Am Montag
Nationalbank feiert heuer 210. Jubiläum
Gegründet wurde sie am 1. Juni 1816 nach den napoleonischen Kriegen, um die zerrütteten Staatsfinanzen zu stabilisieren und das Geld- und Finanzwesen zu sanieren. Damit ist sie eine der ältesten Notenbanken der Welt. Heute ist sie Teil des europäischen Zentralbankensystems (ESZB), ihre Hauptaufgabe ist die Stabilisierung der Preise.
Notenbanken gibt es in Europa seit Mitte des 17. Jahrhunderts. In Österreich gab es mit dem 1705 gegründeten "Wiener Stadtbanco" einen frühen Vorläufer einer papiergeldausgebenden Institution - ab 1762 wurden die ersten "Bancozettel" ausgegeben.
Der Startschuss für die "privilegirte oesterreichische National-Bank" fiel aber erst am 1. Juni 1816 - als private Aktiengesellschaft und in Reaktion auf die Staatspleite von 1811. Angesichts stark gestiegener Staatsschulden sah Kaiser Franz I. keinen anderen Weg, als die in Umlauf befindlichen "Bancozettel" auf ein Fünftel ihres Nennwerts abzuwerten.
Dieser Einschnitt führte zu großer Verunsicherung in der Bevölkerung und dem Ruin zahlloser Familien, die Inflation konnte damit aber nicht eingedämmt werden. Denn das Staatsdefizit - die Ursache für die Inflation - blieb bestehen und wurde weiter durch die Ausgabe von Papiergeld finanziert. Zwischen 1792 und 1816 hat sich die Menge an Papiergeld auf das 120-Fache erhöht, allein zwischen 1811 und 1816 verdreifachte sie sich - damit konnte die damalige Basis, die Silberbestände, nicht mithalten. Gold diente erst Ende des 19. Jahrhunderts als Sicherheit für Papiergeld.
Frauen wurden lange nicht zugelassen
Frauen waren in der Nationalbank bis 1850 nicht zugelassen, danach ein paar Jahrzehnte nur zum Putzen, bis sie erst als Druckerinnen, dann als "Büromanipulantinnen" angestellt wurden - aber nur ledig. Denn bis 1920 mussten sie mit der Hochzeit aus der Nationalbank ausscheiden (allerdings mussten auch Männer ihre Hochzeitspläne genehmigen lassen). 1973 wurde erstmals eine Frau Abteilungsleiterin, 1990 war dann Maria Schaumayer die erste Frau an der Spitze der OeNB.
Grundidee stark verändert
Die Rolle der Notenbank hat sich mit der Zeit stark verändert: Gegründet wurde sie zur Sanierung des Geldwesens und zur Wiederherstellung von Vertrauen, in ihren ersten Jahrzehnten wurde sie aber auch zur Finanzierung staatlicher Schulden herangezogen. Heute ist direkte monetäre Staatsfinanzierung verboten.
Die OeNB ist Teil des Eurosystems, des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB) mit der Europäischen Zentralbank (EZB) an der Spitze. Ihre Kernaufgabe ist die Gewährleistung der Preisstabilität. Daneben kümmert sie sich um die Versorgung der Bevölkerung mit Bargeld, die reibungslose Abwicklung des Zahlungsverkehrs, die Sicherung des österreichischen Finanzmarktes sowie die Verwaltung der Gold- und Währungsreserven.
Eine stetige Aufgabe der Nationalbank bleibt indessen der Kampf gegen die Fälscher. Bereits im 18. Jahrhundert wurde dafür die "Fabrications-Commission" gegründet, aber egal welche Techniken angewandt wurden, die Fälscher fanden rasch Mittel, um die Sicherheitsmerkmale nachzubilden. Auch als man 1841 auf Tiefdruck umstellte und sich sicher wähnte, dauerte es nur wenige Jahre, bis nahezu perfekte Fälschungen gefunden wurden.
OeNB will sich mehr öffnen
Aktuell befindet sich die OeNB in einem Modernisierungsprozess und will sich in den kommenden Jahren stärker öffnen. Das Geldmuseum wird neu gestaltet, generell sollen die öffentlich zugänglichen Bereiche einladender für die Öffentlichkeit werden. Auch ihr volkswirtschaftliches und wirtschaftspolitisches Wissen will die OeNB vermehrt teilen. Damit soll der öffentliche Diskurs, die Wissenschaft, aber auch die sachliche politische Entscheidungsfindung unterstützt werden.
Auch die Digitalisierung spielt in der neuen Strategie eine zentrale Rolle. Die Nationalbank setzt sich klar für den digitalen Euro als Bargeld-Ergänzung ein. Zudem soll künstliche Intelligenz (KI) zur Vereinfachung von Administration und Prozessen eingesetzt werden.