Schock-Studie
Gefahr in der Schwangerschaft: Hitze lässt Gehirn von ungeborenen Babys schrumpfen!
Wenn im Sommer die Hitze drückt, leiden werdende Mütter ganz besonders unter den tropischen Temperaturen. Doch die wahre Gefahr lauert offenbar im Verborgenen. Ein europäisches Forschungsteam hat eine alarmierende Entdeckung gemacht, die zeigt, dass die Gehirnentwicklung der ungeborenen Babys durch Hitzeperioden dauerhaft gestört werden kann. Betroffen ist der sogenannte Thalamus – eine Gehirnregion, die als extrem wichtige Schaltzentrale im Kopf gilt.
Dieser Teil des Gehirns filtert im täglichen Leben alle Signale und Reize, die aus dem Körper kommen, und leitet sie gefiltert an die Großhirnrinde weiter. Wenn sich dieser Bereich im Mutterleib nicht normal entwickeln kann, hat das lebenslange Auswirkungen. Die spanische Forscherin Laura Granes von der Universitätsklinik Bellvitge warnt eindringlich davor, die Auswirkungen von hohen Temperaturen auf Schwangere zu unterschätzen. Gemeinsam mit ihrem Team analysierte sie Daten von über 3.200 Kindern aus Rotterdam, die über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren von der Schwangerschaft bis zum Teenageralter medizinisch begleitet wurden.
Die Messergebnisse: Jeder heiße Monat schadet dem Baby
Die Messungen mittels moderner Magnetresonanztomographie (MRT) im Teenageralter brachten erschreckende Zahlen ans Licht. Je nachdem, in welchem Stadium der Schwangerschaft die werdende Mutter der Hitze ausgesetzt war, verringerte sich das Gehirnvolumen des ungeborenen Kindes im Thalamus-Bereich dramatisch:
- Die ersten drei Monate: War die Mutter im ersten Schwangerschaftsdrittel großer Hitze ausgesetzt, war der Thalamus des Kindes im Teenageralter um durchschnittlich 25,80 Kubikmillimeter kleiner als bei Kindern ohne Hitzebelastung.
- Das zweite Drittel: Eine Hitzebelastung im mittleren Schwangerschaftsdrittel führte zu einer Verkleinerung der Gehirnregion um 25,60 Kubikmillimeter.
- Das letzte Schwangerschaftsdrittel: Selbst im Endspurt der Schwangerschaft hinterließ die Hitze tiefe Spuren im Gehirn des Babys und sorgte für ein Minus von 22,92 Kubikmillimeter.
- Die ersten Monate nach der Geburt: Auch Säuglinge reagieren in den ersten drei Lebensmonaten hochgradig empfindlich auf hohe Umgebungstemperaturen – hier wurde ein verringertes Wachstum von 5,31 Kubikmillimeter festgestellt.
Völlig unproblematisch verliefen hingegen Kälteperioden. Niedrige Temperaturen im Winter zeigten in der detaillierten Auswertung keinerlei negative Auswirkungen auf das Wachstum des kindlichen Gehirns.
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Drohen aggressive Verhaltensstörungen im Teenageralter?
Besonders brisant sind die möglichen Verhaltensauffälligkeiten, die im Rahmen der Langzeitstudie beobachtet wurden. Die Forschenden stießen bei den Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 16 Jahren auf vermehrtes impulsives und aggressives Verhalten. Diese sogenannten externalisierenden Symptome traten auffällig häufig bei jenen Kindern auf, deren Mütter während der Schwangerschaft extremen Temperaturen ausgesetzt waren.
Obwohl die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler betonen, dass noch weitere Untersuchungen nötig sind, um diese Zusammenhänge lückenlos zu beweisen, ist die Warnung unüberhörbar. Das Gesundheitssystem sei nun dringend gefordert, wirksame Schutzmaßnahmen für Schwangere zu etablieren. Klimaanlagen in öffentlichen Gebäuden, schattige Rückzugsorte im städtischen Raum und gezielte Aufklärungskampagnen für werdende Mütter könnten in Zukunft entscheidend sein, um die Gehirnentwicklung der nächsten Generationen vor den immer heißer werdenden Sommern zu schützen.