Ron Prosor:
"Linker Antisemitismus ist das Gefährlichste"
Rechte Antisemiten äußerten sich offen, so Prosor: "Wir sind gegen Juden, Schwarze und Schwule." Dagegen wisse Deutschland juristisch und politisch gut vorzugehen. Der linke Antisemitismus sei dagegen subtiler und habe im kulturellen sowie akademischen Bereich die Grenze zwischen Meinungsfreiheit und Aufhetzung längst überschritten. "Ein jüdischer Künstler muss seine Identität in der Garderobe abgeben, um akzeptiert und nicht boykottiert zu werden."
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Warnung vor Rot-Grün-Rot in Berlin
Als Beispiel nannte er die Ausladung des israelischen Dirigenten Lahav Shani: Das Flanders Festival Ghent hatte im September 2025 ein Konzert der Münchner Philharmoniker unter Shani abgesagt, weil dessen Distanz zur israelischen Regierung nicht klar genug gewesen sei. Israels Botschafter in Belgien wertete den Schritt als antisemitisch; auch der belgische Premierminister kritisierte ihn scharf.
Prosor warnte eindringlich vor den Folgen einer möglichen Rot-Grün-Rot-Regierung in Berlin. "Was in Berlin passiert, muss jeden beunruhigen, dem das Fortbestehen jüdischen Lebens in dieser Stadt am Herzen liegt." Juden hätten Angst, mit Davidstern und Kippa in die U-Bahn zu gehen, jüdische Studierende fürchteten sich auf dem Campus, und Familien nähmen ihre Kinder aus öffentlichen Schulen, um sie zu schützen.
Lippenbekenntnisse reichten nicht, forderte der Botschafter: Es brauche konkrete Maßnahmen, damit jüdisches Leben in Deutschland sicher und sichtbar gelebt werden könne. Auch muslimischer Antisemitismus trete offen zutage, etwa bei Demonstrationen für ein Kalifat – dagegen stünden Juden jedoch nicht allein.