GPS-Sender gefunden
Mönchsgeier im Großarltal vermutlich abgeschossen
Pongau. Ein streng geschützter Mönchsgeier ist im Großarltal im Salzburger Pongau vermutlich illegal getötet worden. Darauf deuten die Aufzeichnungen seines GPS-Senders hin, der später in der Salzach gefunden wurde. Vom Tier selbst fehlt bislang jede Spur. Die Kriminalpolizei hat Ermittlungen aufgenommen.
Der etwa zwei Jahre alte Greifvogel war im Rahmen eines internationalen Artenschutzprojekts in Bulgarien ausgewildert worden. Sein Verschwinden bedeutet für die Bemühungen zur Wiederansiedelung der seltenen Vogelart einen Rückschlag.
GPS-Daten liefern Hinweise auf mögliche Tat
Laut Johannes Hohenegger von der Vogelschutzorganisation BirdLife hielt sich der Mönchsgeier am späten Nachmittag auf einem Schlafbaum im Großarltal auf. Zunächst zeigten die Messdaten keine Auffälligkeiten. Dann registrierte der Sender plötzlich ungewöhnliche Bewegungen und mehrere abrupte Positionsänderungen. Wenige Minuten später bewegte sich das GPS-Signal entlang einer Straße durch das Tal. Das aufgezeichnete Bewegungsmuster entsprach laut Hohenegger eher einem fahrenden Auto als einem fliegenden Vogel.
Die Spur führte schließlich bis zur Salzach. Dort fiel die vom Sender gemessene Temperatur innerhalb weniger Minuten von der Körpertemperatur des Vogels auf die Wassertemperatur des Flusses. Später konnte das Gerät geborgen werden. Dabei stellten die Vogelschützer fest, dass der Sender offenbar mit einem scharfen Schnitt vom Tier getrennt worden war. Ein natürliches Ablösen sei nach Einschätzung des Experten ausgeschlossen.
Hohenegger vermutet aufgrund der raschen Abfolge einen Abschuss. Eine Vergiftung hält er für unwahrscheinlich, da deren Wirkung nicht innerhalb weniger Minuten eingetreten wäre. Der Experte geht zudem davon aus, dass der Vogel möglicherweise zufällig entdeckt und getötet wurde. Ob tatsächlich ein illegaler Abschuss vorliegt, müssen die Ermittlungen klären.
Seltener Greifvogel in Österreich
Mit einer Flügelspannweite von bis zu drei Metern zählt der Mönchsgeier zu den größten Greifvögeln Europas. Als Brutvogel gilt die Art in den österreichischen Alpen seit langer Zeit als ausgestorben. Nur vereinzelt werden Mönchsgeier in Österreich beobachtet. Laut BirdLife halten sich gewöhnlich lediglich ein bis drei Exemplare pro Jahr in der Region auf. Der größte europäische Bestand befindet sich in Spanien. Dort leben nach Angaben des Vogelschutzexperten etwa 2.500 bis 2.600 Brutpaare.
Um die gefährdete Art langfristig zu erhalten, laufen internationale Wiederansiedelungsprogramme. Eines davon soll den Mönchsgeierbestand auf dem Balkan wieder aufbauen. Die Aufzucht, Auswilderung und Betreuung eines einzelnen Vogels kostet laut Hohenegger mehrere Zehntausend Euro. Der mutmaßliche Verlust des jungen Mönchsgeiers trifft damit auch das bulgarische Schutzprojekt.
Bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe
Die Salzburger Kriminalpolizei untersucht nun die Umstände des Verschwindens. Sollte sich der Verdacht einer illegalen Tötung bestätigen und ein Täter verurteilt werden, droht eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren.