Branche im Umbruch

KI verändert die Spielregeln für junge Kreative

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Seelenlose KI-Inhalte überschwemmen die Medienwelt. Ein Branchen-Insider verrät, wie Kreative dennoch mit eigener Handschrift und handwerklichem Können unverzichtbar bleiben.
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Künstliche Intelligenz generiert im Handumdrehen Fotos, komponiert Musikstücke, schneidet Videos und schreibt Programmcode. Wer heute vor dem Einstieg in einen kreativen Beruf steht, blickt oft verunsichert auf diese Entwicklung. Das SAE Institute Wien beobachtet diesen Wandel aus nächster Nähe. Das praxisorientierte Bildungsinstitut bildet in Wien seit 1987 Fachkräfte in Bereichen wie Film, Audio, Games, Design und Software-Engineering aus. "KI wird kreative Berufe nicht einfach abschaffen. Sie verändert Tätigkeiten, Arbeitsabläufe und damit auch die Fähigkeiten, die am Arbeitsmarkt gefragt sind", unterstreicht Campus-Manager Karsten Schwardt.

KI übernimmt typische Einstiegsaufgaben

Bisher nutzten Berufsneulinge einfache Routinearbeiten wie Recherche, Erstentwürfe, Rohschnitte oder Prototyping, um in Unternehmen Fuß zu fassen. Genau diese Aufgaben erledigen heute spezialisierte Programme im Eiltempo. "Die entscheidende Frage ist nicht, ob ein einzelner Beruf verschwindet, sondern welche Aufgaben sich innerhalb eines Berufs verändern oder automatisieren lassen", erklärt Schwardt.

Wenn vorbereitende Schritte entfallen, verschieben sich die Anforderungen. Das Verständnis für Dramaturgie, Stil und Qualitätskontrolle gewinnt an Gewicht. Gleichzeitig verschaffen die neuen Werkzeuge den Gestaltenden mehr Freiraum bei der Arbeit. "Entscheidend ist nicht, dass KI die kreative Arbeit übernimmt, sondern dass sie einen fruchtbaren Boden für die eigentlichen kreativen Entscheidungen schaffen kann", führt der Campus-Manager aus.

Publikum erkennt KI-Muster immer schneller

Die Flut an automatisiert erstellten Inhalten bringt jedoch ein neues Problem mit sich. Begriffe wie "AI-Slop" beschreiben bereits seelenlose Inhalte ohne eigene Identität, die auf den ersten Blick funktionieren, aber rasch austauschbar wirken. Publikum und Kundschaft erkennen solche Muster immer schneller. Sogar erfahrene Profis steuern mittlerweile bewusst gegen diese Entwicklung. "Auffällig ist, dass selbst renommierte Kreativschaffende ihre über Jahre verfeinerten Artstyles zunehmend neu denken und bewusst auf individuelle gestalterische Merkmale setzen, um sich von der austauschbaren Ästhetik generativer KI abzuheben", beobachtet Schwardt.

KI hält Einzug in die Ausbildung

Auch die Ausbildung verändert sich. Neben dem klassischen Handwerk spielen inzwischen der Umgang mit KI-Programmen, Prompting und technisches Grundverständnis eine größere Rolle. Dazu kommen Fragen rund um Urheberrecht, Medienethik und Transparenz. Seit 2. August gelten auch neue Transparenzvorgaben des EU AI Act.

Am SAE Institute Wien wird KI deshalb zunehmend in die Medienausbildung eingebaut. Sie soll etwa bei Recherche, Ideensammlung, der Erstellung von Varianten oder beim Strukturieren von Material unterstützen. Mit dem Zertifikatskurs "AI Media Producer" bietet das SAE dafür auch eine eigene Weiterbildung an. Behandelt werden der Einsatz von KI in kreativen Produktionsprozessen sowie Fragen zu Qualität, Urheberrecht und Ethik.

Interesse gibt es laut SAE nicht nur bei Berufseinsteigern. "Der Kurs ist besonders bei Firmen gefragt, die ihre Mitarbeiter gezielt weiterentwickeln und auf die nächste Stufe der kreativen Produktion vorbereiten wollen", berichtet Schwardt.

Karsten Schwardt, Campus Manager des SAE Institute Wien. © Markus Scharinger

Eigene Handschrift macht den Unterschied

Für junge Kreative dürfte der Umgang mit KI damit zunehmend zum Berufsalltag gehören. Das bedeutet laut Schwardt aber nicht, dass klassisches Können an Bedeutung verliert.

„KI macht viele Werkzeuge leistungsfähiger und für mehr Menschen zugänglich. Gerade deshalb wird die eigene kreative Handschrift wichtiger. Wer sein Handwerk versteht und einen persönlichen Stil entwickelt, schafft etwas, das reine Generierung nicht ersetzen kann", betont Schwardt abschließend.