuer - passend zur neuen Standseilbahn auf den Salzberg, die Ende August ihren Betrieb aufnahm - die Entwicklung des Salztransports von der Urgeschichte bis in die Gegenwart.