Kahr-Sonntag

Graz-Wahl: FPÖ-Wähler blieben zuhause

© APA/INGRID KORNBERGER
Mehr als die Hälfte der SPÖ-Wähler der Landtagswahl stimmte laut Wählerstromanalyse für die KPÖ. Viele FPÖ-Wähler blieben zu Hause. 2.000 Blau-Wähler machten ihr Kreuz bei Kommunisten.
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Stadt- und Landespolitik sind zwei verschiedene Paar Schuhe aus Sicht der Wähler - das zeigt die Wählerstromanalyse des SORA-Instituts für den ORF zur Grazer Gemeinderatswahl. Demnach wanderte mehr als die Hälfte der Stimmen der SPÖ von der steirischen Landtagswahl vor eineinhalb Jahren bei der Gemeinderatswahl am Sonntag zur KPÖ von Bürgermeisterin Elke Kahr. Von den damaligen FPÖ-Wählern blieb bei der Gemeinderatswahl fast ein Drittel den Urnen fern.

Besonders auffallend sind die Unterschiede des Ergebnisses der Gemeinderatswahl gegenüber der steirischen Landtagswahl 2024 bei KPÖ, SPÖ und FPÖ. Die SPÖ hatte bei der Landtagswahl in der steirischen Hauptstadt noch 20,7 Prozent der Stimmen bzw. rund 26.000 erhalten, bei der Gemeindewahl erreichte die Stadtpartei nicht einmal ein Drittel davon (5,6 Prozent bzw. 7.000 Stimmen). 13.500 und damit mehr als die Hälfte der roten Wähler bei der Landtagswahl wählten am Sonntag dunkelrot. 2.500 machten ihr Kreuz bei den Grünen, weitere 2.500 entschieden sich fürs Nicht-Wählen.

2.000 FPÖ-Wähler stimmten für die KPÖ

Bei der FPÖ war der städtische Spitzenkandidat René Apfelknab offenbar kein großes Zugpferd. Die mittlerweile auf Landesebene regierenden Freiheitlichen hatten bei der Landtagswahl in der steirischen Hauptstadt 21,1 Prozent der Stimmen erhalten, bei der Gemeinderatswahl waren es nur 12,2 Prozent. Die Analyse der blauen Wählerströme zeigt, dass 7.500 der 26.000 FPÖ-Wähler der Landtagswahl sich nicht an der Gemeinderatswahl am Sonntag beteiligten. 3.500 ehemalige Blau-Wähler setzten in der Stadtpolitik lieber auf die ÖVP. Überraschen mag, dass 2.000 freiheitliche Wähler auf Kommunalebene ihr Kreuz bei der KPÖ machten.

Die KPÖ von Bürgermeisterin Kahr konnte bei der Gemeinderatswahl Stimmen aller anderen Parteien abgrasen. Bei der Landtagswahl hatte die in der Steiermark traditionell gut verankerte Partei noch Stimmen eingebüßt und war auf 10,33 Prozent bzw. rund 13.000 Stimmen gekommen. Bei der Kommunalwahl triumphierten die Kommunisten mit mehr als dreimal so vielen Stimmen (43.000) bzw. 35,6 Prozent. Fast ein Drittel (31 Prozent) der KPÖ-Wähler hatte bei der Landtagswahl die SPÖ gewählt. Rekrutieren konnten die Kommunisten aber auch 6.000 ehemalige Grün-Wähler, 3.000 der NEOS, 2.000 der FPÖ und 1.000 der ÖVP. Zudem gelang es Kahr und ihrem Team, 9.000 Wahlberechtigte zu mobilisieren, die bei der Landtagswahl gar keine Stimme abgegeben hatten.