3,5 Mio Umsatz
Mega Cannabis-Plantage in Wien: "Legales Geschäft"
Am Landesgericht hat am Donnerstag der Prozess um die mutmaßlich größte Wiener Cannabis-Plantage der jüngeren Kriminalgeschichte begonnen. Die zwei Hauptangeklagten sollen im Frühjahr 2024 eine über 3.000 Quadratmeter große Lagerhalle in Wien-Liesing übernommen und zur illegalen Aufzucht von Cannabispflanzen umfunktioniert haben, um die Ernte gewinnbringend zu verkaufen. Die zwei Männer im Alter von 42 und 46 Jahren sprechen dagegen von einem "legalen Forschungsbetrieb".
Die Betreiber - zwei Männer im Alter von 42 und 46 Jahren - sollen auf einer Anbaufläche von 1.500 Quadratmetern bis Anfang September 2025 hunderte Kilogramm Cannabiskraut erzeugt haben. Als die Polizei im Vorjahr die Plantage aushob, wurden dort 300 Kilogramm Cannabis sichergestellt, das in 99 Säcken abgepackt war. Beim Einschreiten der Polizei wurden in der Halle 9.270 Cannabispflanzen vorgefunden. 420 Kilogramm wurden in mehreren Self-Storage-Lagern entdeckt, die der Drittangeklagte - ein unterstandsloser 56-Jähriger - als Suchtgiftbunker angemietet haben soll, in Kartonagen abgepackt und zum Verkauf bereitgehalten.
Die Plantage spielte laut Staatsanwältin alle Stückerln. Neben der für den Anbau nötigen Technik und Infrastruktur wies sie eine voll ausgestattete Küche, Sanitäranlagen und Schlafplätze auf - eigens beschäftigte Gärtner lebten dort und hatten sich um Wuchs und Gedeih der Pflanzen zu kümmern. Neben dem Wohnbereich gab es für die neun Arbeiter serbischer Herkunft sogar eine eigene Chill-Zone mit einem Fernseher samt Playstation-Konsole, mehreren Laptops und einer Dartscheibe.
Verteidiger: Legales Geschäftsmodell
Die beiden Hauptangeklagten waren nicht geständig. Ihre Verteidiger Normann Hofstätter und Volkert Sackmann betonten, die zwei hätten legale Geschäfte mit Cannabis-Stecklingen gemacht und nicht Suchtgift produziert. "Stecklinge darf man legal erwerben und legal verkaufen", sagte Hofstätter. Sein Mandant und der 42-Jährige - ein in der Immobilienbranche tätiger Manager - hätten ein legales Geschäftsmodell entwickelt und Cannabis-Generika produziert.
"Ich kann das Wort 'illegale Cannabis-Plantage' schon gar nicht mehr hören. Es war ein Zucht- und Forschungsbetrieb. Wir haben für angemeldete Mitarbeiter Kommunalsteuern bezahlt und langfristig interveniert", sagte der 46-Jährige in seiner Beschuldigteneinvernahme. Er habe "ein legales Unternehmen" aufgebaut und dafür eine Bewilligung der MA 40 gehabt. Er habe nicht mit Suchtgift gehandelt, sondern THC-Pflanzen gezüchtet, geerntet und "für Forschungszwecke verpackt. Wer eine Bewilligung hat, tut nix Verbotenes".
Unternehmensziel sei es gewesen, "das THC aus der Pflanze herauszubekommen". Man habe den THC-Gehalt der Cannabis-Sorten unter 0,3 Prozent degradieren wollen, um Nutzhanf herzustellen. Finanziert habe er das Ganze mit dem Verkauf von Stecklingen, schilderte der 46-Jährige in einem stundenlangen Vortrag, der sich über weite Strecken wie ein Privatissimum anhörte.
Er habe über 90 Sorten von teilweise überragender Qualität gezüchtet und dafür im Genetik-Handel bis zu 9.000 Euro für einen einzelnen Steckling verdient: "Das funktioniert ähnlich wie im Weinbau, wo es unterschiedliche Reben gibt und nicht nur den Grünen Veltliner." Weiters habe er aus den Terpenen (Bestandteile der Cannabispflanze, Anm.) ätherische Öle entwickeln wollen: "Das funktioniert ähnlich wie bei Rosenölen."
"Er ist ein Profi", entfuhr es Normann Hofstätter, dem Verteidiger des 46-Jährigen, anerkennend. Dieser weist vier Vorstrafen wegen Suchtmitteldelikten auf. Er habe seinerzeit "Cannabis-Gärten" betrieben, räumte der 46-Jährige dazu ein. Nach Verbüßung seiner letzten Freiheitsstrafe lebe er aber seit mittlerweile zehn Jahren "in meiner zweiten Welt".
Er habe umgesattelt, Unternehmen gegründet, sich nie mehr etwas zuschulden kommen lassen. Zunächst habe er "Handwerkzeuge für Cannabis" entwickelt und sich in der Start-up-Szene vernetzt. Die österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) habe ihn in weiterer Folge mit einem sechsstelligen Betrag bei der Entwicklung einer Erntemaschine für Hanf unterstützt. Zuletzt habe er mit der Halle in Liesing "einen bestehenden Zuchtbetrieb übernommen" und sein Wissen in der Kreuzung und Veredelung von Cannabis-Sorten zu Geld gemacht.
Erlös von 3,55 Millionen Euro versteuert
"Die Stecklinge sind an den Meistbietenden verkauft worden. Jeder Verkauf wurde in eine mobile Registrierkasse getippt", gab der 46-Jährige zu Protokoll. Er habe mit seinen Geschäften innerhalb von eineinhalb Jahren einen Erlös von 3,55 Millionen Euro erzielt: "Der Umsatz wurde verbucht und versteuert. Es gibt einen Steuerberater, es gibt die Belege. Sie liegen im Akt."