ÖVP mit Kritik

Kultureuro wird zum Drama: "Alle haben Panik"

© Marvin Kallo/ ÖVP Wien
Noch ist offen, ob der "Kultureuro" als fixer Betrag oder mit 12,5 Prozent auf Tickets kommt. Für die ÖVP steht dennoch fest, dass die geplante Abgabe den Kulturstandort schwächen würde. Nun soll Ludwig die Pläne zurückziehen.
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Der Widerstand gegen den geplanten "Kultureuro" wird immer breiter. Zuerst ließen Staatsoperndirektor Bogdan Roščić, Konzerthaus-Vorstand Matthias Naske und Belvedere-Chefin Stella Rollig mit scharfer Kritik aufhorchen. Am Montag legte die heimische Veranstaltungsbranche nach. Nun erhöht auch die Wiener ÖVP den Druck auf die rot-pinke Stadtregierung. Die Stadtpartei will die geplante Abgabe in der kommenden Sitzung des Landtags zum Thema machen.

Gleichzeitig fordert man Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) in einem offenen Brief auf, die Pläne fallen zu lassen. Noch offen ist, wie die neue Abgabe genau ausgestaltet werden soll. Im Raum stehen sowohl ein fixer Betrag pro Eintrittskarte als auch ein prozentueller Aufschlag von 12,5 Prozent. Die daraus erzielten Einnahmen sollen wieder dem Kulturbereich zugutekommen. Die neue Abgabe soll laut Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) im Oktober in Begutachtung gehen, ein Beschluss ist nach derzeitigem Plan noch im November oder Dezember vorgesehen.

Institutionen und Veranstalter schlagen Alarm

Roščić hatte die kolportierte Abgabe gegenüber dem "Kurier" als existenzbedrohend bezeichnet und zunächst sogar an einen Aprilscherz geglaubt. Naske sprach ebenfalls von einer "existenzbedrohenden Dimension". "Wir rechnen mit mehr Schaden als Nutzen. Preiserhöhungen wirken abschreckend und erschweren den Kulturbesuch", sagte Rollig.

Klar ist, dass Eintrittskarten für Konzerte, Museen, Theater oder Kinos durch die neue Abgabe teurer werden. Am Montag folgte dann die nächste Protestwelle. Die Veranstaltungsbranche warnte vor allem davor, dass internationale Superstars Wien künftig meiden und große Konzerte in wirtschaftlich attraktivere Städte verlagert werden könnten. Gleichzeitig sieht die Branche unzählige Arbeitsplätze in Gefahr.

Figl: "Kulturelle Seele Wiens wird verkauft"

Nun steigt die ÖVP in die Debatte ein. Parteichef Markus Figl sieht den "Kultureuro" als Teil einer ganzen Serie neuer Belastungen. Parken und Öffis wurden teurer, ebenso Beiträge für Kindergärten, Musikschulen, Büchereien und Bäder. Für 2027 stehen zudem Erhöhungen bei Wasser, Kanal und Müll bevor. Figl verweist dabei auch auf die angespannte Finanzlage der Stadt. Laut ÖVP entfielen im ersten Halbjahr 2026 fast 95 Prozent des negativen Finanzierungssaldos aller Bundesländer auf Wien. "Die Rechnung für das Finanzchaos schickt die Stadt den Wienern", so Figl bei einem Hintergrundgespräch am Dienstag.

Besonders scharf kritisiert er die Neos, die beim Thema Entlastung "im Liegen umgefallen" seien. Gerade als internationale Kulturmetropole dürfe Wien den Zugang zu Kunst und Kultur nicht durch neue Abgaben erschweren. "Kunst und Kultur ist bei uns kein Luxusgut", betont der ÖVP-Chef. Figl ortet auch neue Belastungen abseits der Ticketpreise. Für Kulturbetriebe würde die Einhebung der Abgabe aus seiner Sicht einen enormen bürokratischen Aufwand bedeuten, der wiederum weitere Mehrkosten bedeuten würde. "Die Stadtregierung verkauft die kulturelle Seele Wiens, um Löcher zu stopfen", poltert Figl.

Edelmann: "Alle haben Panik"

Bei den Festwochen ortet die ÖVP fehlenden Sparwillen. © APA/TOBIAS STEINMAURER

Noch drastischer beschreibt ÖVP-Kultursprecherin Judith Edelmann die Stimmung in der Branche. "Kultureuro ist eine Verharmlosung, es ist eine beinharte Kultursteuer", sagt Edelmann. Die Pläne seien "unsozial und unverantwortlich". Wie groß die Verunsicherung bei Institutionen und Betrieben sei, fasst sie knapp zusammen. "Alle haben Panik", so die Kulurpsrecherin. Für sie steht fest, dass höhere Preise Auswirkungen auf das Besucherverhalten hätten. Als mögliche Folge sieht sie, dass kleine Betriebe zusperren müssen, während der Besuch großer Häuser zunehmend einem zahlungskräftigen Publikum vorbehalten bleibt.

Festwochen und Qwien im Visier

Die ÖVP fordert deshalb, zunächst bei den bestehenden Ausgaben anzusetzen. Edelmann kritisiert, dass bei den Kulturförderungen nicht überall gleichermaßen gespart werde. Besonders Förderungen, die sie als ideologisch getrieben einstuft, müssten aus ihrer Sicht überprüft werden. Explizit nennt sie die Wiener Festwochen, die nach ihren Angaben keinen Cent einsparen müssten. Auch die Förderung für das "Qwien – Zentrum für queere Geschichte" zählt Edelmann zu jenen Ausgaben, die aus ihrer Sicht hinterfragt werden sollten.

Politisch will die ÖVP den Streit nun weiter zuspitzen. Die "Kultursteuer" soll in der Aktuellen Stunde des kommenden Landtags behandelt werden. Parallel richtet sich der offene Brief an Bürgermeister Ludwig. Auch Vertreter aus Kunst und Kultur sowie weitere Betroffene sind aufgerufen, die Initiative zu unterstützen. "Nur mit öffentlichem Druck kann die Vernunft siegen", sagt Edelmann. Die Forderung der ÖVP ist eindeutig. Der geplante "Kultureuro" soll vom Tisch.