Irrtum
Nach dem Sommerregen nicht mehr gießen? Diesen Fehler machen gerade alle
Ein Blick auf den Wetterbericht macht Hoffnung: In den kommenden Tagen soll es ordentlich regnen. Nach der langen Trockenphase, die viele Gärten inzwischen wie kleine Steppen aussehen lässt, ist das eine willkommene Nachricht. Endlich kann die Gießkanne stehen bleiben – oder etwa nicht? Wir verraten, warum Ihre Pflanzen gerade nach einem Sommerregen besondere Aufmerksamkeit brauchen und was dabei eigentlich im Boden passiert.
Was Sie jetzt beim Gießen unbedingt beachten müssen
Ein kurzer Sommerregen bedeutet längst nicht, dass Beete, Kübel und Balkonpflanzen ausreichend mit Wasser versorgt sind. Warum der Regen unseren Pflanzen oft nicht viel nützt, liegt an zwei heimtückischen Phänomenen, die im Sommer aufeinandertreffen:
Der "Regenschirm-Effekt"
Haben Sie sich bei einem plötzlichen Schauer schon mal unter einen dichten Baum gerettet und sind fast trocken geblieben? Genau diesen Effekt machen sich viele Pflanzen zunutze. Gewächse mit dichtem Laub oder großen Blättern (wie Rhododendren, Buchsbäume oder auch Tomaten) fangen den Regen einfach ab. Das Wasser perlt über das Blattwerk nach außen, während der Boden direkt am Stamm, dort, wo die Wurzeln sitzen, staubtrocken bleibt.
Besonders dramatisch ist das bei Kübelpflanzen: Hier ragen die Blätter oft weit über den Topfrand hinaus und leiten das dringend benötigte Wasser zielsicher am Topf vorbei auf den Terrassenboden.
Der "Backstein-Boden"
Hat die Sommersonne in den Wochen zuvor ganze Arbeit geleistet, ist die Erde oft extrem ausgetrocknet und hart gebacken. Fällt nun ein heftiger und plötzlicher Sommerregen, kann der Boden diese Wassermassen überhaupt nicht schnell genug aufsaugen. Das Prinzip gleicht einem trockenen Haushaltsschwamm: Das Wasser fließt einfach oberflächlich ab oder verdunstet rasch wieder, ohne jemals die tiefer liegenden Wurzeln zu erreichen, die oft 15 bis 20 Zentimeter tief in der Erde liegen.
Die Fingerprobe bringt Gewissheit
Sie sind sich unsicher, ob der Schauer vielleicht doch gereicht hat? Machen Sie den Test. Stecken Sie Ihren Finger etwa fünf bis zehn Zentimeter tief in die Erde im Beet oder Blumentopf. Sie werden schockiert sein, wie oft die Erde unter der obersten, feuchten Schicht noch komplett trocken und krümelig ist. Fühlt es sich unten trocken an, herrscht Gieß-Alarm.
So retten Sie Ihre Pflanzen
Wer seine grüne Oase wirklich liebt, nutzt den Regen als Vorarbeit und wird danach selbst aktiv. Mit diesen Profi-Tipps kommen Ihre Pflanzen perfekt durch den Sommer:
- Boden lockern: Hacken Sie die oberste Erdschicht nach einer langen Trockenperiode vorsichtig auf. Brechen Sie die harte Kruste auf, damit das Regenwasser – und Ihr Gießwasser – wieder in die Tiefe zu den Wurzeln sickern kann, anstatt abzulaufen.
- Gezielt gießen: Gießen Sie direkt an der Wurzel und vermeiden Sie es, die Blätter mit hartem Strahl zu beregnen. Wenn die Blätter über Nacht nass bleiben, steigt das Risiko für Pilzerkrankungen.
- Kübelpflanzen checken: Vergessen Sie Ihre Balkonpflanzen nicht. Selbst wenn sie den Regenschauer scheinbar voll abbekommen haben, ist die Erde im Kübel meistens kaum feucht geworden.
- Das Geschenk der Natur nutzen: Der Sommerregen war natürlich trotzdem nicht umsonst. Nutzen Sie Regentonnen, um das kostbare Nass aufzufangen. Regenwasser ist kalkarm, weich und somit das absolute Lieblingsgetränk Ihrer Pflanzen.