Paris – Frankreich erlebt derzeit eine massive Welle von Schülerprotesten. Die Demonstrationen richten sich ursprünglich gegen überfüllte Klassen, fehlende Lehrer und marode Schulgebäude. Doch inzwischen kommt es landesweit zu Ausschreitungen.
Polizisten und Lehrer angegriffen
Besonders in Paris und anderen Großstädten eskalierte die Situation. In Paris wurde eine junge Polizeianwärterin nach Angaben der Behörden von Jugendlichen verfolgt, zu Boden gebracht und getreten. Dabei sollen auch Todesdrohungen gefallen sein.
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Auch Schulen und öffentliche Einrichtungen wurden zum Schauplatz der Gewalt. In Nantes wurde eine Schule durch ein Feuer schwer beschädigt. In Marseille kam es zu Angriffen auf Lehrer und Schulleitungen. Auch Feuerwehrleute wurden während ihrer Einsätze behindert und angegriffen.
Inzwischen wurden laut französischen Behörden rund 5.000 Menschen festgenommen, ein großer Teil davon Jugendliche. Mehr als 60 Mitarbeiter aus dem Bildungsbereich wurden verletzt, darunter zahlreiche Schulleiter. Rund 400 Gymnasien blieben am Freitag geschlossen.
Polizei warnt Eltern vor Gewalt
Die französische Polizei versucht inzwischen auch, Eltern direkt einzubinden. Sie fordert Familien auf, ihre Kinder vor Beginn der Proteste über Sicherheitsregeln aufzuklären.
Dazu gehören Abstand zu gewalttätigen Demonstranten, das Meiden bewaffneter Personen und das Befolgen der Anweisungen von Einsatzkräften.
Innenminister Laurent Nuñez erklärte zudem, dass sich an manchen Orten Personen von Schule zu Schule bewegten, um Jugendliche zu Gewalt anzustacheln.
Proteste begannen wegen Schulproblemen
Der Ursprung der Proteste liegt in konkreten Problemen an den Schulen. Schüler beklagen fehlende Lehrer, überfüllte Klassen und teilweise stark sanierungsbedürftige Gebäude.
In manchen Schulen fallen laut Berichten regelmäßig Unterrichtsstunden aus, weil Lehrkräfte fehlen. Besonders betroffen sind offenbar einige ärmere Vororte von Paris. Von dort breitete sich die Protestbewegung auf zahlreiche weitere Städte aus.
Regierung spricht von gekapertem Protest
Inzwischen wird in Frankreich heftig darüber diskutiert, wer hinter der Eskalation steckt. Französische Geheimdienste sollen bei einer Krisensitzung erklärt haben, dass die Protestbewegung von der linksradikalen Partei La France Insoumise (LFI) und deren Umfeld initiiert worden sei.
Die Partei weist diesen Vorwurf zurück. LFI-Abgeordnete betonen, die Bewegung habe grundsätzlich friedliche Proteste unterstützt und werfen wiederum der Regierung vor, die Situation durch Repression zu verschärfen.
Fest steht: Aus den ursprünglichen Schulblockaden ist inzwischen eine landesweite Protestbewegung geworden, bei der es immer wieder zu Gewalt und schweren Sachbeschädigungen kommt.
Frankreich steht vor einem Bildungsproblem
Die Regierung versucht gleichzeitig, die eigentlichen Ursachen der Proteste zu entschärfen. Bildungsminister Édouard Geffray kündigte Gespräche mit Lehrern, Eltern und Schülervertretern an.
Die Debatte fällt zudem in eine schwierige Zeit: Im geplanten Budget für 2027 soll der Bildungsetat zwar steigen, allerdings nur um 1,7 Prozent – weniger als die erwartete Inflation. Gleichzeitig klagen Schulen weiterhin über Personalmangel und überfüllte Klassen.
Damit steht Frankreich vor einem schwierigen Spagat: Die berechtigten Forderungen vieler Schüler nach besseren Lernbedingungen treffen auf eine Protestbewegung, die in Teilen längst von Gewalt überschattet wird.