Meilenstein für NÖ-Frauen: 100. Bürgermeisterin im Amt!

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Ein historischer Tag für die Gleichstellung: Mit Sabine Tolstiuk (ÖVP) übernimmt in Natschbach-Loipersbach die 100. Frau in Niederösterreich das Bürgermeisteramt.
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Ein Meilenstein – doch der Weg zur echten Gleichberechtigung ist noch weit.

"Irgendwann spricht niemand mehr darüber"

Tolstiuk selbst bringt es auf den Punkt: Früher wäre es eine Sensation gewesen, dass eine Frau dieses Amt übernimmt. Heute steht die Zahl bei 100 – ihr Wunsch für die Zukunft: dass das Geschlecht der Ortschefin irgendwann komplett irrelevant wird.

17 Prozent der 573 niederösterreichischen Gemeinden werden mittlerweile von Frauen geführt – eine Verfünffachung in nur 22 Jahren. Damit ist Niederösterreich österreichweiter Spitzenreiter, der Bundesschnitt liegt bei mageren zwölf Prozent.

Die gläserne Decke der Kommunalpolitik

Doch die Zahlen zeigen auch: Je höher das Amt, desto dünner die Luft für Frauen. Rund 30 Prozent Gemeinderätinnen, 25 Prozent Vizebürgermeisterinnen – aber nur 17 Prozent schaffen es an die Spitze. Tolstiuk benennt das Problem klar: überkommene Rollenbilder, die sich nicht über Nacht auflösen, und die Dauerfrage der Vereinbarkeit von Familie und Amt.

Ihre Forderung ist unmissverständlich: Schluss mit dem Anspruch, Frauen müssten für jede Aufgabe schon perfekt sein. "Niemand wird als fertige Bürgermeisterin geboren" – man wachse in die Verantwortung hinein.

Pionierinnen aus dem Bezirk Neunkirchen

Besonders bemerkenswert: Ausgerechnet der Bezirk Neunkirchen schreibt Frauen-Geschichte gleich doppelt. Hier wurde nicht nur die 100. Bürgermeisterin Niederösterreichs gewählt, sondern 1948 mit Zenzi Hölzl (SPÖ) in Gloggnitz auch die allererste Österreichs. Zehn Jahre lang kämpfte sie für Frauenrechte und sozialen Wohnbau – eine echte Vorreiterin.

Auch Lisbeth Kern (SPÖ) schrieb Geschichte: Als Bürgermeisterin von Petzenkirchen hielt sie sich fast drei Jahrzehnte an der Spitze und ist bis heute die längstdienende Bürgermeisterin Österreichs überhaupt. Erst im Februar 2026 übergab sie ihr Amt – mit einer Ehrenbürgerschaft als verdienten Dank für ihr Lebenswerk.

Vorbilder schaffen Mut

Tolstiuks Botschaft an alle Frauen: Sichtbarkeit macht den Unterschied. Wenn eine Frau sieht, wie eine andere ganz selbstverständlich ihren Weg als Bürgermeisterin geht, sinkt die Hemmschwelle für den eigenen Schritt. Ihr Fazit: Es braucht mehr Vorbilder, mehr Selbstvertrauen – und Rahmenbedingungen, die politisches Engagement mit einem erfüllten Privatleben vereinbar machen. Für Frauen. Und für Männer gleichermaßen.