Welt-Analyse

Iran-Krieg und Wahlen: Trump sitzt in der Falle

© APA/AFP/AARON SCHWARTZ
PANIK. US-Präsident feiert zwar taktische Erfolge im Krieg im Nahen Osten, strategisch ist der Militärschlag bisher aber ein Flop. Droht nun der Total-Absturz?
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Washington. Da platzte Donald Trump endgültig der Kragen! Bei einer Krisensitzung im Weißen Haus soll der US-Präsident laut Insider-Berichten regelrecht explodiert sein – aus Frust über die schwindenden Möglichkeiten, den Iran-Krieg noch siegreich zu beenden. Trump hatte sich nach dem Angriffsbefehl Ende Februar einen Blitzkrieg erhofft – besonders nach dem Enthauptungsschlag gegen Ober-Mullah Ali Chamenei am ersten Kriegstag. Doch statt eines schnellen Sieges begann nun der sechste Kriegsmonat. Iran wirkt strategisch gestärkt, während den USA die taktischen Optionen ausgehen.

Zäher Kampf statt erhofftem Blitzkrieg

Trump hat fast alles versucht: Luftangriffe, wilde Drohungen, diplomatische Vorstöße und neue Vergeltungsschläge.

Doch selbst die Kriegsziele bleiben diffus. Gebetsmühlenartig erklärt Trump, Iran dürfe niemals eine Atombombe besitzen. Dringlicher ist inzwischen jedoch die Lösung der Kontrolle über die Ölroute durch die Straße von Hormus. Iran blockiert die Meerenge weiterhin weitgehend, die Ölpreise stiegen. Die Bilanz von Trumps Iran-Krieg lässt sich deshalb knapp zusammenfassen: taktische Erfolge – aber eine strategische Niederlage. Bisher.

Unter Druck. Klar ist: Trump will raus aus dem Krieg. Der innenpolitische Druck wächst. Im Wahlkampf hatte er mehrfach versprochen, die USA nicht in neue Endloskriege zu verstricken – schon gar nicht im Nahen Osten. Doch jetzt sehen er und seine Berater immer weniger Auswege aus den wahlweise begonnenen Militärschlägen. Gleichzeitig breitet sich der Konflikt dramatisch aus. Bereits 17 Staaten sind betroffen: die Kriegsparteien USA, Israel und Iran sowie zahlreiche Golf- und Nahost-Länder, die ins Visier iranischer Gegenangriffe geraten sind. Zuletzt wurde eine Flüssiggas-Anlage in Ägypten angegriffen. Nach einem ukrainischen Angriff auf einen iranischen Frachter im Kaspischen Meer drohen sogar der Ukraine- und der Iran-Krieg miteinander zu verschmelzen. Zudem mischen die Huthi-Terrormilizen im Jemen immer aggressiver mit und bedrohen eine weitere wichtige Schifffahrtsroute im Roten Meer.

Trumps Umfragekurve zeigt klar nach unten

Tiefstwerte. Auch innenpolitisch wird die Lage für Trump bitter. Auf den Umfragekurven zeigt sich ein klares Muster: Jedes Mal, wenn er den Iran-Krieg anheizt, sinkt seine Popularität. Einer der Gründe: die Benzinpreise liegen in den USA rund 38 Prozent über dem Vorkriegsniveau. Die Teuerungskrise bleibt damit akut.

Sie wird zum Top-Thema im beginnenden Wahlkampf für die Zwischenwahlen Anfang November. Dabei werden Sitze im Kongress und zahlreiche Gouverneursposten neu vergeben. In den wichtigsten Umfragen führen die Demokraten derzeit mit durchschnittlich 48,3 zu 42,9 Prozent – obwohl die Partei selbst mit Richtungskämpfen und dem Aufstieg ihres ultralinken Flügels beschäftigt ist.

Demokraten führen in wichtigsten Umfragen

Lame Duck. Trumps Republikanern droht der Verlust von Senat und Repräsentantenhaus. Mit der Kontrolle beider Kammern könnten die Demokraten den Präsidenten zur "lahmen Ente" machen und eine Serie von Korruptionsuntersuchungen einleiten. Trump selbst warnte bereits fast erschrocken: "Wenn die gewinnen, werden sie versuchen, mich aus dem Amt zu entfernen." Nur noch 33 Prozent der Amerikaner unterstützen den Iran-Krieg. Das Weiße Haus dementierte zwar Trumps angeblichen Wutausbruch. Doch dass sich seine Stimmung verdüstert, ist inzwischen auch bei öffentlichen Auftritten kaum noch zu übersehen.