ORF-Talk
Larissa Marolt: Zicken-Lüge & Dschungel-Geheimnis
Seit ihren ersten Schritten vor der Fernsehkamera wird Larissa Marolt immer wieder mit bestimmten Zuschreibungen konfrontiert. Im Gespräch mit Patrick Budgen räumt sie nun entschieden mit alten Klischees auf. Viele Menschen hätten ihr Auftreten damals völlig fehlinterpretiert, wie sie rückblickend betont. Sie sei keineswegs eine Zicke, sondern stehe einfach für sich selbst ein. Ob die Leute sie heute überhaupt noch für eine Zicke halten, wisse sie gar nicht.
Vielmehr handle es sich dabei um typische Schubladen der Unterhaltungsbranche, die im Grunde eine Beleidigung darstellen. Jeder Mensch, der sie persönlich kenne, wisse ganz genau, dass sie eine sehr geerdete und ruhige Persönlichkeit sei. In früheren Jahren habe sie dieser Stempel allerdings enorm belastet. Dabei sei ihr Verhalten schlicht der Ausdruck von Unabhängigkeit und Stärke gewesen, was in der Medienwelt jedoch allzu oft negativ ausgelegt werde.
Auch interessant
Zwischen Schauspielkarriere und Reality-TV
Ein weiteres zentrales Problem sieht Marolt in der starren Kategorisierung der deutschsprachigen Fernsehlandschaft. Man versuche nach wie vor beharrlich, Künstler in festgelegte Rollenmuster zu pressen, anstatt Vielseitigkeit zu akzeptieren. Sie berichtet davon, dass ihr immer wieder suggeriert werde, man müsse sich zwingend entscheiden, ob man TV-Star oder seriöse Schauspielerin sein wolle.
Besonders bemerkenswert sei der Umstand, dass sie selbst heute noch auf Dinge angesprochen werde, die bereits 15 Jahre zurückliegen. Dies passiere, obwohl sie in der Zwischenzeit weitaus größere und anspruchsvollere Produktionen erfolgreich verwirklicht habe. Die permanente Reduzierung auf ihre Anfänge empfindet sie als unpassend, zumal sie ihr schauspielerisches Können längst unter Beweis gestellt hat.
Gefährliche Verträge bei Topmodel
Auch auf ihre ersten Schritte im Modelbusiness blickt die Österreicherin mit einer Mischung aus Realismus und Selbstkritik zurück. Das Format Topmodel bezeichnet sie rückblickend als ein Umfeld, das durchaus gefährlich sein kann. Sie selbst sei zwar bereits mit 16 Jahren sehr erwachsen gewesen, doch die geschäftlichen Hintergründe habe sie damals keineswegs vollständig verstanden.
Die Sache mit den Verträgen habe sie erst viel später durchschaut, räumt Marolt offen ein. Sie sei sich bewusst, dass sie damals stark polarisiert habe. Als ehrliche Haut sei ihre direkte und ungeschminkte Art schlichtweg nicht bei jedem gut angekommen. Dennoch blieb sie stets bei sich selbst, auch wenn der mediale Gegenwind in jener Phase beträchtlich war.
Das Dschungelcamp und der Eklat um Jochen Bendel
Über ihre Zeit im berühmt-berüchtigten RTL-Dschungelcamp bewahrt Marolt bis heute größtenteils Stillschweigen. Sie macht nach wie vor ein bewusstes Geheimnis aus den damaligen Vorgängen im Camp. Zur Erklärung verweist sie auf die Mechanismen der Produktion: Im Fernsehen sehe der Zuschauer am Ende nur einen kurzen Ausschnitt, und daraufhin werde einem sofort eine feste Rolle aufgedrückt.
Für echtes Erstaunen sorgte im Verlauf der Sendung die Konfrontation mit einem historischen Zitat ihres damaligen Dschungel-Kollegen Jochen Bendel. Dieser hatte damals über sie geurteilt, dass er sie verkaufen würde, wenn sie seine Tochter wäre. Larissa Marolt erfuhr erst jetzt im Talk bei Budgen von dieser herabwürdigenden Entgleisung. Trotz dieser späten Offenbarung reagierte sie gewohnt abgeklärt und unterstrich damit einmal mehr ihre persönliche Reife im oft unbarmherzigen Medienzirkus.