Wahrzeichen
Klagenfurter Lindwurmschädel ist nun in Deutschland
Ein historisches Kärntner Wahrzeichen sorgt derzeit in Deutschland für Aufsehen. Der Schädel des Klagenfurter Lindwurms hat erstmals in seiner Geschichte österreichischen Boden verlassen. Dabei handelt es sich allerdings nicht um die Skulptur am Hauptplatz der Landeshauptstadt, sondern ein jahrhunderte Jahre altes Fossil.
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Die Ankunft des jahrhundertealten Kärntner Fundstücks in Darmstadt glich einer Szene aus einem Hollywood-Blockbuster. Behutsam und unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen öffneten die Restauratoren und Ausstellungskuratoren am Dienstagfrüh die massive Transportkiste aus dem Landesmuseum Kärnten. Schicht für Schicht lösten die Experten die Spezialverpackung, bis das tonnenschwere Fossil unversehrt freilag.
Dass das Kärntner Landesmuseum sein wertvollstes Aushängeschild überhaupt für eine Reise freigegeben hat, gilt in der Museumswelt als echte Sensation. "Wir sind hier in der glücklichen Lage, dass wir den Lindwurm zum ersten Mal außerhalb Österreichs bringen durften", freut sich Ausstellungskurator Dominik Hennhöfer über die historische Leihgabe.
Umbau als Grund
Weil der Ausstellungsbereich im heimischen Landesmuseum derzeit saniert wird, ergab sich die einmalige Gelegenheit für die Ausleihe. Im Gegenzug für die Original-Leihgabe erhält Klagenfurt ein hochpräzises 3D-Modell des Schädels für die eigene Präsentation. Nach dem Darmstädter Aufenthalt wandert das Fossil direkt weiter nach Köln, bevor es endgültig nach Kärnten heimkehrt.
Entdeckt wurde der gewaltige Knochen bereits im Jahr 1335 nördlich von Klagenfurt. Für die damaligen Bewohner gab es keinen Zweifel: Der Fund passte perfekt zur alten Gründungssage der Stadt. Dieser Überlieferung nach hauste einst in den finsteren Sümpfen rund um Klagenfurt ein furchterregender Lindwurm, der Mensch und Vieh verschlang, ehe er durch eine schlaue List getötet werden konnte.
Lange Zeit im Rathaus
Hennhöfer bringt die damalige Gedankenwelt auf den Punkt: "Das war klar, das muss der Drachenschädel sein. Somit war die Sage wahr." Über mehrere Jahrhunderte hinweg wurde der vermeintliche Drachenkopf voller Stolz im Klagenfurter Rathaus aufbewahrt. Erst im Jahr 1840 entzauberte ein Grazer Paläontologe den Mythos wissenschaftlich: Das Relikt stammt nicht von einem Fabelwesen, sondern von einem eiszeitlichen Wollhaarnashorn, das vor mehr als 200.000 Jahren im südlichen Alpenvorland lebte.
Bis heute prägt der pflanzenfressende Gigant das gesamte Klagenfurter Stadtbild. Er thront als Wahrzeichen im Stadtwappen und als kolossale Skulptur auf dem Lindwurmbrunnen am Neuen Platz, wo er natürlich weiter bleiben wird. Laut Hennhöfer zeigt sogar das steinerne Monument Spuren des historischen Irrtums: Die auffallend runden Gesichtszüge des Lindwurms wurden damals detailgetreu dem Nashornschädel nachempfunden.