Die Stadt habe "von der Gefahr für Minderjährige gewusst", erklärten die Anwälte der Familien am Freitag. Die Klage betreffe den amtierenden Bürgermeister Emmanuel Grégoire und dessen Vorgängerin Anne Hidalgo, deren Vize er lange war.
Bereits 2015 habe ein interner Bericht auf die Risiken in der städtischen Betreuung von Volksschulkindern aufmerksam gemacht, betonen die Anwälte. Die damals ausgesprochenen Empfehlungen seien nicht befolgt worden. "Die Stadtverwaltung wusste Bescheid, hat aber nichts unternommen", sagte der Anwalt Maxime Delacarte. Der Anwalt von Hidalgo wies die Vorwürfe zurück. Die Stadt Paris reagierte zunächst nicht.
Missbrauchsfälle waren im Vorjahr bekannt geworden
Im vergangenen Jahr waren zahlreiche Missbrauchsfälle an Pariser Vor- und Volksschulen bekanntgeworden. Die Stadt geriet in die Kritik, weil zahlreiche Betreuer ungeprüft eingestellt worden waren. Um in der Nachmittagsbetreuung von Grundschulkindern zu arbeiten, ist bisher keinerlei Qualifikation notwendig. Bürgermeister Grégoire kündigte an, die Bewerber künftig besser zu schulen und bei Verdachtsfällen schärfer durchzugreifen. Er bekannte sich selbst dazu, Opfer sexuellen Missbrauchs in der Schulzeit gewesen zu sein.
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Seit Beginn des Jahres wurden 132 Betreuerinnen und Betreuer wegen Verdachts auf Gewalt und sexuelle Übergriffe vom Dienst freigestellt. Die Justiz ermittelt in mehr als 200 Fällen. In sechs Fällen sind Prozesse beantragt. Bisher wurde ein Betreuer zu einer 18-monatigen Bewährungsstrafe verurteilt, zwei weitere wurden freigesprochen. In den drei Fällen steht noch ein Berufungsverfahren an.
Mehrere betroffene Familien hatten Mitte August bereits die ehemalige Bürgermeisterin Hidalgo wegen unterlassener Hilfeleistung verklagt. Ein Gesetz, das die Kontrolle für Betreuer an Schulen verschärfen soll, wird im Oktober im französischen Senat debattiert.