Vor Schlussetappe
Kletterspezialist Carapaz triumphiert bei Tour-Königsetappe
Der Super-Kletterer aus Ecuador verwies auf der vorletzten Etappe mit der zweiten Ankunft in Alpe d'Huez hintereinander Remco Evenepoel und Sepp Kuss um knapp eine halbe Minute auf die Plätze zwei und drei. Der designierte Gesamtsieger Tadej Pogacar stellte sich über 171 km mit 5.450 Höhenmetern in den Dienst von Isaac Del Toro und half dem Teamkollegen aus Mexiko, Platz drei hinter Evenepoel abzusichern.
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"Viele Leute sprechen darüber, wie ich Isaac zum Podium verholfen habe. Zuvor hat Isaac mir aber geholfen, das Gelbe Trikot zu holen. Und das Team umso mehr. Es war eine Ehre, heute für Isaac zu fahren", sagte Pogacar. "Zwei Leute auf dem Podium ist etwas Unvorstellbares. Wir können sehr stolz sein." Der junge Franzose Paul Seixas, aufgeboten als Decathlon-Chef statt Felix Gall, verfehlt somit das Tour-Podest.
Mit einem Abstand von 6:26 Minuten auf Evenepoel und 9:42 Minuten auf Del Toro geht der am Samstag viertplatzierte Slowene auf die finale Etappe in Paris. Sie wird aller Voraussicht nach zur Triumphfahrt zu seinem bereits fünften Tour-de-France-Sieg werden. "Wir müssen morgen durchhalten, Paris überstehen, und dann können wir dieses Gelbe Trikot feiern", sagte Pogacar.
Dreimal höchste Kategorie
Die 20. Etappe präsentierte sich noch einmal enorm selektiv. Bei der Etappe mit den meisten Höhenmetern bei dieser Tour standen drei Anstiege der höchsten Kategorie an. Darunter die Kletterpartie zum Alpen-Giganten Col du Galibier, dem Dach der Tour mit einer durchschnittlichen Steigung von fast sieben Prozent auf 17,7 Kilometern. Oben auf dem Gipfel war Carapaz Erster und sicherte sich wichtige Punkte für die Bergwertung. "Ich denke, ich habe mir das Bergtrikot heute verdient", sagte Carapaz. "Es war eine wunderbare Tour für mich."
Zum Unglücksraben avancierte Kuss. Der Visma-Teamkollege des während dieser Tour ausgeschiedenen Mitfavoriten Jonas Vingegaard stürzte erst einmal. Und dann noch ein zweites Mal bei einer Abfahrt. Der US-Amerikaner hatte dabei noch Glück, dass er von einem Fangzaun vor dem lebensgefährlichen Abhang abgebremst wurde. "Ich selbst hatte keine große Angst", sagte Kuss später im französischen TV, schränkte aber ein: "Ich bin glimpflich davongekommen."
Letzte Etappe wegen Waldbränden verkürzt
Die Schlussetappe wurde wegen der heftigen Waldbrände bei Bordeaux von ursprünglich 133 auf 89 Kilometer reduziert und ausschließlich in Paris stattfinden. Das französische Innenministerium entschied, einen Teil der ursprünglich für die letzte Etappe eingeteilten Sicherheitskräfte abzuziehen, um die Einsatzkräfte in den betroffenen Gebieten zu verstärken. Der Startschuss der Etappe fällt um 17.50 Uhr an der Ziellinie in Paris, anschließend werden die Fahrer zwei zusätzliche Runden auf den Champs Élysées bestreiten, ehe sie wie geplant auf den Montmartre-Kurs gehen.
Die Zeit für das Gesamtklassement wird derzeit erst auf der Ziellinie gestoppt. Da möglicherweise Regen einsetzen wird, könnte die Jury wie schon 2025 die Zeit für das Gesamtklassement jedoch bereits 50 Kilometer vor dem Ziel anhalten, damit auch Pogacar und Co. in den engen, mit Pflastersteinen versehenen Gassen angreifen können und ein möglicher Sturz ohne Folgen für die Endabrechnung bliebe. In dieser wollen auch die zwei angetretenen Österreicher aufscheinen: Marco Haller (147.) fehlen noch 89 Kilometer, um seine elfte Tour zu beenden, für Pogacar-Teamkollege Felix Großschartner (32.) wäre es die vierte Zielankunft bei der prestigeträchtigsten Radrundfahrt der Welt.