Massives Plus
Heimischer Tourismus jubelt trotz Rekord-Hitze
"Touristisch haben wir nicht viel gemerkt - im alpinen Raum war es zwar wärmer, aber nicht so heiß", sagte die Obfrau der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Österreich, Susanne Kraus-Winkler, zur APA. Bisher ist die Saison bestens gelaufen. Auch die Vorausbuchungen liegen über den Vorjahreswerten.
Nach den spürbaren Zuwächsen gegenüber dem Vorjahr von Mai bis Juli ist die Nachfrage hoch geblieben. "Sowohl im August mit 3 Prozent als auch im September mit 4 Prozent sind wir derzeit schon im Plus - für den Oktober haben wir bereits rund 5 Prozent mehr an Buchungen", berichtete die Branchensprecherin unter Verweis auf Nächtigungsdaten der nationalen Tourismusmarketing-Organisation Österreich Werbung. Das touristische Sommerhalbjahr erstreckt sich von Mai bis Oktober.
Überfüllte Klettersteige
"Die Gäste im Herbst geben mehr aus als im Sommer", erklärte Kraus-Winkler. Sie nächtigen demnach mehr in den 4- und 5-Stern-Häusern, also in der gehobenen Hotellerie, und nicht in Ferienwohnungen. Auch Bergbahnen würden verstärkt genutzt. "Im Hochgebirge ist der Druck auf manche Klettersteige sehr hoch", räumte die Tourismus-Expertin mit Blick auf den hohen Andrang ein. Um Lenkungsmaßnahmen wird man hier ihrer Meinung nach nicht herumkommen.
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Der Weg zum Ganzjahrestourismus ist für viele in der Branche noch weit. Nur knapp 59 Prozent hielten über alle Monate hindurch offen, sagte Kraus-Winkler und verwies dabei auf eine WKÖ-Befragung von 700 Hotellerie-, Gastronomie- und Reisebetrieben, die im Juli durchgeführt wurde. 21 Prozent sind demnach zwei Saisonen lang pro Jahr aktiv und rund 8 Prozent nur eine Saison lang. Unter Letztere fallen etwa Kärntner-Seen-Betriebe, die keine Heizung haben.
Hürden bei Ausbau der Nebensaison
Gut ein Drittel der Befragten denke an Saisonausweitungen, mache das aber "wegen schlechter wirtschaftlicher Ergebnisse" nicht. Und 42 Prozent nehmen der Erhebung zufolge davon Abstand, weil sie "keine Infrastruktur" haben.
"Infrastruktur ist der Schlüssel zu allem", strich die Branchensprecherin im Gespräch mit der APA hervor. Dazu gehörten Radwege, Bergbahnen und Zusatzangebote ebenso wie passende Öffnungszeiten. "Auch das Thema E-Bus-Ladeinfrastruktur ist mitzudenken - das wird eine Herausforderung für uns sein", fügte Kraus-Winkler hinzu.
Bisher starkes Plus im Sommer
Bei den Nächtigungen zeigen die Sommermonate Mai bis Juli einen deutlichen Zuwachs gegenüber dem Vorjahreszeitraum von insgesamt 3,2 Prozent, wie aus den bisherigen Daten der Statistik Austria hervorgeht. Am Freitag folgen die August-Zahlen. Bis Juli ging auch die Anzahl der Gäste um 4,9 Prozent kräftig nach oben.
"Das Ergebnis ist sehr erfreulich", so das Zwischenresümee der WKÖ-Tourismus-Chefin. Das Plus ergebe sich nur aus den internationalen Gästen, auf die hierzulande rund 75 Prozent der Buchungen entfallen. "Die Österreich-Nachfrage war stabil."
Massive Buchungsschwankungen
Die Buchungsschwankungen in den einzelnen Monaten waren allerdings enorm. "Ein Spezifikum dieses Sommers war, dass wir sehr unterschiedliche Monate hatten", betonte Kraus-Winkler. Auf einen starken Mai mit 12 Prozent mehr Nächtigungen sei "ein sehr schwacher Juni" mit einem Minus von 5,7 Prozent gefolgt und im Juli habe es wieder einen Anstieg von 4,8 Prozent gegeben. "Die schwankende Auslastung war nicht einfach für die Betriebe", hielt die Touristikerin fest. Die Beschäftigten hätten zeitweise deutlich weniger zu tun gehabt, dann seien wieder zahlreiche Überstunden angefallen.
Besonders stark zugelegt haben heuer im Sommer bis Juli die Buchungen von Urlauberinnen und Urlaubern aus Tschechien (plus 17,7 Prozent), Italien (plus 14,3 Prozent), Polen (plus 11,2 Prozent), Ungarn (plus 9,9 Prozent), Großbritannien und Nordirland (plus 8,7 Prozent) sowie den Niederlanden (plus 8,5 Prozent). Das Gros der Nächtigungen entfällt aber nach wie vor auf Gäste aus Deutschland, deren Nächtigungen auf hohem Niveau um weitere 3,8 Prozent stiegen.
Nahmärkte dominieren
Der heimische Tourismus lebt derzeit von Deutschland und den Nahmärkten. Nur 22 Prozent der touristischen Einnahmen stammen einer Studie der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) zufolge aus Ländern außerhalb der EU. "Wir brauchen aber auch die Gäste aus den Fernmärkten, weil die mehr ausgeben", vermerkte Kraus-Winkler.
Um das Leistungsangebot im Premium-Segment besser zu vermarkten, müsse auch am Standort-Image gearbeitet werden. In der Schweiz seien zahlungskräftige Urlauberinnen und Urlauber bereit, 2.500 bis 5.000 Euro pro Tag für ein Zimmer zu bezahlen, in Österreich gerade einmal 1.000 Euro.