Berlin

Hacker klauen Daten und erpressen Hauptstadt

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Berlin wird erpresst. Zwei Wochen, nachdem eine Cyberattacke auf das Datennetz der Verwaltung der deutschen Hauptstadt bekannt wurde, bekommt der Vorgang eine noch bedrohlichere Dimension.
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Nach wie vor ist nicht bekannt, an welche und wie viele Daten die Cyberkriminellen gekommen sind. Aber eins steht fest: "Wir können Ihnen heute sagen, dass Berlin Opfer einer schweren Straftat geworden ist", erklärte der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) am Freitag.

Berlin werde von den Tätern erpresst. Womit genau sie gedroht haben, ließ der CDU-Politiker offen. Er äußerte sich nicht dazu, ob es eine Forderung nach Lösegeld gibt und was zu den Cyberkriminellen möglicherweise schon bekannt ist. Wegner betonte aber: "Das Land Berlin wird sich nicht erpressen lassen."

"Zu Inhalt und Umfang der betroffenen Daten können wir noch keine Auskunft geben", sagte der Regierende Bürgermeister. Es sei aber nicht auszuschließen, dass die Hacker auch an personenbezogene Daten gekommen seien.

Der Cyberangriff war am 14. August bekannt geworden. Daraufhin wurden die beiden betroffenen Senatsverwaltungen für Verkehr sowie für Bauen und Wohnen vorübergehend vom Landesnetz abgetrennt. Das Berliner Landeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft ermitteln zu dem Vorgang. Zunächst hieß es, es seien nur öffentlich zugängliche, keinerlei sensible Daten abgeflossen. Schon am Mittwoch hatte die Senatskanzlei eingeräumt, dass das nicht so ist.

Erpressungsversuch ist seit gestern bekannt

Seit dem späten Donnerstagnachmittag sei der Erpressungsversuch bekannt. "Wir haben deshalb gestern sehr kurzfristig, die Innensenatorin und ich, mit den Sicherheitsbehörden des Landes und des Bundes Kontakt aufgenommen", sagte Wegner.

Nach einem Treffen mit den Sicherheitsbehörden am Freitagvormittag gab es am Nachmittag zunächst eine Sondersitzung des Senats. Anschließend wurden die Vorsitzenden sämtlicher Fraktionen im Landesparlament über den aktuellen Stand informiert - alles Zeichen dafür, wie ernst die Landesregierung den Vorfall inzwischen einschätzt.

Innensenatorin Iris Spranger betonte mit Blick auf Teile des Datennetzes, die für die Wahl zum Abgeordnetenhaus am 20. September eine Rolle spielen: "Nach jetzigem Stand sind dort keinerlei Daten abgeflossen." Die SPD-Politikerin ergänzte: "Die Wahlumgebung ist sicher nach Angaben unserer Sicherheitsbeauftragten." An die Hacker richtete die klare Botschaft: "Wir lassen uns nicht erpressen, und wir werden uns nicht erpressen lassen."

Grünen-Fraktionsvorsitzender Werner Graf sagte, es seien noch sehr, sehr viele Fragen offen - etwa, was die Art der Daten angehe. Es sei bisher nicht mitgeteilt worden, welche Summe erpresst werde, so der Grünen-Politiker. "Wir unterstützen aber den Kurs, dass sich Berlin nicht erpressen lassen darf."

Opposition fordert Aufklärung

AfD-Fraktionschefin Kristin Brinker sagte, nach ihrer Wahrnehmung erscheine der Erpressungsversuch sehr glaubwürdig. "Insofern ist das schon ein ernstzunehmender Fall." Es müsse jetzt alles daran gesetzt werden, die offenen Fragen zu beantworten und vor allem sicherzustellen, dass so etwas nicht noch einmal passieren könne. "Hier ist eine Mammutaufgabe, die vor der nächsten Regierung steht."

Der Angriff auf das Datennetz war in jedem Fall umfangreicher als zunächst erkennbar: Noch am Montag hatte der Staatssekretär für Digitalisierung und Chief Digital Officer erklärt, nach seinem Kenntnisstand seien keine sensiblen, also zum Beispiel personenbezogenen Daten, abgeflossen oder solche mit Bezug zu kritischer Infrastruktur. Nur zwei Tage später räumte die Senatskanzlei ein, dass das möglicherweise doch so sei.

Außerdem steht inzwischen fest, dass der Angriff deutlich früher begonnen hat, als er am 14. August bekannt wurde. Nach den bisherigen Erkenntnissen sind bereits vom 7. bis zum 12. August Daten abgeflossen.

Die Hacker waren also schon mindestens eine Woche vor der Entdeckung des Vorgangs ins Berliner Landesnetz eingedrungen. Damit ist aber noch nicht sicher, wann der Cyberangriff tatsächlich gestartet ist, der Zeitpunkt kann durchaus noch davor liegen.