Honigproduktion: Süßer Genuss mit bitteren Folgen?

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In Österreich betreuen mehr als 36.000 Imkerinnen und Imker rund 480.000 Bienenvölker, die jährlich etwa 5.500 Tonnen Honig produzieren.
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Die Imkerei wird oft als Beitrag zum Naturschutz dargestellt, wobei die industrielle Nutzung von Honigbienen sowohl aus Tierschutz-als auch aus Umweltsicht kritische Fragen aufwirft.

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Bedrohen Honigbienen die Wildbienen?


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Honigbienen als sogenannte Nutztiere

Honigbienen sammeln Nektar und verarbeiten ihn zu Honig, der vor allem als Wintervorrat für das Bienenvolk dient. Im Sommer, wenn viele Blüten vorhanden sind, legen sie diese Vorräte an, weil im Winter keine Nahrung verfügbar ist. Der Honig wird im Stock eingelagert und sorgt zusammen mit Pollen dafür, dass das Volk über die kalte Jahreszeit kommt. Sie sammeln möglichst viel Vorrat an, um jede mögliche Versorgungslücke zu überstehen. In der Natur ist es nämlich nicht vorhersehbar, wie streng der Winter wird oder wie lange es im Frühjahr dauert, bis wieder Nahrung verfügbar ist. Darum sammeln sie oft mehr, als sie tatsächlich für einen Winter brauchen. Der überschüssige Honig dient nicht nur dem Überleben im Winter, sondern auch als Reserve für Zeiten von Regen, Kälte oder Krankheit im Sommer.

Im Winter bilden sie eine Wintertraube und halten durch den gespeicherten Honig die Temperatur im Stock stabil, um nicht zu verhungern oder zu erfrieren. Was passiert aber, wenn diese Vorräte immer wieder von Menschen entnommen werden?

Zum einen kann das bei vielen Bienenvölkern zu Stress führen.

Des Weiteren ist zu bedenken, dass Honigbienen gezielt auf hohe Honigerträge gezüchtet werden. Produktivität steht im Vordergrund. Damit möglichst viel Honig geerntet werden kann, greifen Imkerinnen und Imker regelmäßig in die Bienenvölker ein.

Königinnen werden künstlich nachgezüchtet, Flügel gekürzt und der Schwarmtrieb unterdrückt. In manchen Betrieben werden Brutzellen potenzieller neuer Königinnen zerstört, damit sich das Volk nicht teilt und die Honigproduktion aufrechterhalten bleibt.

Obwohl wissenschaftlich noch diskutiert wird, in welchem Ausmaß Insekten Schmerzen oder Leid empfinden, mehren sich Hinweise darauf, dass sie komplexe Lem- und Verhaltensleistungen zeigen. Das wirft die Frage auf, ob auch ihr Wohlergehen stärker berücksichtigt werden sollte.

Ein weiteres Problem ist, dass Honigbienen Wildbienen verdrängen. Nahrung ist begrenzt. Doch die Zahl der Honigbienenvölker ist in Österreich in den vergangenen Jahren gestiegen. Das ohnehin knappe Nahrungsangebot senkt die Überlebenswahrscheinlichkeit für Wildbienenarten, wenn sie Nahrung mit den gezüchteten Honigbienen teilen müssen. Honigbienen sammeln äußerst effizient und können große Mengen an Blütenressourcen nutzen, umso schwieriger macht es das für Wildbienen. Österreich beherbergt fast 700 verschiedene Wildbienenarten. Viele von ihnen sind hochspezialisierte Bestäuber und auf bestimmte Pflanzenarten angewiesen. Zum Beispiel die Efeu-Seidenbiene oder die Natternkopf-Mauerbiene. Sie sammeln Pollen nur von wenigen oder sogar nur einer Pflanzenart. Wenn diese speziellen Pflanzen seltener werden und die Zahl der Honigbienen steigen, wird es schwierig für diese Arten. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass dies insbesondere in städtischen Gebieten, Naturschutzgebieten oder ohnehin blütenarmen Landschaften problematisch werden kann.

Dennoch sind sich Fachleute einig, dass die Konkurrenz durch Honigbienen meist nicht die Hauptursache für den Rückgang der Wildbienen ist.

Die eigentlichen Ursachen des Insektensterbens sind die Veränderungen unserer Landschaften. Die großen Probleme sind einerseits Pestizide, die Wildbienen schädigen können. Außerdem töten Pestizide wichtige Unkräuter ab, die nahrhafte Blüten bieten würden.

Monokulturen bieten zwar für kurze Zeit viel Blüte einer speziellen Art, doch nach der Ernte gibt es keinerlei Angebot mehr. Wildbienen brauchen über viele Wochen verschiedene Blütenquellen, was bei Monokulturen nicht möglich ist.
Je nach Art der betriebenen Landwirtschaft ist außerdem das Mähen problematisch. Manche sehr intensiv betriebene Wirtschaften, mähen ihre Wiesen 4 oder sogar 5 Mal jährlich. Das betrifft vor allem Milchbetriebe, die ihre Kühe nicht auf den Weiden halten, sondern das Futter in den Stall bringen. Zwar wird für Milchproduktion gerne Klee produziert, der Hummeln Futter bietet. Doch das häufige Mähen wirkt sich auf eine Artenvielfalt nachteilig aus. Dadurch haben Bienen und Insekten nur kurze Zeit eine Chance auf Nahrung. Bio-Betriebe beziehungsweise Betriebe mit anderen Tierbeständen mähen nur zwei mal jährlich und geben Bienen dadurch mehr Zeit dazwischen, Nahrung zu sammeln.

Außerdem: Viele Landwirtschaften beseitigen Feldraine, also die bewirtschafteten Flächen zwischen den einzelnen Feldern. Diese könnten Raum für Blühten oder auch Hecken für Vögel bieten, werden jedoch meist abgeholzt beziehungsweise gemäht. Daher wird immer wieder an Landwirtschaften appelliert, die Feldraine stehen zu lassen und Lebensraum zu bieten.

Studien zeigen, dass die Biomasse fliegender Insekten in Teilen Mitteleuropas innerhalb weniger Jahrzehnte um mehr als drei Viertel zurückgegangen ist. Auch in Österreich gelten zahlreiche Insektengruppen als gefährdet. Besonders betroffen sind Arten, die auf spezialisierte Lebensräume wie Trockenwiesen, Moore oder naturnahe Gewässer angewiesen sind.

Bestäubung braucht Vielfalt

Oft wird der Eindruck vermittelt, Honigbienen allein würden unsere Bestäubung sichern. Tatsächlich sind jedoch viele Kultur- und Wildpflanzen auf ein Zusammenspiel unterschiedlicher Bestäuber angewiesen. Wildbienen, Schmetterlinge, Schwebfliegen, Käfer und andere Insekten ergänzen die Leistung der Honigbiene und bestäuben Pflanzen teilweise sogar effizienter.

Entscheidend sind vielfältige Lebensräume, pestizidarme Landwirtschaft, blütenreiche Wiesen, naturnahe Gärten und der Erhalt von Nistmöglichkeiten für Wildbienen.

Fazit

Die Probleme der Insektenwelt lassen sich nicht allein auf die Honigproduktion zurückführen. Dennoch wirft die steigende Anzahl an Honigbienen Probleme auf, vor allem mit der gleichzeitig immer intensiver betriebenen Landwirtschaft.

Wer Bestäuber wirklich schützen möchte, sollte sich daher für den Erhalt vielfältiger Lebensräume einsetzen.
Auch du kannst Wildbienen Lebensraum bieten, indem du bienenfreundliche unterschiedliche Blumen im Garten oder am Balkon pflanzt und BIO-Produkte statt konventionellen konsumierst, da in der BIO-Produktion keine für Bienen schädliche Pestizide eingesetzt werden. Eine Senkung der Honigproduktion könnte ebenso für die Wildbienen und für die Umwelt förderlich sein.