"Deutliche Hinweise"

Hat dieser Biker (33) Hitlers Teehaus angezündet?

© APA/AFP/Berchtesgaden/-
Nach dem Brand des Kehlsteinhauses wurde ein 33-jähriger Biker festgenommen. Er wurde von den Einsatzkräften auf dem Weg zum Einsatzort aufgehalten. Er soll sich laut Medienbericht verdächtig verhalten haben.
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Bayern. Das von den Nationalsozialisten errichtete Kehlsteinhaus am Obersalzberg in Berchtesgaden in Bayern ist in der Nacht auf Samstag durch ein Feuer weitgehend zerstört worden. Es wird in Richtung Brandstiftung ermittelt. Die Behörden gehen davon aus, den mutmaßlichen Verursacher gefasst zu haben. Es gebe deutliche Hinweise, dass ein nach Ausbruch des Feuers im Umfeld des Kehlsteinhauses gefasster Motorradfahrer den Brand gelegt habe, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Ermittlerkreisen.

Laut "Bild" soll es sich bei dem Verdächtigen um einen 33-jährigen Mann aus Berlin handeln, der gebürtig aus Bayern stamme. Er werde aktuell Einvernommen.

Das historische Kehlsteinhaus oberhalb von Berchtesgaden stand in Vollbrand. © X

Der 33-jährige Biker wurde von den Einsatzkräften auf dem Weg zum Einsatzort auf seinem Motorrad aufgehalten. Er soll sich laut "Bild" verdächtig verhalten haben. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Am Nachmittag wollen die Behörden in Berchtesgaden bei einer Pressekonferenz nähere Einzelheiten bekanntgeben. Unter anderem wird Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) erwartet.

Das Kehlsteinhaus war in den 1930er-Jahren von den Nationalsozialisten als Teil des von Adolf Hitler genutzten Komplexes am Obersalzberg erbaut worden und wird inzwischen als frei zugängliche Berggaststätte genutzt. International ist das Ausflugsziel als "Eagles Nest" bekannt, was mit "Adlerhorst" übersetzt werden kann.

Die "Bild" zitiert einen Polizeisprecher, der glaubt, dass das historische Gebäude wohl nicht mehr zu retten sei. Es sei zu einem großen Teil beschädigt.

Das ausgebrannte Kehlsteinhaus auf einem verschneiten Berggipfel über Berchtesgaden. © APA/AFP/KERSTIN JOENSSON

Lokal am Freitag geschlossen

Am Freitag war das Lokal jedoch nicht geöffnet. Nach ersten Erkenntnissen von Polizei und Feuerwehr wurden keine Menschen verletzt. Allerdings konnte das Areal auch Samstagvormittag nur mit schwerem Atemschutz betreten werden, was die Suche erschwerte.

Die bereits am Freitagabend begonnenen Löscharbeiten liefen am Vormittag weiter. Die ersten Rettungskräfte waren nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd am Freitagabend gegen 22.00 Uhr eingetroffen und hatten einen Großbrand festgestellt.

Das 1.838 Meter hoch gelegene Haus am Obersalzberg unweit der österreichischen Grenze ist schwer zu erreichen - normalerweise wird es mit Bahnbussen der sogenannten Kehlsteinlinie erschlossen. Laut Deutscher Bahn dauert die Auffahrt 20 Minuten und verläuft durch fünf Tunnel. Das Gebiet wurde weiträumig abgesperrt.

Erbaut in NS-Zeit

Das Gebäude ist seit 1952 eine Berggaststätte. Es wurde 1938 fertiggestellt und befand sich in einem damals abgeriegelten und für die Öffentlichkeit gesperrten Wohn- und Regierungsareal der nationalsozialistischen Führung. Eine Ausstellung dort widmet sich der Geschichte des Gebäudes.

Der Zweckverband Bergerlebnis Berchtesgaden schreibt auf seiner Seite über das Haus: "Erbaut 1937/38, sollte in der NS-Zeit das damals sogenannte Teehaus als politischer Repräsentationsort abseits der Öffentlichkeit dienen. Tatsächlich blieb die Bedeutung des Kehlsteinhauses gering." Häufig sei das Haus von der am Obersalzberg versammelten NS-Entourage zur Erholung und für private Feiern genutzt worden.