Leo

Nach 18 Jahren: Papst wieder in Frankreich

© APA/AFP/ALBERTO PIZZOLI
Es ist der erste Staatsbesuch eines Papstes in Frankreich seit 18 Jahren: Papst Leo XIV. wird vom 25. bis 28. September in Paris, Lourdes und Metz erwartet.
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Der Umgang mit Missbrauch in der katholischen Kirche, das französische Sterbehilfe-Gesetz und eine politische Friedensbotschaft im Beisein europäischer Staats- und Regierungschefs prägen das Programm. Zur Messe auf der Pariser Place de la Concorde werden 600.000 Menschen erwartet.

"Damit die Welt das Leben habe", lautet der Leitspruch der Reise - eine indirekte Kritik an dem im August in Frankreich verabschiedeten Gesetz, das unter Auflagen die Sterbehilfe legalisiert. Nach französischen Medienberichten steht dies auch im Hintergrund der Absage an Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der sich vergeblich um ein Treffen mit dem Papst bemüht hatte, um ihm die Restaurierung der durch einen Brand 2019 schwer in Mitleidenschaft gezogene Pariser Kathedrale Notre-Dame zu präsentieren. Der Elysée-Palast betonte, dass es aus organisatorischen Gründen nicht dazu komme. Macron nimmt seinerseits nach Angaben seines Amtes an keiner der Papstmessen teil. In Paris lässt er sich von Premierminister Sébastien Lecornu und seiner Ehefrau Brigitte Macron vertreten.

Zum Auftakt will der Papst am Freitag mit Macron im Elysée zusammentreffen und den Pariser Sitz der UNO-Kulturorganisation UNESCO besuchen. Anschließend begibt sich Leo XIV. im Papamobil zur Pariser Kathedrale, um dort mit Priestern, Diakonen und Ordensleuten die Vesper zu feiern.

Am Freitagabend ist eine Begegnung mit jungen Menschen zwischen 17 und 35 Jahren im Stade de France nördlich von Paris geplant. Die 80.000 Plätze waren innerhalb einer Stunde ausgebucht gewesen. Bei dem Gebetstreffen trifft neben anderen die Sängerin Monroe auftreten, die für Frankreich beim Eurovision Song Contest in diesem Jahr den elften Platz errungen hat. Zudem soll dort eine Reliquie ausgestellt werden, die der Tradition nach ein Gewand von Jesus war.

Freiluftmesse an der Place de la Concorde

Am Samstag will der Papst eine Einrichtung für Migranten besuchen und am Institut Catholique mit jungen Erwachsenen zusammentreffen, die sich kürzlich haben taufen lassen oder dies vorhaben. Der Anstieg der Erwachsenentaufen in Frankreich seit mehreren Jahren interessiere den Papst sehr, betonte die französische Bischofskonferenz. Am Nachmittag ist auf der Place de la Concorde die Messe unter freiem Himmel geplant, bei der die Teilnehmer sich über die gesamte Länge der Champs-Elysées und noch weiter hinter dem Triumphbogen verteilen werden.

Am Sonntag will der Papst das südwestfranzösische Lourdes, einen der größten katholischen Wallfahrtsorte der Welt, besuchen und dort mit bis zu 150.000 Menschen ebenfalls eine Messe unter freiem Himmel feiern. Dort ist auch ein Treffen mit sieben Menschen geplant, die von katholischen Geistlichen oder an katholischen Schulen missbraucht worden waren.

Seit der Veröffentlichung eines Berichts von 2021, der die Zahl der minderjährigen Opfer von sexuellem Missbrauch durch Priester, Ordensleute und Laien im kirchlichen Dienst seit 1950 auf 330.000 geschätzt hatte, bemüht sich die katholische Kirche im Land um Aufarbeitung und Wiedergutmachung. In den vergangenen fünf Jahren wurden knapp 1.200 Opfer finanziell entschädigt. An der Basilika von Lourdes wurden die Mosaiken des slowenischen Geistlichen und Künstlers Marko Rupnik abgedeckt, der mit Missbrauchsvorwürfen vonseiten mehrerer erwachsener Frauen konfrontiert ist.

EU-Staats- und -Regierungschefs nach Metz geladen - Stocker nicht dabei

Der Papstbesuch endet in der ostfranzösischen Stadt Metz, dem Wohnort von Robert Schuman, einem der Gründerväter der EU. Für den früheren französischen Ministerpräsidenten und Außenminister läuft in der katholischen Kirche ein Seligsprechungsverfahren. Papst Leo will in dem dortigen Kongresszentrum im Beisein von Macron und weiterer Spitzenpolitiker an die Wurzeln Europas erinnern und zu Frieden und Versöhnung aufrufen. Eingeladen seien sämtliche Staats- und Regierungschefs der EU, die Antworten seien noch ausständig, erklärte der Elysée. Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) wird nach Auskunft des Bundeskanzleramtes nicht anreisen.

Leos Vorgänger Franziskus war drei Mal nach Frankreich gereist, aber nie zu einem Staatsbesuch. 2014 warb er vor dem Europaparlament in Straßburg für die Achtung der Menschenwürde, 2023 hielt er eine mahnende Rede zum Umgang mit Mittelmeerflüchtlingen in Marseille, und 2024 besuchte er die französische Mittelmeerinsel Korsika, wobei es ebenfalls um das Thema Migration ging.

Macron hatte Franziskus zweimal im Vatikan getroffen und ihn dabei öffentlich geduzt, was im Vatikan nicht gut angekommen sein soll. Dem im Mai 2025 gewählten Papst Leo stattete er im April seinen Antrittsbesuch im Vatikan ab. Das französische Präsidialamt sprach von einer "intellektuellen Nähe" der beiden.