Wirbel vor der Wahl

Grünen-Politikerin muss Neonazi-Vergangenheit ihres Mannes erklären

© Julia Steinigeweg
Eine Woche vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gerät Grünen-Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz unter Druck. Grund ist die rechtsextreme Vergangenheit ihres Ehemanns.
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Deutschland. Kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt (Sonntag, 6. September) zieht ein Fall Aufmerksamkeit auf sich: Die Grünen-Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz (48) muss sich wegen der früheren Verbindungen ihres Ehemanns David Seidlitz (50) ins Neonazi-Milieu rechtfertigen. Die Vorwürfe beruhen auf eine Veröffentlichung des "Antifaschistischen Infoblatts" aus dem Jahr 1995. Darin wird Seidlitz als Mitglied eines "Unabhängigen Arbeitskreises" im Raum Quedlinburg geführt, der damals dem rechtsextremen Milieu zugerechnet wurde. Neben seinem Namen beinhalte der Beitrag auch ein Foto, auf dem er identifiziert werde, wie "Bild" berichtet.

Alte Vorwürfe

Ganz neu sind die Vorwürfe gegen den Ehemann der Politikerin allerdings nicht. Die AfD hatte das Thema bereits im Mai 2022 im Landtag von Sachsen-Anhalt zur Sprache gebracht. Damals bestätigte Susan Sziborra-Seidlitz die rechtsextreme Vergangenheit ihres Partners, wies jedoch Berichte zurück, wonach er ein Kader oder führender Funktionär der Szene gewesen sei.

Zugleich stellte sich die Politikerin damals schützend vor ihren Ehemann. Sie betonte, dass er heute ein "lupenreiner Demokrat" sei und "absolut ohne jeden Zweifel Antifaschist". Dennoch bringt die erneute Debatte die Partei mitten im Wahlkampf in eine unangenehme Lage.

Druck auf Susan Sziborra-Seidlitz

Bisher präsentierten sich die Grünen stets als konsequente Gegner des Rechtsextremismus. Sziborra-Seidlitz selbst hatte im Wahlkampf – etwa während eines TV-Duells – die nach ihrer Einschätzung rechtsextreme Gesinnung des AfD-Kandidaten Siegmund thematisiert.

Zudem teilte die Partei in den sozialen Medien Videos, in denen Interviewversuche des rechtsextremen "Compact-Magazins" abgewehrt werden. Nun sieht sich die Spitzenkandidatin mit der Frage konfrontiert, warum die frühere Gesinnung ihres Mannes als heutiger Parteifunktionär bislang kein Thema war.