Der Zug rollt in Spittal-Millstättersee ein, wenige Minuten später glitzert tiefblaues Wasser zwischen bewaldeten Hängen. Mit der Bahn an den See, am Nachmittag auf die Alm und abends im warmen Wasser den Sonnenuntergang feiern: Was früher nach aufwendiger Anreise klang, funktioniert heute erstaunlich unkompliziert: Bahn, Bus, Schiff und Wanderwege greifen rund um den Millstätter See ineinander. Die große Überraschung beginnt bereits bei der Anreise. Der Bahnhof Spittal-Millstättersee ist zum zentralen Einstiegspunkt für Ausflüge zwischen Wasser, Alm und Gipfel geworden. Von Salzburg Hauptbahnhof ist die Region in rund zwei Stunden erreichbar, aus Richtung Graz verkürzt die neue Koralmbahn die Anreise deutlich. Vom Bahnhof fahren Postbusse nach Seeboden, Millstatt und Döbriach. Damit wird ein Urlaub möglich, bei dem das Auto tatsächlich stehen bleiben kann – in einer alpinen Region noch immer keine Selbstverständlichkeit.
Vom Villenflair zur Wildnis
Besonders auffällig ist der Kontrast zwischen Nord- und Südufer. Während sich in Millstatt, Seeboden und Döbriach Promenaden, Villen und Cafés aneinanderreihen, bleibt das Südufer über weite Strecken naturbelassen und nahezu unverbaut. Genau dort vereint die Region unter dem Motto "See- und Bergberührung" zu einzigartigen Erlebnissen. Während sich an Kärntens zweitgrößten Badesee im Hochsommer die Badegäste tummeln, zeigt sich der Millstätter See, übrigens der tiefste See des Bundeslandes, im Herbst von einer stillen Seite. Die Wälder der Nockberge färben sich goldgelb, über dem See sitzen noch Nebelschwaden auf dem Wasser, während auf den Terrassen bereits Kaffee serviert wird. E-Biker umrunden den See, Wanderer steigen zum Granattor auf, und am Abend spiegeln sich die ersten Sterne im dunklen Wasser. Und auf den Almen beginnt der "Kulinarische Herbstreigen" mit regionalem Käse, Fisch aus dem See und Kärntner Spezialitäten.
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Seeboden und die Burg der Ritterspiele
Am Westufer überrascht Seeboden mit einer Mischung aus Parklandschaft und Mittelalterkulisse. Hoch über dem Ort thront die Burg Sommeregg aus dem 12. Jahrhundert. Heute beherbergt sie ein Restaurant, ein Museum zur Rechts- und Strafgeschichte sowie die bekannten Ritterspiele (im August). Direkt am See reichen die großzügigen Parkanlagen – Klingerpark, Rosenpark und Blumenpark – bis ans Wasser. Sie gehören zu den schönsten frei zugänglichen Uferbereichen des gesamten Sees. Eine weitere Kuriosität ist das Bonsaimuseum Seeboden, eines der größten und ältesten Bonsaizentren Europas. Auf über 15.000 Quadratmetern entfalten sich japanische Zen-Gärten mit teilweise mehr als hundert Jahre alten Bonsai-Exemplaren – ein überraschend fernöstlicher Akzent mitten in Kärnten.
Vom See in die Luft
Wer es spektakulärer mag, findet am Goldeck ein Angebot, das fast wie ein Tourismus-Werbeslogan klingt: "Rail – Hike – Fly". Nach der Bahnanreise geht es mit der Goldeckbahn bergwärts, anschließend zu Fuß Richtung Gipfel. Nach Einkehr und Flugbriefing auf der Goldalm folgt ein Tandem-Paragleitflug vom Goldeck hinunter ins Tal – mit freiem Blick über den gesamten Millstätter See. Selten liegen Bahnsteig, Almjause und Flugerlebnis so nah beieinander.
Auf dem Weg der Liebe
Die spektakulärste Wanderung oberhalb des Sees beginnt bei der AlexanderAlm. Der "Weg der Liebe. Sentiero dell’Amore." führt über die Millstätter Alpe zum Granattor, einem monumentalen Tor aus Granitgestein, das mit tausenden Granatsteinen gefüllt ist. Der Granat ist in dieser Region mehr als nur ein Mineral. Rund um den Mirnock befinden sich bedeutende alpine Granatvorkommen, weshalb die roten Steine hier poetisch als "Feuersteine der Liebe" bezeichnet werden. Vom Granattor reicht der Blick über den gesamten Millstätter See bis zu den Hohen Tauern – ein Panorama, das selbst wandererprobte Alpenreisende kurz verstummen lässt. Die Tour können Paare auch mit einer Übernachtung im "Biwak unter Sternen" verbinden.
Rubinrot
Wer tiefer in die Granatgeschichte eintauchen möchte, besucht das Granatium in Radenthein. Ein 300 Meter langer Stollen führt in die unterirdische Welt des Feuersteins der Liebe – draußen können Besucher selbst nach Granaten schürfen und die gefundenen Steine schleifen lassen.
Der Millstätter See für Eilige, Genießer und Hängematten-Profis
Seefischer - Finest Hideaway****S/Döbriach. Das Hotel punktet mit dem wohl schönsten Platz am Wasser. Gourmetküche mit zwei Gault&Millau-Hauben ausgezeichnet. Exklusives Spa-Haus und Seesauna. Seevilla Berg inkl. Frühstück für 2 Pers. ab 356 Euro. www.seefischer.at
Seeglück Hotel Forelle****S/Millstatt. Traditionsreiches Hotel direkt am See mit 850 m2 Wellnessbereich, Hallenbad und Sauna. DZ Standard Gebirgsforelle ab 248 Euro pro Zimmer/Nacht. hotel-forelle.at
Familiengut Burgstaller/Döbriach. Hotelresort mit Bauernhof und Landwirtschaft auf 30.000 m2. DZ Klassik ab 115 Euro p. P./Nacht. www.familiengut.at
Moserhof****/Seeboden. Wellnesshotel, nur wenige Schritte vom Millstätter See entfernt. Moderner Wellnessbereich mit vier verschiedenen Saunen, Infrarotkabine, Innenpool, Schwimmteich. DZ Basic ab 108 Euro pro Person/Nacht. www.moserhof.com
Lindenhof Wirtshaus & Biergarten/Millstatt. Gemütliches Lokal mit Terrasse. Verwöhnt wird man mit deftiger Hausmannskost und Kärntner Spezialitäten wie dem Had‘n- Kräuterrisotto, Kärntner Kasnudl und Eisreindling. www.lindenhof-millstatt.at