Milchprodukte

Hohe Temperaturen – weniger Milchprodukte

© Getty Images
Die Hitzewelle in Norditalien bringt die Milchindustrie zunehmend unter Druck – und vor allem die Kühe leiden unter den extremen Temperaturen. Ausgerechnet eine Form der Landwirtschaft, die selbst zum Ausstoß von Treibhausgasen beiträgt, kämpft nun immer stärker mit den Folgen der Klimakrise.
Zur Vollversion des Artikels

Nicola Bertinelli, Präsident des Parmigiano-Reggiano-Konsortiums, erklärt:„ Rinder sind Tiere, die sehr unter Hitze leiden. Warum? Weil sie einen Pansen haben, der wie eine Wärmflasche direkt am Körper liegt. Während sie mit Kälte gut zurechtkommen, haben sie bei hohen Temperaturen große Probleme und fressen weniger. Außerdem tragen sie Hufe – gewissermaßen Schuhe, die sie nicht ausziehen können. Wenn ihre Füße durch die Hitze anschwellen, legen sie sich häufiger hin. Weil sie weniger fressen, produzieren sie auch weniger Milch.“

Damit die Tiere die hohen Temperaturen überhaupt ertragen, werden sie mittlerweile mit Wassernebel und Belüftungsanlagen gekühlt. Doch trotz des hohen technischen Aufwands sinkt die Milchleistung. Gleichzeitig steigen Energie- und Wasserverbrauch – ein weiterer Aufwand, um ein ohnehin klimaschädliches System aufrechtzuerhalten.

Auch die Qualität der Milch verändert sich durch die Hitze. Bertinelli sagt: "Parmigiano Reggiano verdankt seine besonderen Eigenschaften der Milch aus einem ganz bestimmten geografischen Gebiet. Die klimatischen Bedingungen haben deshalb großen Einfluss – nicht nur auf den Eiweiß- oder Fettgehalt der Milch, sondern vor allem auf die Mikroorganismen, die in ihr leben. Diese nützlichen Bakterien sorgen später im Käse für die Aromen, den Duft und den Geschmack. Ungünstige Wetterbedingungen können deshalb die Mikrobiologie der Milch erheblich verändern."

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Für die Herstellung des Käses müssen die Kühe mit Gras und Heu aus der Region gefüttert werden. Bleiben Regen und Ernten aus, fehlt den Tieren ihre Futtergrundlage.

Bertinelli warnt: „Wenn sich das Klima so verändert, dass wir hier keine Futterpflanzen mehr anbauen können, wird es nicht mehr möglich sein, Parmigiano Reggiano herzustellen. Die DNA des Parmigiano Reggiano steckt in diesem Heu. Darin leben die nützlichen Bakterien, die nur hier vorkommen. Gelangen sie in die Milch und anschließend in den Käse, machen sie Parmigiano Reggiano zu dem, was er ist. Wir hoffen natürlich nicht, dass es so weit kommt. Aber lang anhaltende extreme Sommerhitze würde die Menge des produzierten Parmigiano Reggiano deutlich verringern.“

Unsere Tiere – Das große oe24.TV-Tierschutzmagazin von Sonntag, 26.07.2026, hier in voller Länge sehen. Nächste Ausgabe Unsere Tiere: 02.08.2026, 18:30 Uhr.

Die Bilder aus Italien zeigen damit auch ein grundsätzliches Dilemma: Eine Tierhaltung, die selbst zur Erderwärmung beiträgt, stößt durch die zunehmenden Hitzewellen immer stärker an ihre Grenzen. Die Leidtragenden sind vor allem die Kühe, deren Körper für solche Temperaturen nicht gemacht sind und die die Folgen der Klimakrise unmittelbar ausbaden müssen. Tierschutzorganisationen appellieren daher immer wieder an Konsument:innen verstärkt auf klimafreundliche Alternativen zu Milchprodukten zu greifen, wie etwa Hafermilch aus der Region oder sonstige pflanzliche Produkte aus österreichischer oder zumindest europäischer Landwirtschaft.